Moment mal: Ohne dich?
Allen Watikin, Flickr, CC BY-SA 2.0

Decisions are made by those who show up. Dieser Satz stammt von Aaron Sorkin, dem preisgekrönten Autor der Fernsehserien The West Wing und The Newsroom, die sich vor allem mit der politischen Sphäre der Vereinigten Staaten auseinandersetzen. Entscheidungen werden von denen getroffen, die auftauchen. Show up. Entscheidend sind die Leute, die sich zeigen, die sichtbar machen, wofür und mit wem sie stehen.

Es geht um mehr als nur die demokratische Gepflogenheit des Wählens. Überall und allenorten werden täglich Entscheidungen getroffen, die auch mein Leben betreffen – die es verdient hätten, dass ich mich zu ihnen positioniere, Stellung beziehe.

Natürliche Experten

Seit einigen Jahren arbeite ich als Referent auf FSJ-Seminaren. Ich spreche mit den FSJlern über Leiden, Leidbewältigung und das Sterben. Viele von ihnen sind durch ihre Arbeit in Pflegeheimen, Krankenhäusern oder in der Assistenz natürliche Experten für viele Probleme, die unser Land im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens hat – einfach deshalb, weil sie sie hautnah erleben, zum Teil sogar selbst unter ihnen leiden. Die immerwährende Zeitnot bei der Arbeit, die geringe gesellschaftliche und wirtschaftliche Achtung der geleisteten Arbeit, die alltägliche Verzweckung der Leben aller Beteiligten – all das wird häufig nur mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen. Alternativlos.

Was wäre möglich, wenn allein die vielen tausend Freiwilligen sich nach ihrem FSJ stärker in die Debatten einbringen würden?

Fröhliche Diskutanten

Im Advent und besonders zu Weihnachten werden sich viele von uns wieder im vertrauten Familienkreis wiederfinden. Dieses Jahr fährt der ein oder andere mit einem mulmigeren Gefühl heim als sonst: Welche Diskussionen erwarten mich unterm Baum oder am gedeckten Festtagstisch? Ich meine gar nicht die üblichen Gespräche über Studienziele, Familienplanung und andere lästige, aber verständliche private Anliegen. Dieses Jahr kehrt die Politik mit ein, bei vielen Familien vielleicht zum ersten Mal, weil ihre studierenden Kinder zu den Feiertagen mit am Tisch sitzen. Und viele von uns haben die Reibungen und Spannungen, die die Bewältigung von Flucht und Vertreibung mit sich bringen, auch im Familienkreis erreicht. Soll ich da lieber meine Klappe halten, wenn der Onkel gegen Ausländer und Asylsuchende vom Leder zieht oder rechtsextreme Gewalt verharmlost?

Was wäre möglich, wenn allein die vielen hundert Theologiestudierenden sich an den Tischen ihrer Heimat stärker in die Debatten einbringen würden?

Protagonisten der Weihnacht

Im Advent hören wir wieder auf die alten Geschichten, wir verfolgen den Weg der Protagonisten der Weihnacht. Die Geschichten jener Menschen – so unterschiedlich sie auch sind – haben alle gemeinsam, dass sie uns von Menschen erzählen, die sich aufmachen, losgehen. Und wenn sie am Ende ihrer Reise – am Beginn der unsrigen – zu Weihnachten alle um die Krippe versammelt stehen, dann wird klar:

Es sind diejenigen, die die Entscheidung getroffen haben, sich aufzumachen und aufzutauchen, sich zu zeigen, denen der Segen zu Teil wird, denen ein Licht aufgeht, denen ein Kind geboren wird.

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