Adventskalender 2015 – zusammengefasst

Advent Advent, ein Lichtlein brennt
erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier
und wenn das fünfte Lichtlein brennt,
dann hast du Weihnachten verpennt.

Zum Abschluss unseres diesjährigen Adventskalenders, fassen wir nochmal alle Beiträge zusammen, dass sie nicht verschwinden und in Vergessenheit geraten.

 

Zu Beginn des Adventskalenders eine Einstimmung in den Advent mit Advents- und Weihnachtsliederkaraoke.

Der Synthesizer ist nicht ganz so mein Fall. Da freu ich mich umso mehr auf das Adventsliedersingen bei uns in der Kirchengemeinde am Samstagabend und das Adventsglockenspiel am Sonntagmittag auf dem Rathausplatz.
Schaut doch mal, ob es bei euch in der Gemeinde nicht auch etwas zum Mitsingen gibt. Denn selber singen bringt und macht doch viel mehr Freude, als davon beschallt zu werden.

Diese Anregung zum Adventsliedersingen kam von Eva.

 

Der Advent ist angebrochen. Weihnachten steht vor der Tür. Die Leute kommen zusammen, um über die wichtigste Frage des ganzen Weihnachtsfestes zu diskutieren: Wo kommt der Weihnachtsmann her? Die LangweilerInnen unter euch werden jetzt sagen: „Elisabeth, es gibt den Weihnachtsmann gar nicht. Er ist nur eine Erfindung der Coca Cola Company, um mehr Coca Colas zu verkaufen. Das weiß doch jedes Kind.“ Ist das so? Diese Leute frage ich: wenn es den Weihnachtsmann nicht gibt, wo kommen dann die Geschenke her? Du willst mir doch nicht ernsthaft erzählen, dass irgendjemand bei Minusgraden vor die Tür geht, um sich mit tausenden von anderen Menschen durch schlechtsortierte Kaufhäuser zu quetschen, um dann am Ende ca. 458€ ärmer zu sein. Schach und Matt!

Nachdem wir erstmal einwandfrei bewiesen haben, dass es den Weihnachtsmann gibt, kommen wir nun zum eigentlichen Thema: Wo wohnt er denn nun? Die traditionelle Forschungsmeinung, die vor allem in den USA zu Hause ist, ist, dass der Weihnachtsmann am Nordpol wohnt. Dort schaltet er die Nordlichter an und aus und arbeitet das ganze Jahr über an Geschenken. Weil es für Rentiere eigentlich zu kalt ist, hat er angeblich riesige Heizungen aufstellen lassen, um das Klima zu erwärmen. Der Grund für die schmelzenden Polarkappen ist nicht der CO2 Gehalt in der Luft, sondern dass der Weihnachtsmann seine Heizungen immer auf fünf dreht.

Diese Meinung ist inzwischen sehr umstritten. Vor allem die Sache mit den Heizungen, wollen die meisten Leute nicht glauben. Sie machen tatsächlich den Menschen für die globale Erwärmung verantwortlich. Um auf diese Anfragen zu reagieren haben dänische Forscherinnen und Forscher die These aufgestellt, dass der Weihnachtsmann nur in der Nähe des Nordpols wohnt. Nämlich auf Grönland. Als Beweis wollen sie einige merkwürdige Lücken in der Bevölkerung Grönlands sehen. Es scheint nämlich fast so, als würde dort niemand wohnen. Aber in Wahrheit ist die Insel überfüllt mit Elfen und Elfinnen die ohne Tarif für den Weihnachtsmann arbeiten.

Einen ganz anderen Weg schlägt die sog. New Perspective on Weihnachtsmann ein. Sie vermutet aufgrund verschiedener Legenden, den Weihnachtsmann im Schwarzwald. Diese Meinung kann sich aber lediglich in der Schweiz halten und wurde von einem geehrten Forscher als „absurd“ bezeichnet.

Was ist nun die Wahrheit?

Die Wahrheit ist eine ganz andere. Sie wurde in meiner Familie von Generation zu Generation weitergegeben und ich erzähle sie nun euch: In Wahrheit wohnt der Weihnachtsmann hinter dem Horizont der Milchstraße. Den Weg dorthin kennen nur einige wenige Auserwählte. Ich selbst kenne ihn nicht, aber als Kind erzählte mir mein Vater immer wie er Berg auf Berg ab, dorthin gewandert ist. Es ist ein beschwerlicher Weg. Er führt am Haus von Schneewittchen vorbei und durch einen dunklen Wald (aber nicht dem Schwarzwald, der Wald sieht eher aus wie ein typisch brandenburgischer Mischwald). Man muss lange laufen und dann steht es da. Neben dem Haus vom Nikolaus: das sehr geheime Haus des Weihnachtsmannes.

Nun, jetzt wisst ihr’s. Die Diskussionen können aufhören. Vor allem die Vertreter und Vertreterinnen der Schwarzwaldhypothese sollten sich was schämen. Der Weihnachtsmann verteilt Güter um. Er ist also Kommunist. Daher kommt er ganz offensichtlich aus dem Osten Europas.

Von Elisabeth.

 

Weihnachtskuchen

Zutaten:
300g Margarine
300g Zucker
1 P. Vanillezucker
6 Eier
300g Mehl
1 P. Backpulver
ca. 150g Kakao (Trinkschokolade)
1,5 EL Zimt
125 ml roten Traubensaft oder Rotwein

Zubereitung:
-Margarine, Zucker und Vanillezucker schaumig rühren
-Eier trennen, Eigelb unter den Teig rühren, Eiweiß steif schlagen
-Mehl und Backpulver, dann Zimt und Kakao zum Teig dazugeben, dabei den Saft/Wein hinzugießen
-Eischnee unterheben
-Teig in eine Springform füllen
-bei 150 Grad Umluft etwa 60 Minuten backen

Viel Spaß beim Backen! wünschte Anne.

 

Adventsbesinnung 

In der Vorweihnachtszeit braucht es wenig Mut
und es tut
eigentlich sogar direkt ganz gut
zum Plätzchenbacken einzuladen.
Ein bisschen Vorweihnachtsstimmung kann schließlich nicht und niemandem schaden.

