Moment mal: Xavier Naidoo und die Apokalypse
Xavier Naidoo beim Verleih der Goldenen Kamera 2012. Foto: JCS CC BY-SA 3.0

*Seufz*. Das hab ich nun davon, dass ich meine Kolumnen ein paar Tage im Voraus schreibe. Die ARD hat die Nominierung von Xavier Naidoo natürlich schon am Samstag zurückgenommen. Wahrscheinlich haben wir uns inzwischen alle wieder beruhigt (ich schreibe auch diese Zeilen im Voraus, weil ich anscheinend nicht aus meinen Fehlern lerne). Trotzdem hier aus historischen Gründen ein paar Zeilen über die Theologie von Xavier Naidoo:


Da hat die ARD also tatsächlich für den Eurovision Song Contest nächstes Jahr als Vertreter von Deutschland Xavier Naidoo auserkoren. Dass das eine eher dumme Idee war, wurde jetzt schon von verschiedenen Leuten dargestellt. Wichtigster Grund dagegen, sich von Xavier Naidoo vor der Weltöffentlichkeit vertreten zu lassen, sind dessen schräge aber gefährliche rechtspopulistische Ansichten, die er immer wieder gern und bereitwillig zum Besten gibt.

Über diese will ich aber heute gar nicht schreiben. Vielmehr will ich kurz auf die abenteuerliche Theologie von Xavier Naidoo hinweisen.

In meinen Teenagerjahren wurden Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims in der evangelikalen Szene als christliche Musiker gehandelt; Lieder wie „Was wir alleine nicht schaffen“ galten als Ausdruck christlicher Gemeinschaft und der Hoffnung, dass Christus bald wiederkommt. Wem das noch nicht eindeutig genug war: sein zweites Album hieß „Alles für den Herrn“. Naidoo galt als einer der Helden der christlichen Musikszene, weil er nicht nur ultra-fromm war, sondern auch noch Erfolg im Mainstream hatte.

Das ganze erscheint im Rückblick geradezu komisch, wenn man sich mal anschaut, wie sich Naidoo schon in den 90ern zu den Themen Spiritualität und Bibel geäußert hat. Ich habe ein Interview von 1999 gefunden (zugleich ein lebendes Webdesign-Fossil), nach dessen Lektüre eigentlich hätte klar sein müssen, dass man Naidoo besser nicht als großes Vorbild vor sich hertragen sollte.

Der Ton ist dem des aktuellen Stern-Interviews überraschend ähnlich. In dem Interview finden sich so Perlen wie: „Kein Christ darf jemals das Datum der Apokalypse, des Jüngsten Tages, ansetzen. Man hat aber entdeckt, daß das Armageddon 1992 begann. Davon bin auch ich überzeugt.“ Oder diese großartige Passage: „Ich glaube nicht, daß die Greenwich-Zeit die richtige Zeit ist, daß die Zeitzonen rechtens sind. Warum steht nirgendwo in der Bibel, daß der Mond auch tagsüber geschienen hat.“ Hm, in der Tat mysteriös!

Auch sehr schön ist, wo Naidoo in der Bibel Autos entdeckt zu haben meint: „Das steht an mehreren Stellen, in denen die Cherubime beschrieben werden. Für mich sind diese Engelsgeschöpfe die Automobile. Es gibt vier Arten von diesen Wesen – und wir haben vier Arten von Fortbewegungsmitteln auf der Erde.“ Ist doch alles Sonnenklar, oder?

Also: Ja, Xavier Naidoo ist ein Scharlatan, der es versteht sich mit provokanten Sprüchen und flotten, halbgaren Behauptungen selbst zu vermarkten. Dass er dabei als „Einstiegsdroge“ für junge Menschen zu Verschwörungstheorien und rechtsextremem Gedankengut fungiert, nimmt er billigend in kauf. Aber so ist Naidoo nicht erst seit ein paar Jahren, sondern schon immer. Da bleibt nur, sich zu distanzieren, zu widersprechen und – oh Gott, liebe ARD, bitte überlegt euch das noch mal!

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7 Kommentare anzeigen

  1. Christoph

    Und was in diesem Stern-Interview soll rechtspopulistisch sein?

    • Die Behauptung, Deutschland wäre kein souveräner Staat wird gern und häufig von rechtsextremen Gruppen propagiert und als Argument für deren Demokratiefeindlichkeit genutzt. Ähnliches gilt für die Verschwörungen zum 11. September 2001.

      Ich würde die Positionen von Xavier Naidoo, die auch im Stern-Interview zur Sprache kommen, deshalb rechtspopulistisch nennen.

      Das ist aber natürlich nicht der eigentliche Punkt des Artikels …

      • Christoph

        Und würde man so über eine Conchita Wurst herziehen wäre das natürlich gleich Homophobie.
        Wie einfach man sich die Welt doch machen kann verwundert mich immer wieder…
        Und dass du dann noch 9/11 dahingehend anbringst bestätigt das nur.
        Immer schön die repressive Meinung aufrechterhalten die unsere Gesellschaft uns auferlegt und damit affirmativ zu unseren repressiven Regierungen stehen.

        • Dein Ernst? Begründete Kritik ist für dich das selbe wie „herziehen“?
          Ich versteh auch nicht so recht, was für dich in dem Kontext die Parallele zwischen Conchita Wurst und Xavier Naidoo ist. (Außer, dass beide Musiker sind …?)

  2. Christoph

    „Dass er dabei als „Einstiegsdroge“ für junge Menschen zu Verschwörungstheorien und rechtsextremem Gedankengut fungiert, nimmt er billigend in kauf.“
    Das nennst du begründete Kritik?
    Würde man das Conchita nach deinem Tenor als Einstiegsdroge zu trans,- und gendernormativer Gehirnwäsche des Mainstreams und faschistoidem Denken bezeichnen wäre das ja also auch begründete Kritik, oder?
    Nebenbei: fällt dir deine Intoleranz und Diskriminierung auf, oder bist du zu genormt?
    Die Parallele ist der ESC, falls das wirklich so unoffensichtlich seien sollte.

  3. Oilily

    Schade, ich bin das erste Mal auf dieser Website und hätte erwartet, dass in diesem Artikel X.Naidoos Einstellung mal mit gängiger theologischer Lehre/ Praxis verglichen wird. Stattdessen macht sich der Autor einfach nur über Naidoo lustig und zieht ihn durch den Kakao. Das ist zwar amüsant, aber viel wirkungsvoller wäre es doch, mal zu erklären warum Naidoo da Quatsch erzählt. Und einfach nur zu schreiben, dass Naidoo rechtspopulitistische Ansichten vertritt, ohne das zu begründen, führt eben u.a. zu nachgeschobenen Erklärungen in der Kommentarleiste.

    • Christoph

      Die ja letztlich keine Erklärungen sind. Es bleibt leider bei Gefasel. Das hast du aber auf der Seite hier, vor allem auch den Kommentaren öfter mal. Angehende Theologen sind auch nicht mehr was sie mal waren!

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