Moment mal: Gutes tun

Frohes neues Jahr! Gestern wurde in unzähligen Haushalten das erste Licht entzündet: Das erste Licht des neuen Kirchenjahres, das erste Licht der Vorweihnachtszeit, das erste Licht des Adventskranzes, der auch in vielen säkularen Haushalten zu finden ist. Ähnlich wie zu Silvester kann man in diesem Zusammenhang auch hier gute Vorsätze beobachten:

„Diesen Advent will ich alle Geschenke schneller beisammen haben, damit ich den Rest der Zeit genießen kann.“
„Diesen Advent will ich mal richtig zur Ruhe kommen, die ganze Vorweihnachtshektik ausblenden.“
„Diesen Advent will ich so viele Weihnachtsmärkte wie möglich abklappern.“

Neben den aufgeführten Beispielen ist seit jeher bekannt, dass in der Vorweihnachtszeit der Geldbeutel lockerer sitzt. Die weihnachtliche Musik, das Leuchten und Blinken in der Dunkelheit und die rührseligen Geschichten bei Kerzenschein tun meist ihr Übriges, um die Herzen zu rühren und den Vorsatz zu wecken, etwas Gutes zu tun. Dass das ein bekanntes Phänomen ist, zeigen die unzähligen Spendenaufrufe, die sich in meinem Briefkasten stapeln. Viele Organisationen und Firmen haben spezielle Weihnachtsaktionen, z.B. „Weihnachten weltweit“ von Brot für die Welt oder eine Seite nur für weihnachtlich motivierte Großspenden zu Weihnachten von der Kindernothilfe.

Angesteckt von dem Wahn unbedingt etwas Gutes tun zu wollen, beschloss ich endlich eine kenianische Frau, Tarrys, im Flüchtlingsheim zu besuchen. Das hatte ich ihr schon lange versprochen. Bisher war sie immer unterwegs, wenn ich in der Nähe war. Dann habe ich dort eine andere Familie besucht, mich mit ihnen angefreundet und kaum noch an Tarrys Tür geklopft. Als ich sah, dass Tarrys auch Whatsapp hat, packte ich die Gelegenheit beim Schopf, fragte wann sie da ist und verabredete mich mit ihr. Bei Nieselregen kämpfte ich mich mit dem Fahrrad und meinem Kind den Hügel zum Flüchtlingsheim hinauf. Ich wollte ja etwas Gutes tun!

Tja und dann drehte der Spieß sich um. Tarrys freute sich so mich zu sehen, dass sie mir Tee anbot, das gesamte Spielzeug ihres Sohnes vor meinem ausbreitete und mich zum selbst gekochten Abendessen einlud. Überwältigt von so viel Gastfreundschaft und dem tollen Gespräch nebenbei, fragte ich mich, wer hier eigentlich wem etwas Gutes getan hatte?

Nun ist also Advent. Bei mir brennt auch eine Kerze. Daneben liegt eine Packung Kekse und eine warme Kindermütze. Beides will ich Tarrys bei meinem nächsten Besuch mitringen. Ich möchte ihr so gut tun, wie sie mir gut tut. Das ist mein Vorsatz für das neue Kirchenjahr. Ich gehe selbst hin und spende Zeit und Geld direkt vor Ort. Der Beginn des Kirchenjahres, der Weihnachtsfestkreis ist im Brauchtum eine Zeit der Familie. Ich kann weder Tarrys noch den anderen Flüchtlingen ihre Familien wieder geben, die sie zurücklassen mussten. Aber ich kann ihnen Gemeinschaft geben, das Gefühl dazu zu gehören. Wir können gemeinsam warten – auf die Ankunft des Herrn.

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