Und wenn dann der Geruch von frischen Plätzchen durch die Räume weht,
und man gemeinsam vor dem Backofen steht,
man die Weihnachtslieder hört
und auch der Glühweingeruch von draußen nicht stört,
scheint die Zeit
bereit
für ein bisschen Besinnlichkeit,
nach der es weit
und breit
schreit.

Einmal kurz inne halten,
seine Kraftreserven verwalten,
und nicht nur einen Gang herunterschalten –
auch dazu lädt die Adventszeit ein
und schafft damit obendrein
ein bisschen Sonnenschein
– wie fein –
an diesen kalten Tagen.
und trotzdem hört man uns klagen,
über den Stress beim Geschenkekauf,
über Klausuren die nicht darauf
warten können, später geschrieben zu werden,
über Herden
von Hausarbeiten
oder andere Unzulänglichkeiten,
die wie Pferde uns vor Weihnachten entgegen…
…galoppieren.
Auf allen Vieren.

Das Innehalten fällt dann auf einmal gar nicht leicht,
dabei reicht
es oft nur mal ganz kurz den Blick nach oben zu richten.
Zu Gott, über dessen Geschichten
wir noch heute berichten.
Aus einem guten Grund:
denn sein Bund
mit uns Menschen lässt sich durch nichts vernichten.
Deshalb tut es gut, bisweilen den Blick mal nach oben zu richten.
Die eigenen Sorgen sind dann kurz vergessen,
und selbst das Plätzchenessen
hat dann keine Priorität.
weil Gott über den Dingen steht.

von Pascal.

 

„#heimkommen“. Die Utopien der Adventszeit

Die Adventszeit hat am 1. Adventssonntag, dem 29.11 offiziell begonnen. Offiziell, nachdem schon seit dem Spätsommer Lebkuchen, Glühwein und andere Artikel, welche landläufig mit Weihnachten assoziiert werden, in den Regalen der Geschäfte stehen. Seit Mitte November leuchten die Städte und Dörfer in Rentieren und Weihnachtsmännern. Und pünktlich zum 1. Advent etabliert EDEKA einen neuen Hashtag in den sozialen Medien „#heimkommen“.

Über den Werbespot, der hinter diesem Hashtag steht wird nun heftig diskutiert, im Netz, in den Medien, und in meiner facebook Timeline. Man kann über diesen Videoclip geteilter Meinung sein, neben der Frage wie pietätvoll es ist, Werbung zu machen mit einer Geschichte, in deren Kern ein älterer Herr seinen eigenen Tod fingiert, um seine Familie zu einem gemeinsamen Weihnachtsfest zu bewegen, kann man sich auch trefflich über die inneren Brüche der Geschichte streiten.

Aber lassen wir diese ganzen Fragen außen vor, eines hat der #heimkommen auf jeden Fall geschafft: Ein Gefühl zu bedienen. Die Sehnsucht nach Geborgenheit, und das Gefühl, dass es richtig ist nach Hause zu kommen. Der Clip bedient eine Sehnsucht des modernen Menschen, deren Erfüllung er in der Advents und Weihnachtszeit sucht. Die Sehnsucht nach einem idyllischen friedlichen Zuhause. Man kann das als Kitsch abtun, oder als bloßer Marketinggag, als schier unendliche Verdienstmöglichkeit, das wäre in weiten Teilen auch richtig. Doch diese Sehnsucht, die hier gestillt werden will, sie ist real.

Viele SchülerInnen in Deutschland lernen im Religionsunterricht die klassische Dekonstruktion der Weihnachts- und Adventszeit. Diese beinhaltet häufig Elemente wie „Weihnachten im Gefängnis“, „Weihnachten bei geschiedenen Familien“, einsame Menschen und ähnliches. Diese Dekonstruktion des in Mitteleuropa gängigen Weihnachts- und Adventsbilds ist richtig und wichtig, gerade in diesem Jahr. In einem Jahr, in dem zahlreiche geflüchtete Menschen in nur schlecht beheizbaren Notunterkünften hausen müssen, ist die Reduktion der Weihnachtsgeschichte auf ihren inneren Kern mehr als angebracht. Auf den Kern, dass der Messias ausgerechnet in einer Flüchtlingsfamilie zur Welt kommt.

Aber warum schlägt der #heimkommen so ein, wo wir doch alle so aufgeklärte Menschen sind, die genau wissen, dass es sich bei der Advents- und Weihnachtszeit auch um einen großen volkswirtschaftlichen Faktor handelt. Weil der #heimkommen gesellschaftliche Realitäten widerspiegelt. In keiner Zeit sind die Züge aus den Universitätsstädten voller, als in den Tagen vom 20. bis zum 24.12. Und wenige Abende sind in Kneipen so gut besucht, wie der 23.12, der Tag vor Heilig Abend, an dem alle zurückgekommen sind in ihre Heimatstadt. Heimkommen ist etwas, was zum Advent ganz elementar dazugehört.

Und doch passt das heimkommen in #heimkommen zum Advent. Weil es einen Wunsch beschreibt, so wie der Advent einen Wunsch beschreibt. Gerade im Kontext dieses Werbespots fällt mir immer wieder Jochen Kleppers Adventslied „Die Nacht ist vorgedrungen“ ein. Ein Lied, das so gar nicht zur Vorweihnachtsfreude passen will, und meiner Meinung nach doch einen guten Impuls in die Adventszeit gibt. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“

Euch noch eine gesegnete Adventszeit.

wünschte uns Paul.

 

„Lasst uns froh und munter sein
und uns recht von Herzen freu’n!
Lustig, lustig, tralalalala!
Heut‘ ist Nikolausabend da,
Heut‘ ist Nikolausabend da!“

Wenn ich zurückdenke an meine frühesten Nikolauserinnerungen, läuft mir immer ein leichter Schauer über den Rücken. Meine Mutter „zwang“ meine Schwester und mich jedes Jahr am 5.12., unsere Schuhe zu putzen! „Sonst gibt’s nichts vom Nikolaus.“ (Seltsamerweise hatten wir dann immer deutlich mehr Schuhe und unterschiedlich große Füße… Und unsere Eltern liefen barfuß… Das Wunder vom Nikolausabend?)

