Verprügelt und totgeschwiegen: Frauen, Kirche und Soziale Arbeit in Peru
"Uns schlägt man, ihr feiert" - Foto Daniel Fetzer
"Uns erschlägt man, du feierst" – Eine Demonstrantin macht auf die Situation für Frauen in Peru aufmerksam

„Uns erschlägt man, du feierst“ – Eine Demonstrantin macht auf die Situation für Frauen in Peru aufmerksam

Frauen werden verprügelt und vergewaltigt. Frauen haben medizinische Komplikationen, weil in Peru Abtreibung prinzipiell verboten ist und deshalb in dunklen Hinterhöfen durchgeführt wird. Und Frauen werden von ihren Vätern kontrolliert und ihren Männern ausgenutzt.

Gut, das ist stark verallgemeinert, ich tue einigen feinen peruanischen Männern großes Unrecht. Aber alle diese Fälle begegnen mir bei meiner Mitarbeit in einem sozialarbeiterischen Projekt am staubigen Stadtrand von Arequipa. Dort leben Familien, die aus ländlichen – konservativen – Gegenden in die Nähe der Millionenstadt in den Anden ziehen. Hier können die Männer in den umliegenden Minen arbeiten; 25 Tage fern der Familie, 5 Tage zu Hause zur Erholung. Dass sich dabei das gewohnte Machtverhältnis in der Familie zu Gunsten der Mutter verschiebt: verständlich. Dass die Männer ihren Frust im Alkohol ertränken oder in Schlägen ablassen: nachvollziehbar und katastrophal.

"Nein zur Gewalt, Ja zu Liebe und Freiheit" – Die Frauen aus dem Projekt bei der Demonstration

„Nein zur Gewalt, Ja zu Liebe und Freiheit“ – Die Frauen aus dem Projekt bei der Demonstration

Es sind zwiespältige Begegnungen, die ich mit den Frauen des Viertels habe. Zum einen leisten sie Unglaubliches – Arbeit, Erziehung, Familienmanagement, alles erledigt die Mutter – und streben nach Unabhängigkeit. Aber eine Frau ohne Mann gilt wenig in der patriarchalisch geprägten Gesellschaft. Die Spannungen entladen sich zu oft in Gewalt gegen Frauen.

Kirche und Frauenbewegung in Peru

Was geht das die Kirche an? Und was hat ein Diakon mit diesen Problemen zu schaffen?

Nun, die Katholische Kirche Perus ist durchaus aktiv. Zumindest beim Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November. Einträchtig demonstrieren vor der imposanten Kathedrale, vom Stadtrat organisiert, verschiedene Frauengruppen, um auf häusliche Gewalt aufmerksam zu machen. Der örtliche Bischof ist auch da.

Er ist auch der Erste, der das Wort ergreift, als eine bunte Gruppe aus der Reihe tanzt, um ihre Wut zu äußern: tags zuvor hatte der Kongress ein Gesetz gekippt, das vergewaltigen Frauen eine klinische Abtreibung erlauben sollte. Während die Polizei diese Frauen gewaltsam – welche Ironie! – vom Gelände drängt, schimpft der Bischof: „Ja zum Leben, nein zum Mord! Schwestern, hört nicht auf sie!“

WWJD?

Es wird wohl das Beste sein, nicht darüber nachzudenken, wie Jesus über Abtreibung urteilen würde. Darum. Aber es lohnt sich doch, einmal nachzuschauen wie Jesus Frauen behandelte, die aus ihrer vorgesehenen Rolle fielen.

Da gibt es Huren, die ihm die Füße mi t ihren – offenen! – Haaren abtrocknen. Jesus freut sich über die Wohltat, und er schilt den selbstgerechten Kritiker.

Und dann schildert Lukas auch noch den Konflikt zwischen Martha, die selbstverständlich ihre Aufgabe als brave Hausfrau erfüllt, während Maria sich in die Sache der Männer, die religiöse Unterweisung, einmischt. Das geht doch nicht! Zurück an den Herd! Aber Jesus? Der duldet den Rollenwechsel nicht nur, sondern findet das ziemlich gut so.

Zwei Beispiele, die zeigen, dass die Unterdrückung von Frauen, das Festhalten am patriarchalen Status quo sich nicht so einfach legitimieren lässt, obwohl die Bibel auch andere Geschütze auffährt. Aber in einem Land, in dem Frauenmorde leider traurige Realität sindmüssen Theologie und Kirche auf Seite der verfolgten und unterdrückten Menschen stehen. Sonst wird nur allzu wahr, wovor Paulus neben predigenden Frauen noch warnt: „der Buchstabe tötet„. Hoffentlich muss es keine Diskussionen darüber geben, dass der Rabbi, dem wir Christen nachfolgen, die verbreitete Praxis der Gewalt gegen Frauen entschieden verurteilen würde.

Muss da die Frage noch beantwortet werden, warum hier die Unterstützung von Frauen ein diakonischer Auftrag ist?

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