14. Dezember Pussy Riot statt Tersteegen

(Dieser Beitrag ist von verschiedenen inspiriert, am nächsten dran ist dieser Artikel, oder dieser.)

Im Advent fangen ja auch Singmuffel an zu singen. Oder zumindest Weihnachtslieder zu spielen.
Da ist dann alles dabei von Stille Nacht bis Last Christmas, von der tief christlichen Herzensfrömmigkeit eines „Ich steh an deiner Krippe hier“ bis zur Einkaufsbegleitungsmusik, die in Kaufhäusern und auf Weihnachtsmärkten gespielt wird.

Das passt auf den ersten Blick sehr gut zu den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums, in denen auch dauernd gesungen wird. Ein bisschen wie im Musical oder bei Bollywood.
Aber da enden auch schon die Ähnlichkeiten.

Bei Lukas singen alte Männer, Engel und eine junge Frau Lieder, die nicht andächtig und besinnlich sind. Es sind politisch subversive Lieder. Es geht um einen Umsturz, der herbei gesehnt wird und der in dieser Zeit beginnen soll, mit der Schwangerschaft Marias und dem Kind, dass sie zur Welt bringen wird.
Mein Lieblingslied aus diesen ist der Lobgesang der Maria, der nach der lateinischen Version des ersten Wortes auch Magnificat genannt wird.

Sie singt es bei ihrer Begegnung mit ihrer Verwandten Elisabeth.

Allein die Szene zeigt schon, dass hier etwas ungewöhnliches passiert. Hier reden zwei Frauen miteinander, ohne dass ein Mann anwesend ist, oder über einen Mann geredet wird. Das passiert in der Bibel nur noch einmal – bei Ruth und Noomi (und in den meisten Filmen gar nicht, wie die feministische Filmkritikerin Allison Bechdel herausarbeitete).

Und worüber reden diese Frauen?

Meine Seele erhebt den Herrn,
und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
Denn er hat große Dinge an mir getan,
der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht
bei denen, die ihn fürchten.
Er übt Gewalt mit seinem Arm
und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
Er stößt die Gewaltigen vom Thron
und erhebt die Niedrigen.
Die Hungrigen füllt er mit Gütern
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er gedenkt der Barmherzigkeit
und hilft seinem Diener Israel auf,
wie er geredet hat zu unsern Vätern,
Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.

(Lukas 1,46b-55)

Revolution und Umverteilung.
Marias Lobgesang klingt eher nach einem Punklied, statt nach Weihnachtsschlagern. Pussy Riot statt Wham oder Tersteegen..

Ich finde die Version der nordamerikanischen Folk-Punk Band Psalters ziemlich passend:

Bei so einer Mutter muss einen ja nicht allzu sehr wundern, dass Jesus schließlich von der römischen Besatzungsmacht unter Zustimmung der mit ihnen kollaborierenden religiösen Elite Jerusalems am Kreuz als Aufrührer hingerichtet wurde.

Ich wünsche euch allen eine adventliche Unruhe, in der wir in das Lied Marias einstimmen..

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