Am nächsten Morgen hielten wir es dann kaum im Bett aus. Wir liefen zur Garderobe. Die Dinge, die wir in unseren Schuhen fanden, brachten unsere Augen zum Leuchten! Mandarinen, Erdnüsse, Schokolade… Meine Mutter fand sogar mal eine Kokosnuss in ihrem Schuh! (Die erste, die ich in meinem Leben sah.) Doch es waren auch immer „dauerhafte“ Sachen dabei: Socken, Kassetten… (Ja, meine Socken müssen regelmäßig wegen übermäßiger Belüftung ausgemustert werden…)

Und heute? Natürlich weiß ich mittlerweile, dass es meine Mutter war, die mir die Schuhe füllte. Und seit ich nicht mehr bei meinen Eltern wohne, tut sie das auch nicht mehr. Trotzdem überraschen mich immerwieder neue Nikoläuse mit Kleinigkeiten: Pakete mit Früchtebroten von meiner Mutter, Nüsse, Mandarinen, Schokolade… Ich hab‘ halt liebe Mitbewohner! Und das obwohl ich meine „Stiefel“ schon lange nicht mehr putze…

Bis ich nachgesehen habe, was wohl dieses Jahr da ist, wünsche ich euch nun einen tollen Nikolaustag mit DEM Lied meiner Kindheit:

Ach, und wenn ihr wollt, erzählt doch mal, was in euren Schuhen so drin war?!

fragte uns zu Nikolaus Bettina.

 

Vielleicht war es nicht unbedingt die beste Idee, mit der Jesus da ankam. Zurück auf die Erde? Im Advent? Seine Freunde im Himmel waren sich nicht einig, was sie davon halten sollten. Aber doch gerade jetzt würden die Menschen auf ihn warten! Advent! Gut, er kam dieses mal nicht als wimmerndes Baby, sondern als bärtiger Kerl. Und er sah auch nicht so athletisch aus, wie ihn die Kruzifixe darstellten, vielmehr spannte das Gewand sanft über das größer gewordene Bäuchlein. Würden ihn die Menschen überhaupt ernst nehmen?

Mit einem energischen „Jetzt ist es Zeit, ich muss da runter!“ wischte er die Bedenken weg und stand auf. „Das nimmt ihn ganz schön mit, dass gerade so viele Menschen verzweifelt auf der Suche nach einer Unterkunft sind“ – „Klar, das ist wie in Bethlehem damals, nur in groß, das ist was persönliches“, tuschelten Petrus und Johannes. Die beiden kannten Jesus zu gut; sie wussten, dass er das mit dem Sich-raus-halten noch nie hinbekommen hatte. Petrus – inzwischen ergraut – wäre am liebsten an der Seite seines Rabbis ins weltliche Getümmel gestürzt. Johannes machte sich Sorgen um seinen Meister; es war alles beim Alten.

Aufmerksam verfolgte Jesus die Schlagzeilen; er freute sich darauf, endlich den Frieden zu bringen. Wie er es vermisst hatte, unter den Menschen zu sein! Mit den Hungrigen das Brot zu teilen und den Gefangenen ein Freund zu sein. Den Angst-Predigern zu zeigen, wie Frieden geht. Den vor Sorge um ihren Wohlstand Vereinsamten zu zeigen, was Gemeinschaft heißt. Auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, ein bisschen ödete ihn die selige Eintracht im Himmel an. Dass es sich nachts besser schlief, wenn man sich tagsüber die Hände schmutzig gemacht hatte, das wusste der gelernte Zimmermann.

„Tschüss meine Lieben, bis dann“, und weg war er. „Das geht schief“, meinte Thomas. Johannes kratzte sich die gerunzelte Stirn; wie ihn die Menschen dieses Mal aufnehmen werden?

Von Daniel.

 

Da sagte der Engel zu ihr: „Hab keine Angst, du hast Gnade bei Gott gefunden! Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. Dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und wird ‚Sohn des Höchsten‘ genannt werden. Gott der Herr wird ihm das Königtum seines Vorfahren David übertragen. Er wird für immer über die Nachkommen Jakobs regieren. Seine Herrschaft wird nie zu Ende gehen.“

Für Maria war sicher der erste Satz der wichtigste:„Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären!“ Wie viel sie vom Rest wohl überhaupt noch mitbekommen hat? Ich hätte vermutlich den Rest verpasst. Aber dieser Rest der Botschaft des Engels ist das, was die Weihnachtsgeschichte für uns heute noch bedeutend macht. Jesus war „Sohn des Höchsten“ und sein Reich hat bis in Ewigkeit Bestand. Oft frag ich mich, wo in der Welt ich dieses Reich schon sehe, gerade dieses Jahr, wo von Frieden auf der Erde keine Rede sein kann.
Die kleinen Lichter der Anteilnahme und Hilfe für Flüchtlinge sind für mich Anfänge dieses Reiches. Dort wo Menschen füreinander da sind. Und für mich persönlich ist das Reich in mir angebrochen, denn ich habe die Gewissheit, dass ich mit allem zu Gott kommen darf und er bei mir, bei uns ist. Er kommt hier in diese Welt mit all ihren Nöten und begleitet uns, wenn wir ihn lassen.
So ist eigentlich jeden Tag Weihnachten und nicht nur einmal im Jahr.

Dieser Beitrag kam von Hannah.

 

She moves like she don’t care. Und meine Augen folgen ihr. Auf die Tanzfläche, durch den Dornenwald. Im rückenfreien Kleid, unterm blauen Tuch, tanzt und stolpert sie. Was kann ich von ihr halten und was hält sie von mir? Kennt sie mich? Erkennen wir uns?

Ist die Liebe unerfüllt, weil sie unvollendet bleibt? Hüllt sie mich ein in ihr Kleid, auch aus der Ferne? Sie wird mir niemals gehören. Du müsstest sie einmal sehen, Du würdest verrückt werden, wie ich es bin, und deinen Verstand verlieren – Du würdest sie zu Dir nehmen.

