Am Anfang war das erste Semester …
„Dem lebendigen Geist“ Foto: Immanuel Giel Lizenziert als Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Warum Theologie?

Ich weiß nicht, wie oft mir diese Frage innerhalb der letzten Monate gestellt wurde, und ich kann sie bis heute nicht genau beantworten. Auf jeden Fall beschloss ich vor ein paar Monaten – vielleicht durch Erleuchtung, vielleicht in geistiger Umnachtung – nach Bestehen meines Abiturs, mich für ein Theologiestudium in Heidelberg einzuschreiben.

Inzwischen bin ich seit ungefähr drei Wochen an der Uni. Drei Wochen, die so komplett anders waren als mein vorheriges Leben als Schülerin, drei Wochen voll von neuen Erfahrungen, neuen Menschen, neuen Eindrücken – kurz gesagt: ein neuer Lebensabschnitt. Viele Dinge, die für ,,eingefleischte“ Studenten wahrscheinlich selbstverständlich sind, haben mich fasziniert, beeindruckt oder auch im ersten Moment überfordert.
Zum Beispiel war die Tatsache, dass Uni nicht einfach nur in einem Gebäude stattfindet, für mich völlig neu: In der Schule hat man ein, zwei Gebäude, die sich in gegenseitiger unmittelbarer Nähe befinden. Einen Schulhof. Auf einmal gibt es allein für die Theologiestudenten drei oder vier Gebäude, keine „zentrale“ Universität – nein, sie ist allgegenwärtig, in der ganzen Stadt findet man Fakultäten, ,,die eine“ Uni gibt es nicht.

Das, was mich wohl am meisten beindruckt hat, war die große Freiheit im Studium. Ich hatte bisher in der Schule einen festen Stundenplan, an dem es nichts zu rütteln gab. Erfahrungsberichte von Freunden, die bereits studierten, sahen ähnlich aus: Wenig zu wählen, viel vorgeschrieben.
Umso größer war meine Freude, dass ich mir Kurse, Vorlesungen, Seminare so aussuchen konnte, wie ich lustig war. Natürlich, man muss die Sprachkurse besuchen und das Biblicum machen, aber ansonsten – ,,studiert, was ihr spannend findet!“, so die Aussage unserer Tutoren während der Orientierungstage.
Leichter gesagt als getan – als ich das kommentierte Vorlesungsverzeichnis das erste Mal durchblätterte, war ich mit der Menge an Kursen erstmal schlichtweg überfordert. Wie viel macht man denn am besten? Warum ist das alles so interessant? Wieso laufen so viele Sachen, die man alle gerne machen möchte, parallel? Letztendlich habe ich es dann doch geschafft, mir einen (hoffentlich) vernünftigen Stundenplan zu erstellen – das Studium konnte beginnen.

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Vorlesung: Mit gemischten Gefühlen, nervös und trotzdem voll Vorfreude erwartete ich, was nun kommen würde. Schaffe ich es überhaupt, sinnvoll mitzuschreiben? Woher weiß ich, was wichtig ist, und was nicht? Und wieso sitzen hier so viele vor ihren Laptops?
Schnell merkte ich jedoch, dass sich meine Sorge als unbegründet und meine Skepsis als fast schon absurd herausstellte. Ich kam gut mit, schaffte es problemlos, die wichtigsten Sachen mitzuschreiben, und auch das anfangs als nervig empfundene Klackern der Tastaturen blendete ich nach ein paar Tagen fast komplett aus.

Ich liebe es, dieses Fach zu studieren. Ich liebe es, mich nicht mehr mit Kurvendiskussionen und Photosynthese herumschlagen zu müssen, und ich liebe es, endlich fast ausnahmslos Sachen zu lernen, die mich wirklich interessieren. Die etwas in mir anrühren, mir nicht nur helfen am Ende die Prüfung zu bestehen, sondern teilweise auch existentielle Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, tiefer in die Materie einzudringen. Selbst für mich nicht ganz so spannende Gebiete wie die Kirchengeschichte haben irgendwo ihren Reiz.
Und auch, wenn ich das Gefühl habe, noch nie vorher so viel Fachliteratur gelesen haben zu müssen, noch nie so viel für etwas gelernt oder getan zu haben (oder es noch nie gewollt?): Ich glaube, ich habe ,,mein“ Fach gefunden, und ich freue mich schon auf die nächsten Semester!

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