5. Dezember

„#heimkommen“. Die Utopien der Adventszeit

Die Adventszeit hat am 1. Adventssonntag, dem 29.11 offiziell begonnen. Offiziell, nachdem schon seit dem Spätsommer Lebkuchen, Glühwein und andere Artikel, welche landläufig mit Weihnachten assoziiert werden, in den Regalen der Geschäfte stehen. Seit Mitte November leuchten die Städte und Dörfer in Rentieren und Weihnachtsmännern. Und pünktlich zum 1. Advent etabliert EDEKA einen neuen Hashtag in den sozialen Medien „#heimkommen“.

Über den Werbespot, der hinter diesem Hashtag steht wird nun heftig diskutiert, im Netz, in den Medien, und in meiner facebook Timeline. Man kann über diesen Videoclip geteilter Meinung sein, neben der Frage wie pietätvoll es ist, Werbung zu machen mit einer Geschichte, in deren Kern ein älterer Herr seinen eigenen Tod fingiert, um seine Familie zu einem gemeinsamen Weihnachtsfest zu bewegen, kann man sich auch trefflich über die inneren Brüche der Geschichte streiten.

Aber lassen wir diese ganzen Fragen außen vor, eines hat der #heimkommen auf jeden Fall geschafft: Ein Gefühl zu bedienen. Die Sehnsucht nach Geborgenheit, und das Gefühl, dass es richtig ist nach Hause zu kommen. Der Clip bedient eine Sehnsucht des modernen Menschen, deren Erfüllung er in der Advents und Weihnachtszeit sucht. Die Sehnsucht nach einem idyllischen friedlichen Zuhause. Man kann das als Kitsch abtun, oder als bloßer Marketinggag, als schier unendliche Verdienstmöglichkeit, das wäre in weiten Teilen auch richtig. Doch diese Sehnsucht, die hier gestillt werden will, sie ist real.

Viele SchülerInnen in Deutschland lernen im Religionsunterricht die klassische Dekonstruktion der Weihnachts- und Adventszeit. Diese beinhaltet häufig Elemente wie „Weihnachten im Gefängnis“, „Weihnachten bei geschiedenen Familien“, einsame Menschen und ähnliches. Diese Dekonstruktion des in Mitteleuropa gängigen Weihnachts- und Adventsbilds ist richtig und wichtig, gerade in diesem Jahr. In einem Jahr, in dem zahlreiche geflüchtete Menschen in nur schlecht beheizbaren Notunterkünften hausen müssen, ist die Reduktion der Weihnachtsgeschichte auf ihren inneren Kern mehr als angebracht. Auf den Kern, dass der Messias ausgerechnet in einer Flüchtlingsfamilie zur Welt kommt.

Aber warum schlägt der #heimkommen so ein, wo wir doch alle so aufgeklärte Menschen sind, die genau wissen, dass es sich bei der Advents- und Weihnachtszeit auch um einen großen volkswirtschaftlichen Faktor handelt. Weil der #heimkommen gesellschaftliche Realitäten widerspiegelt. In keiner Zeit sind die Züge aus den Universitätsstädten voller, als in den Tagen vom 20. bis zum 24.12. Und wenige Abende sind in Kneipen so gut besucht, wie der 23.12, der Tag vor Heilig Abend, an dem alle zurückgekommen sind in ihre Heimatstadt. Heimkommen ist etwas, was zum Advent ganz elementar dazugehört.

Und doch passt das heimkommen in #heimkommen zum Advent. Weil es einen Wunsch beschreibt, so wie der Advent einen Wunsch beschreibt. Gerade im Kontext dieses Werbespots fällt mir immer wieder Jochen Kleppers Adventslied „Die Nacht ist vorgedrungen“ ein. Ein Lied, das so gar nicht zur Vorweihnachtsfreude passen will, und meiner Meinung nach doch einen guten Impuls in die Adventszeit gibt. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“

Euch noch eine gesegnete Adventszeit.

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