Ein anderes Licht scheint auf die Liebe, die unerfüllte, keusche. Sie bleibt, weil sie durch keine Erfüllung vergehen kann. Auch wenn mir ihr Gesicht abhanden kommt, ein Abbild ihrer Schönheit ist eingeprägt.

Morgenstern erscheine
Auf die Liebste meine
Wirf ein warmes Licht
Auf ihr Ungesicht
Sag ihr sie ist nicht alleine

Und der Stern will scheinen
Auf die Liebste meine
Wirr die Brust mir bebt
Wo das Leben schlägt
Mit dem Herzen sehen
Sie ist wunderschön  (*)

Von Philipp

 

Weiße Wolken
gespickt mit etwas grau
durchziehen den Himmel
langsam, leise, beinahe unsichtbar

So fühl ich mich
Wer bin ich denn zu sagen
ich könnte Menschen trösten?

Wenn ich doch selber
Angst vorm Leben hab
Angst vor Krankheit, Sterben, Tod
Angst davor eine Wolke zu sein
die sich auflöst – unsichtbar

Wer bin ich denn zu sagen
Gott liebt seine Kinder,
er lässt sie auferstehen?

Wenn ich doch selbst nicht weiß
ob wir uns wiedersehn?

Gott, ich schrei zu dir
Hilf mir, sterben zu verstehn
Hilf mir, zu leben
voller Hoffnung und Vertrauen

Weiße Wolken
gespickt mit etwas grau
durchziehen den Himmel
langsam, leise, beinahe unsichtbar

Licht durchbricht die Wolken
Die Welt erscheint in neuem Glanz
Dunkle Töne um mich herum
und in der Mitte helles blau

Das Licht dringt in mein Herz
und macht mich frei

Von Lena.

 

Ein Weihnachtsbaum in Bethlehem

Ein Weihnachtsbaum in Bethlehem

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Mara

 

Advent, Advent ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei…

Singend kommt Jan in die Küche gelaufen.
Er ist noch nichtmal bei der vierten Kerze angekommen, als seine große Schwester Emma schon losbrüllt:
„Jetzt hör doch endlich auf. Ich kann‘s echt nicht mehr hören. Überall dieselben Lieder, überall dasselbe Gedudel… und dann der ganze Weihnachtsschmuck überall. Man kann ja nicht mehr zur Tür rausgehen, ohne sofort von diesem ganzen Kitsch verschluckt zu werden. Ein Weihnachtsmarkt am anderen. Es reicht echt. Kann das denn nicht endlich vorbei sein!?!“
„Aber Emma“, unterbricht Vater sie, als er kopfschüttelnd die Küche betritt, „es ist grade erst der 12. Dezember, bis Weihnachten dauert es noch eine ganze Zeit. Außerdem soll der Advent doch eine ganz besondere Zeit sein, eine Zeit der Hoffnung und der Vorbereitung auf Weihnachten.“
„Na ist doch wahr, so lange braucht man sich doch nicht so vorzubereiten. Weihnachtsmarkt eine Woche vor Weihnachten würde doch reichen. Und dieser Aufwand jedes Mal. Die ganze Stadt ist ein einziges Chaos…“

Mutter, die die ganze Zeit von ihrem Platz am Herd aus nur lächelnd ihre Familie beobachtet hatte schaltet sich ein: „Ich finde, dass Emma eigentlich recht hat. Diese ganze Vorweihnachtszeit hat doch mit richtigem Advent schon gar nichts mehr zu tun. Advent sollte eine Zeit der Stille und der Besinnung sein. Aber selbst das schönste Adventslied wirkt nicht mehr besinnlich, wenn es aus zwanzig Lautsprechern gleichzeitig über den Weihnachtsmarkt klingt und von niemandem mehr beachtet wird.“
„Na, dann lasst uns doch ein bisschen Advent machen. Hier zu Hause.“ schlägt Jan vor.
„Und was sollen wir da dann machen?“ fragt Emma skeptisch, „eine Kerze anzünden und dann doch wieder dieselben Lieder singen, wie ich sie immer auf dem ganzen Schulweg lang über den Weihnachtsmarkt hören muss?“

Emma, Jan und auch Mutter schauen Vater erwartungsvoll an, von ihm muss doch eine Antwort zu erwarten sein. Ein Pfarrer muss doch wissen, wie man richtig Advent feiert.
Ja und Vater, der steht still da und schaut sich seine Familie an, wie sie ihn da erwartungsvoll und auf eine Antwort hoffend anschauen.

„Wisst ihr“, sagt er, „eigentlich ist es für mich genau jetzt hier schon richtig Advent. Wir sind zusammen, das ist wichtig. Aber wenn ihr wirklich wollt, dann können wir heute Abend zusammen eine Adventsandacht feiern. Natürlich schon mit Kerzen, Adventsliedern, einer Geschichte, viel Besinnlichkeit und schöner Kuschelatmosphäre. Aber das Wichtigste im Advent ist doch die Besinnung auf das Kommen Jesu auf Erden. Nicht nur auf die Erinnerung an Jesu Geburt an Weihnachten, sondern auch daran, dass wir Menschen darauf warten, dass Gott und sein Reich in unsere Welt kommen.“

Dieser Beitrag wurde von Julia eingereicht.

 

Good King Wenceslas looked out on the Feast of Stephen,
When the snow lay round about, deep and crisp and even.
Brightly shone the moon that night, though the frost was cruel,
When a poor man came in sight, gathering winter fuel.

“Hither, page, and stand by me, if thou know’st it, telling,
Yonder peasant, who is he? Where and what his dwelling?”
“Sire, he lives a good league hence, underneath the mountain,
Right against the forest fence, by Saint Agnes’ fountain.”

“Bring me flesh and bring me wine, bring me pine logs hither,
Thou and I will see him dine, when we bear them thither.”
Page and monarch, forth they went, forth they went together,
Through the rude wind’s wild lament and the bitter weather.

