Du sollst den Feiertag heiligen
Sonntagsruhe - Plakat: EKD

Es ist schon etwas her, dass die Kirchen ausgerufen haben: „Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage.“ Damals war noch Wolfgang Huber Ratsvorsitzender der EKD und hielt das schöne Schild: „Gott sei Dank, es ist Sonntag“, empor.

Wolfgang Huber hält das Ladenschild „Gott sei Dank, es ist Sonntag“ – Foto: EKD

Der Sonntag gehöre zur Sozialkultur. Wer die Sonntagsruhe zugunsten geöffneter Geschäfte einschränke, der nehme den Menschen vorrangig als Konsumenten wahr. Beim Sonntagsschutz gehe es um die „Qualität des Zusammenlebens“.

Ob Herr Huber selbst wohl den Feiertag gehalten, also geruht und nicht gearbeitet hat, wie es das Gebot fordert? Und wenn schon nicht am Sonntag oder am Samstag, dann wenigstens an einem anderen Tag der Woche? Leider kenne ich Herrn Huber nicht persönlich, auch nicht Frau Käßmann, Herrn Schneider oder Herrn Bedford-Strohm. Ich kenne sie nicht, aber ein befreundeter Pfarrer, der sich seit Jahren gut in der Kirchenleitung einer deutschen Landeskirche auskennt, sagte mir mal, dass die obersten Leitungspersonen, die er in den letzten Jahren gesehen hat, irgendwann nur noch ein Schatten ihrer selbst waren, wenn sie überhaupt noch einen Schatten geworfen haben und nicht schon zusammengeklappt auf dem Boden lagen. Das scheint mir eher weniger nach einem konsequenten Feiertag auszusehen.

Wie gesagt: Ich kenne sie nicht persönlich. Aber immerhin kenne ich ein paar Pfarrer und Pfarrerinnen und die haben in ihrer Mehrzahl aus der Warnung „Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage“ offenbar eine Tugend gemacht. Wie soll man auch anders, wenn der Kollege auch keinen freien Tag hat? Wie soll man auch anders, wenn die geplante Aktion schief geht und man nun alles selber machen muss? Wie soll man auch anders, wenn der engagierte Herr K. nochmal eben etwas absprechen will? Wie soll man auch anders, wenn man gar nicht mehr sagen kann, was Privatvergnügen und was Arbeit ist? Wie soll man auch anders?

Aber man ist ja unterwegs im Auftrag des Herrn – da wird der schon genug Power geben, dass man nicht tot umfällt, sonst wäre der ja schön doof. Aber ein bisschen heuchlerisch ist das ja schon, denke ich mir. Von anderen fordern, dass der Sonntag Sonntag bleibt, aber man selbst…

Und wie geht es dir im Studium? Wie sollst du auch anders, als am Sonntagabend noch den Text für das Seminar zu lesen? Wie sollst du auch anders, als am Sonntag in die Bib zu gehen, bei der Abgabefrist? Wie sollst du auch anders, als 24-7 zu lernen, wenn bald das Examen kommt? Wie sollst du auch anders?

Wenn man schon jetzt nur noch macht, weil man nicht anders kann, wie soll das erst im Pfarralltag werden?

Ja, es wird immer eine Oma geben, die eigentlich besucht werden müsste. Ja, es wird immer Gruppen geben, die man eigentlich noch vorbereiten müsste. Ja, es wird immer noch einen Text geben, den man eigentlich gelesen haben sollte. Oder wollte. Ja, das wird es immer geben.

Aber das wird es auch immer geben: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.“ (Lutherbibel, Exodus 20,8-11)

Und was machst du am Sonntag?

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Ein Kommentar

  1. Melchior

    Richtig guter Impuls, der auch die Realität des Studiums mal kritisch hinterfragt! Großartig! Vielen Dank!!

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