„Fuck you, Mars!“ Zwei ermutigende Gedanken aus „The Martian“
Foto: European Space Agency (CC BY-SA 2.0)

The Martian war tatsächlich einer dieser Filme, auf die ich mich lange im Voraus gefreut habe. Nicht nur, weil ich Matt Damon und Kate Mara super finde, sondern auch weil die Geschichte mich fasziniert hat. Da ist ein Astronaut auf dem Mars gestrandet, und weiß, dass selbst wenn sofort Hilfe gesendet wird, sie nicht früher als in vier Jahren bei ihm sein kann.

Wenn der Film dem aufmerksamen Zuschauer nicht Einiges zu denken geben kann, dann gute Nacht, Hollywood.

Allerdings ist mein Interesse gerade nicht, den Film an sich zu besprechen. Ich möchte lieber zwei Gedanken aus dem Film aufgreifen, die mich irgendwie ermutigt haben.

1. Wie viel ist der Einzelne wert?

Über lange Strecken lebt der Film von der Spannung, ob man hunderte Millionen Dollar ausgeben soll, vielleicht Menschenleben aufs Spiel setzen, um diesen einzelnen Mann auf dem Mars zu retten. Da gibt es Diskussionen der Verantwortungsträger bei NASA und anderen Weltraumorganisationen, sowie innerhalb des Shuttles, das die restliche Crew gerade zurück zur Erde befördert.

Wie weit sollte man gehen, um ein einziges Leben zu retten?

Und darf man Menschenleben mit Geld aufrechnen?

Wie gerecht ist es, Menschenleben aufs Spiel zu setzen, um ein Leben zu retten?

Es sind dies die klassischen Fragen der Moralphilosophie, die sich in der „Trolley-“ und „Dicker Mann“-Problematik offenbaren, und die alles andere als leicht zu beantworten sind. Und im Drehen um diese Fragen ist der Film tatsächlich reflektierter, als es der Trailer erahnen lässt.

Es liegt in der Natur eines Hollywood-Films, dass die Antwort mehr emotional ausfällt als reflektiert und philosophisch. Das macht den Film aber nicht weniger wertvoll, um sich mit dieser existenziellen Frage nach dem Wert des menschlichen Lebens und der Aufrechenbarkeit desselben auseinander zu setzen.

Eine Frage alleine ist natürlich erstmal deprimierend, wenn man sich der eigenen Begrenztheit bewusst wird, mit der man an diese Art von Fragen herantritt.

Ermutigt hat es mich vor allem deswegen, weil ich in den letzten Wochen immer wieder damit konfrontiert war, dass selbst diejenigen Menschen in unserer Gesellschaft, die inmitten der großen ethischen Konflikte stehen, durch ihre Grund- und Ausbildung nur eine mangelnde ethische Orientierung an die Hand gegeben bekommen.

So schreibt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm in seinem Buch „Leben dürfen – Leben müssen“ (Rezension von mir), dass medizinisches Personal heutzutage „weitestgehend auf seine eigene Intuition bzw. selbst-erarbeitete Kompetenz angewiesen“ bleibe. Daraufhin zählt er auf, wie erschreckend wenig Zeit im Medizinstudium (das in Deutschland immerhin im Durchschnitt sechs Jahre dauert) für ethische Grundbildung angewendet wird. Wenn Bedford-Strohm damit Recht hat, scheint mir daraus zu folgen: Es ist wichtig, wenn die großen Kulturgüter unserer Tage den Gestalter*Innen unserer Gesellschaft solche Fragen an die Hand geben. Nur so kann man über die eigenen „Intuition“ hinauswachsen und eine gesunde, wirkliche Kompetenz erreichen.

2. Manchmal hilft nur Sarkasmus

Abseits dieser großen, gesellschaftsweiten Ermutigung ist mir im Film vor allem der Satz: „Fuck you, Mars!“ hängen geblieben. Die ganze Reaktion des Marsianers auf seine Situation ist so tief von Zynismus und Sarkasmus durchdrungen, dass es manchmal schon fast wehtut.

Allerdings erkennt man beim Beobachten, dass der Sarkasmus eine heilsame Funktion für den Überlebenden hat. Es hilft ihm, seine beschissene Situation auf fast magische Weise in ein amüsanteres Licht zu stellen.

Das ist natürlich auch eine gefährliche Lehre, die man aus diesem Film ziehen kann. Zynismus und Sarkasmus können zwar durchaus heilsam sein, sind aber weitaus häufiger die Ursache für Verletzung und Streit.

Die Ermutigung für mich am Ende war, dass ich meinen Sarkasmus und Zynismus nicht aus „Gutmenschentum“ immer im Holster stecken lassen muss. Aber ich sollte mir der Gefahr bewusst sein, die ihnen innewohnt – und eventuell noch ein zweites Mal darüber nachdenken, ob sie jetzt wirklich hilfreich sind.

Die großen ethischen Fragen, und Sarkasmus. Das nehme ich also mit aus „The Martian“ – nicht schlecht für Hollywood.

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