“Sire, the night is darker now, and the wind blows stronger,
Fails my heart, I know not how; I can go no longer.”
“Mark my footsteps, good my page, tread thou in them boldly,
Thou shalt find the winter’s rage freeze thy blood less coldly.”

In his master’s steps he trod, where the snow lay dinted;
Heat was in the very sod which the saint had printed.
Therefore, Christian men, be sure, wealth or rank possessing,
Ye who now will bless the poor shall yourselves find blessing.


 

„Good Kind Wenceslas“ ist ein englisches Weihnachtslied, das vom König Wenzel von Böhmen (928-935) handelt. Am Gedenktag des Hl. Stefan hat er gegenüber einem armen Bauersmann Mitleid und Nächstenliebe bewiesen.

Der Text stammt von J. M. Neale, aber das Lied an sich ist wohl noch älter.

Hinter dem Link verbirgt sich eine Vertonung des Liedes von Loreena McKennitt von ihrem Winter-/Weihnachtsalbum „A Midwinter Night’s Dream“ (2008).

Von Gernot Maria Mausohr

 

(Dieser Beitrag ist von verschiedenen inspiriert, am nächsten dran ist dieser Artikel, oder dieser.)

Im Advent fangen ja auch Singmuffel an zu singen. Oder zumindest Weihnachtslieder zu spielen.
Da ist dann alles dabei von Stille Nacht bis Last Christmas, von der tief christlichen Herzensfrömmigkeit eines „Ich steh an deiner Krippe hier“ bis zur Einkaufsbegleitungsmusik, die in Kaufhäusern und auf Weihnachtsmärkten gespielt wird.

Das passt auf den ersten Blick sehr gut zu den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums, in denen auch dauernd gesungen wird. Ein bisschen wie im Musical oder bei Bollywood.
Aber da enden auch schon die Ähnlichkeiten.

Bei Lukas singen alte Männer, Engel und eine junge Frau Lieder, die nicht andächtig und besinnlich sind. Es sind politisch subversive Lieder. Es geht um einen Umsturz, der herbei gesehnt wird und der in dieser Zeit beginnen soll, mit der Schwangerschaft Marias und dem Kind, dass sie zur Welt bringen wird.
Mein Lieblingslied aus diesen ist der Lobgesang der Maria, der nach der lateinischen Version des ersten Wortes auch Magnificat genannt wird.

Sie singt es bei ihrer Begegnung mit ihrer Verwandten Elisabeth.

Allein die Szene zeigt schon, dass hier etwas ungewöhnliches passiert. Hier reden zwei Frauen miteinander, ohne dass ein Mann anwesend ist, oder über einen Mann geredet wird. Das passiert in der Bibel nur noch einmal – bei Ruth und Noomi (und in den meisten Filmen gar nicht, wie die feministische Filmkritikerin Allison Bechdel herausarbeitete).

Und worüber reden diese Frauen?

Meine Seele erhebt den Herrn,
und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
Denn er hat große Dinge an mir getan,
der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht
bei denen, die ihn fürchten.
Er übt Gewalt mit seinem Arm
und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
Er stößt die Gewaltigen vom Thron
und erhebt die Niedrigen.
Die Hungrigen füllt er mit Gütern
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er gedenkt der Barmherzigkeit
und hilft seinem Diener Israel auf,
wie er geredet hat zu unsern Vätern,
Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.

(Lukas 1,46b-55)

Revolution und Umverteilung.
Marias Lobgesang klingt eher nach einem Punklied, statt nach Weihnachtsschlagern. Pussy Riot statt Wham oder Tersteegen..

Ich finde die Version der nordamerikanischen Folk-Punk Band Psalters ziemlich passend:

Bei so einer Mutter muss einen ja nicht allzu sehr wundern, dass Jesus schließlich von der römischen Besatzungsmacht unter Zustimmung der mit ihnen kollaborierenden religiösen Elite Jerusalems am Kreuz als Aufrührer hingerichtet wurde.

Ich wünsche euch allen eine adventliche Unruhe, in der wir in das Lied Marias einstimmen..

von Benjamin.

 

Heute ein vertontes Gedicht, mehr nicht.

Von einem Abend, an einem durchschnittlichen Tag, an dem Gott auf einen Champagner vorbei kommt.

Am Abend eines durchschnittlichen Tages,
an dem ich mal wieder viel zu viel nachgedacht hatte,
an dem diffuse Hoffnungen, Unsicherheit und Müdigkeit
mich umschwirrten wie eine Horde depressiver Fliegen,
betrat ich angemessen missmutig mein Wohnzimmer,
und sah dort im Schummerlicht Gott sitzen.

Direkt vor dem Kamin,
die Füße entspannt auf dem Hocker,
eine Davidoff-Zigarre im Mund,
eine Flasche Champagner und zwei leere Gläser
direkt vor sich auf dem Tisch.

Ich traute natürlich meinen Augen kaum,
doch, mein Gott, tatsächlich, er war es.
Woher ich das wusste?
Keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil sich die Frage nicht stellte.
Und es deshalb auch keinen Zweifel gab.

Gott bedeutete mir freundlich,
mich zu ihm zu setzen.
Ich zögerte nicht.
„Ich habe viel über dich nachgedacht heute“,
sagte ich vorsichtig.

Er lachte nur und sagte:
„Das weiß ich schon!“.
„Und jetzt?“, fragte ich.
„Wir feiern!“, sagte Gott fröhlich,
und hob sogleich das Glas.

„Aber was?“, fragte ich beinahe tonlos.
Was sollte ich feiern?
Dass ich langsam Frieden machte,
mit all den Kriegen,
die hinter und sicher noch vor mir lagen?
Ich glaube das, was mich eigentlich tieftraurig stimmte,
war die Ahnung, dass es aus dem Krieg einfach kein Entkommen gab.
Mir war also nicht wirklich nach Party.

Gott war davon allerdings ganz unbeeindruckt.
„Wir feiern, dass du dem Himmel heute ein ganzes Stück näher gekommen bist“, sagte er.
Da lachte er, und nahm einen tiefen Zug von seiner edlen Zigarre.
„Für mich fühlt es sich eher an,
als sei ich heute meilenweit in die falsche Richtung gegangen“,
sagte ich leise.

„Glaubst du wirklich,
dass man in einem Kreis in die falsche Richtung gehen kann?“
fragte Gott und kicherte.
Kein Spruch, er kicherte wirklich.
Irgendwie nahm mir das die Lust zum diskutieren,
und das fühlte sich gut an.
Ein bisschen wie Absolution, Amnestie.
Allem, was er sagte und nicht sagte,
haftete der liebliche Duft von Gnade an.
„Entspann dich, Sohn“, sagte er.

Und dann schenkte er uns ein Glas nach dem anderen ein,
und wir tranken zwei Flaschen des kostbaren Tropfens,
und feixten, und erzählten die ganze Nacht Geschichten,
und lachten bisweilen so heftig, dass Gott sich vor Schmerzen den Bauch halten musste.

Ich lachte ebenfalls und spürte immer wieder Tränen auf meinem Gesicht.
Die meisten davon waren vom Lachen,
ein paar andere waren aber auch dabei:
Rührung, Trauer, Erleichterung.
Insgesamt fühlte es sich an wie die Tränen der Freiheit
eines zu lebenslänglichem Leben Verurteilten.

Erst in den frühen Morgenstunden gingen wir wieder auseinander.
Ich holte Gott noch einen Pullover von oben,
denn draußen war es kalt geworden
und ich wollte nicht, dass er auf dem Heimweg friert.
Er zog ihn an, umarmte mich und ging.

Achja, und dann wär ich übrigens noch beinahe die Treppe herunter gefallen,
aber es war weniger der Alkohol und mehr der Segen des Moments,
der mir zu Kopf gestiegen war,
aber sicher kann ich da nicht sein.

Und nachdem Gott gegangen war,
und ich mich etwas sortiert hatte,
schaute ich oben aus dem Fenster,
ob ich ihm vielleicht noch ein Weilchen nachsehen könnte.
Aber obgleich es eigentlich eine sternenklare Nacht war,
ging das nicht.

Ich verstand nicht recht.
Alles, was ich schemenhaft erkennen konnte
war seine unbeleuchtete, ausgelassen tanzende,
schliesslich ganz plötzlich und vollkommen in der Finsternis verschwindende Silhouette.

Ich schaute in den Himmel und suchte die Sterne,
und kaum zu glauben,
aber Gott hatte sie einfach ausgeknipst.
Und ich dachte, es stimmt,
man kann ihn natürlich nur dann sehen,
wenn er es will.

Aber sein Lachen, dieses wunderbare, befreiende Lachen,
das konnte ich noch sehr lange aus der Entfernung hören.

Warum hatte ich ihn eigentlich nicht gebeten, zu bleiben?
Warum bat ich ihn nie, einfach zu bleiben.
Er war mir ja nicht das erste Mal begegnet.
Merkwürdig.

Aber dieses Lachen, mein Gott,
dieses ansteckende Lachen!
Irgendwie hallt es noch in mir nach,
als wäre es gar nicht wirklich von außen gekommen,
sondern von innen,
aus einem gedankenlosen Land in mir,
das mir wie Zuhause vorkommt,
und in das ich, trotz dieses furchtbaren, chronischen Heimwehs,
viel zu selten reise.

Jens Böttcher – Wie ich eines Abends mit Gott Champagner trank
aus dem Album Anklagend Schweigend Rosenrot.

Von Daniel.

 

Ein kleines Teelicht kann einen stockdunklen Raum erhellen und dabei schönste Schattenspiele auf die Wände zaubern, so wie die Heidelberg Silhouette auf dem Foto.
Gerade kann man überall viele kleine Lichter entdecken und sehen. In den Einkaufsstraßen baumeln die Lichterketten über den Köpfen, auf den Weihnachtsmärkten leuchten uns die Weihnachtsbäume von weit her entgegen und zu Hause zünden wir vermehrt Kerzen an.

Wir sehnen uns nach mehr Licht, wenn die Tage immer kürzer werden. Und mit unseren Mitteln, sei es Kerzenlicht, welches noch ein bisschen Wärme abgibt oder sei es das technisierte LED-
Lichterketten Licht können wir diese Hoffnung auf mehr Licht ein wenig näher holen. Es ist eine Vorahnung, dass bald die Tage wieder länger werden und damit mehr Licht in unser Leben tritt.
Viele hoffen dabei auch darauf, dass mehr Licht, mehr Frieden und mehr Verständnis in den Herzen der Menschen einziehe.
Wer hofft, auf Friede, auf Glaube, auf Liebe, zündet Lichter an.

„Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt“ Jes 60,1

Bild vom Autor

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Von Jonas.

 

Was ist Weihnachten?

Es ist wieder Advent! Die herrlich wundersame (und meistens auch wundersam stressige) Adventszeit, die uns zum Kern des Ganzen führt: Weihnachten! So viel Lärm, so viel Aufregung, so viel Kitsch und so viel… Freude. Um was denn eigentlich? Was ist das, was an Weihnachten passiert – oder passiert ist?
Normalerweise würde ich jetzt antworten: „Na klar! Die Geburt Jesu!“ und mit großen süßen, unwiderstehlichen Kinderaugen in den Raum starren. Aber das wäre zu einfach. Und dem scharfsinnigen Theologen auch nicht präzise genug.

Die Geburt Jesu – damit ist ja quasi noch nichts gesagt. „Eine Referenz auf den historischen Jesus – und über den können wir eh nichts aussagen!“[1], schimpft Ernst Käsemann. „Wo bleibt das Kerygma?“, schließt sich Rudolf Bultmann dem Ruf an. Und auch Ernest Renan hebt den Zeigefinger: „So geht die Moral vor die Hunde!“
„Na gut“, seufze ich, „sie haben ja Recht, die großen Denker.“ Aber zufrieden bin ich trotzdem noch nicht. Doch ich bin mir bewusst darüber, dass starke Theorien helfen können, Weihnachten besser zu verstehen. Wie gut, dass das Theologiestudium, wenn man an den richtigen Schrauben dreht, eine Zeitreisemaschine ist!

Und so stürze ich mich auf die Bücher, bis ich über den Schriften Pannenbergs einschlafe – und an seinem Tisch wieder erwache. Müde blinzelnd blicke ich in sein freundliches und gepflegtes Gesicht, während er gerade Tee schlürft. „Was Weihnachten ist?“, Pannenberg lächelt wissend,

„Weihnachten ist der Beginn der gehorsamen Anwesenheit des ewigen und ewig unterschiedenen Sohnes in der Geschichte des irdischen Jesus“

„Das klingt richtig.“, denke ich und im nächsten Moment, „Und weiter?“ Aber noch bevor ich den hochintelligenten Universitätstheologen weiter ausfragen kann, verschwindet er im Nebel meiner Müdigkeit.
Glücklicherweise lichtet sich der Nebel bald, und vor mir steht Karl Barth. Er hat sein keckes Grinsen aufgesetzt. Und während er sich der hochdeutschen Sprache bemüht, beginnt auch er, mich zu belehren:

„Weihnachten ist der Beginn der Offenbarung des alle Zeiten durchdringenden Heilsplans – das endgültige göttliche Ja zur ihn ablehnenden Welt – welcher im Kreuz seine Vollendung findet.“

Ich gerate ins Staunen ob der großen Worte. Und obgleich sie im Nebel nicht leicht zu greifen sind, habe ich ein Gespür dafür, wie viel sie der Bedeutung von Weihnachten herausstellen mögen.
Doch eilig geht die Reise weiter, immer weiter in die Vergangenheit zurück, und gleich schon treffe ich einen, den Barth nur allzu gut gekannt hatte: Schleiermacher. Der lächelt mir friedlich zu und weiß sofort zu ergänzen:

„Weihnachten ist eine entscheidende Ermöglichungsform des Bewusstseins unserer schlechthinnigen Abhängigkeit, welches uns in den Glauben führt.“

„Faszinierend wie wortreich und auch wie verschieden man an Weihnachten herantreten kann!“, denke ich. Und schnell begreife ich, dass hier der Mensch ganz anders in den Fokus gerückt wird. Doch auch Schleiermacher verschwindet im nebligen Schleier und alsbald finde ich mich an einem Hafen wieder.
Wo ich bin? Die Frage beantwortet mir ein netter Herr am Wegesrand: „In Kopenhagen.“ Da steht in Alltagskleidung Sören Kierkegaard und sieht mich mit seinen tiefen, traurigen Augen an. Doch als es um Weihnachten geht, blitzt Freude auf:

„Weihnachten ist das Paradox des Knechtsgestalt gewordenen Gottes, welches uns augenblicklich die Bedingung zur Wahrheit eröffnet, indem es unseren Verstand zum Untergang reizt.“

Noch bevor ich reagieren kann, gibt es einen lauten Knall und ich schrecke hoch. Irgendjemand hat neben mir in der Bibliothek die Bücher fallen lassen. Ich reibe mir die Augen und denke über die Traumreise nach.

Zufrieden zupfe ich mir mein Hemd zurecht. Wenn mich jetzt jemand nach Weihnachten fragt, bin ich bewaffnet mit vielen neuen Worten! Gehorsame Anwesenheit, Ewigkeit, Unterscheidung, Gott in der Geschichte, Offenbarung, Heilsplan, Ermöglichungsform, schlechthinnige Abhängigkeit, Paradox, Knechtsgestalt, Wahrheit, Untergang des Verstandes ­ da soll mir nochmal einer kommen ­ ich bin ein Weihnachtsprofi! Und so schlappe ich siegessicher in die Heidelberger Altstadt hinaus.

Nach kurzer Zeit kommt mir meine Schwester entgegen: „Schau mal, der Weihnachtsmarkt! … Duhu, was ist eigentlich Weihnachten?“ Ich überlege kurz, dann antworte ich: „Die Geburt Jesu.“ Ihre Augen fangen an zu leuchten: „Wir feiern Geburtstag!“ Und alles Wichtige ist gesagt.


[1] Diese und alle weiteren Aussagen von Theologen im Text sind lose an deren Texte angelehnt, vor allem aber von mir konstruierte Summarien. Bei solchen Vergrobungen können die Theologen nicht hinreichend zur Geltung kommen, ich bitte um Nachsicht.

Von Stefan.

 

Seit Jahren begeistere ich mich in der Advents- und Weihnachtszeit für die Carols from King’s, die traditionelle Weihnachtsfeier des King’s College in Cambridge. Diese englische Weihnachtstradition hat mir vor allem das Vocal Concert Dresden nahegebracht, das jedes Jahr am 26. und 27. Dezember eine Version der Nine Lessons and Carols in der Loschwitzer Kirche in Dresden gestaltet. Eine schöne Dokumentation der BBC über die Carols gibt nähere Auskunft und Einblicke in die Vorbereitung und Durchführung.

Aus der Feier vom letzten Jahr (s.u.) ist mir eine Schilderung des „Weihnachtsfriedens“ von 1914 und das anschließende „Stille Nacht, heilige Nacht …“ in Erinnerung und dieses Gedicht von Nathaniel Wanley (54:00 min):

The off’rings of the Eastern kings of old
Unto our lord were incense, myrrh and gold;
Incense because a God; gold as a king;
And myrrh as to a dying man they bring.
Instead of incense (Blessed Lord) if we
Can send a sigh or fervent prayer to thee,
Instead of myrrh if we can but provide
Tears that from penitential eyes do slide,
And though we have no gold; if for our part
We can present thee with a broken heart
Thou wilt accept: and say those Eastern kings
Did not present thee with more precious things. (*)

Von Philipp.

 

Schenken

Schenke groß oder klein,
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
Die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
so daß die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Daß dein Geschenk
Du selber bist.

von Joachim Ringelnatz, 

beigetragen von Anne.

 

Dunkel wirds
und es wird kalt.
Die Zeiten werden spät
und wir nicht klug sondern alt.
Und lang ist vergessen, wie wir uns einst liebten.
Im Garten von Eden, im Himmel, im siebten.
Das Böse existiert in unserer Zeit.

Dunkel wirds
und es wird kalt.
Woher kommt die Trennung,
die unsere Herzen zerteilt?
die gegeneinander dreht unsre Seelen?
Lassen wir falsche „Propheten“
uns wirklich so quälen?
Lassen wir eher zu, dass sie uns Fundamente erlügen,
Als unseren Acker gemeinsam zu pflügen?
Das Böse regiert überall in der Welt.

Doch es sind nicht nur „sie“,
wir sind es alle gemeinsam.
Schlecht und böse. Verbittert und einsam.
Und wenn wir aufhörten, das Böse bei „den andern“ zu suchen
und begännen die Anlage in uns selbst zu verfluchen?
Ängste sind groß in unserer Welt.

Dunkel wirds
und es wird kalt.
Aus Angst wird Hass, aus Hass Gewalt.
„Der Terror“ kriecht durch unsere Köpfe.
„Lasst das Böse euch nicht überwinden“
schreibt Paulus nach Rom.
„sondern überwindets mit Gutem!“
wer handelt so schon, in unserer Welt?

Wenn wir Freude teilen.
und Freiheit erringen.
Wenn wir Wunden heilen
und die Angst bezwingen.
Dann bekommt das Böse mit Macht ein Wider.
Der aschene Phönix hell strahlend Gefieder.
Dann endet der Kampf zwischen Gut und Schlecht
Dann sind Täter verurteilt und die Opfer im Recht.
Diese Hoffnung lebt in uns und in unserer Welt.

Ermordete Seelen werden alle einzeln empfangen
die Tränen und Schreie alle einzeln vernommen.
Und es wird gehört jedes Gebet, jedes schmerzliche,
dann regiert wieder Liebe, die wahre, die zärtliche.
Dann kommt Versöhnung in unsere Welt.

Und dann feiern alle, aber ohne elektrische Lichter
Es wird vielmehr ein Fest der offnen, entschlossnen Gesichter
Mit Liebesglanz in den Augen und einer weiten Stirn
Wollen wir alle zusammen unseren Rücken kehrn
unserem alten ich, unserem hassenden, leeren.

Dunkel ists
und es ist kalt.
Doch die Liebe regiert unsere Welt schon bald.

Von Hans-Christian.

 

Advent, die Zeit der Dunkelheit und Nacht, die auf den hellen Morgenstern wartet. Jochen Klepper zeigt dies wunderschön im Lied „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern“ auf. Ich stelle mir das ungefähr so vor: Noch liegt alles im Dunkeln, aber am Horizont kündigt sich in nächster Nähe die aufgehende Sonne an. Der Himmel ist noch über und über mit Sternen behängt. Ein Stern leuchtet dabei besonders hell, ja er strahlt geradezu: Der Morgenstern. Christus wird in Kürze die Dunkelheit durchbrechen. Diese Dunkelheit steht sinnbildlich für das, was einen bedroht und ängstigt, was einen gefangen hält und zum Weinen bringt. Und in diese Dunkelheit kommt Christus. Er kommt zu jeder und jedem einzelnen und deckt Angst, Leid und Qual auf. Jochen Klepper drückt dies mit den Worten „Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein“ aus. Und weil Christus zu uns in diese Dunkelheit kommt, darf sich jede und jeder einzelne von uns freuen. Noch ist Advent, doch schon erahnen wir den Glanz des Morgensternes, der uns Licht in die Dunkelheit bringt.

  1. Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen, dem hellen Morgenstern! Auch wer zu Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.
  1. Dem alle Engel dienen, wird nun ein Kind und Knecht. Gott selbst ist erschienen zur Sühne für sein Recht. Wer schuldig ist auf Erden, verhüll nicht mehr sein Haupt. Er soll errettet werden, wenn er dem Kindlein glaubt.
  1. Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf! Ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten Lauf von Anfang an verkündet, seit eure Schuld geschah. Nun hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah.

(EG 16 Text: Jochen Kleppper, Musik: Johannes Pätzold)

Von Marie.

 

Heiligabend: Die Kirche ist voll
Der Pastor denkt sich mit Groll:
„Und den Rest dann vom Jahr
Ich allein im Talar
Vor zwei Omas, die singen gern Moll.“

Die Omas, die sitzen auch heute
Im hinteren Drittel der Meute.
Sie lächeln ganz munter,
Er schaut zu ihn’n runter,
Sein Groll ihn von jetzt an schon reute.

Die Kinder, sie strahlen wie Sterne
Beim Krippenspiel sind sie so gerne.
Die Eltern sind stolz.
Der Pastor: „Was soll’s?“
Der Heiland ist auch ihnen nicht ferne.

Corinna.

 

Hape Kerkeling – Winterszeit in Wien

von Eva.

 

Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. – Matthäus 2, 1b

Manchmal geht es nur darum, die Punkte miteinander zu verbinden. Sicher, wenig ist so einfach, wie ein Rätsel auf der Kinderseite der Zeitung zu lösen. Auf das klarzukommen, was im Jahr 2015 um uns herum geschehen ist und noch geschieht, ist schwerer. Von dem, was in unseren privaten Leben passiert, ganz zu schweigen. Ein ganz menschlicher Trost ist es, in Trauer und Angst darauf hinzuweisen, dass unser Leben aus viel mehr auch schönen Momenten besteht: einer Geburt, Hochzeiten, Freudenfesten. Viele von uns haben in den Dunkelheiten auch dieses Jahres solche lichten Momente erlebt.

Damit ein Stern aufgeht, muss ihn jemand beobachten, erwarten. Es ist genug Licht um uns herum, besonders in diesen Tagen. Soviel, dass es manchmal blendet. Wenn die Tage dunkler werden, braucht es diejenigen umso mehr, die nach den lichten Momenten, nach den Sternen Ausschau halten.

In einer Zeit großer Anfechtung erschien ein Stern, heller als alle anderen, uns Hoffnung spendend, dass Gott mit uns ist, dass, sei die Dunkelheit auch noch so tief, Gottes Licht in der Nacht scheint.
stern

Frohe Weihnachten wünschte uns hiermit Philipp.

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