„Klopfet an, so wird euch aufgetan“ – Die liebe Not mit der Wohnungssuche
Foto: Brennan Ehrhardt (CC0)

Ich habe ein WG-Zimmer! Vor ein paar Tagen kam die Zusage! „05.11.2015“, sagte der Kalender!

Um das ganze zu präzisieren: Zusage heißt, die WG würde gerne, dass ich einziehe. Mit dem Vormieter treffe ich mich noch. Es ist noch nichts unterschrieben. Ob der Vermieter schon Bescheid weiß, weiß ich nicht. Schlüssel? Fehlanzeige! Naja, wird schon!

Das alles klingt jetzt erstmal gut. Ich kann nach meinem Studienortswechsel in meinem eigenen Bett schlafen. Was dahinter steht, ist aber eine Odyssee von Sodom zu Gomorra, durch die Wüste, dreimal um den Sinai mit Umweg über Ägypten ins Gelobte Land. (Ja, ich studiere Theologie!) Bereits Anfang Juni habe ich – noch im Ausland studierend – meine Bewerbung an das theologische Wohnheim geschickt und ließ den Dingen ihren Lauf … Weiter drüber nachgedacht hab ich eigentlich nicht, denn ich wollte noch die abschließende Zeit genießen. Mitte August hatte ich noch immer nichts erfahren. Also hakte ich mal nach. Antwort: Das müsse der Heimrat entscheiden; Ende August könnte ich mit einer Antwort rechnen. Sicherheitshalber hab ich doch mal beim Heimrat nachgefragt: „Wir haben im Moment kein Zimmer für dich.“ Auf die Frage, wie genau das jetzt gemeint wäre, keine Antwort. Also hab ich gewartet. Sicherheitshalber schonmal die Bewerbung für das Studentenwerk fertig gemacht. Am 1. September dann die endgültige Absage: „Gerne behalte ich Sie aber auf der Warteliste!“

Naja, wie schwer kann das schon sein? Denk’s und geh an die Suche. Schon mit dem ersten Blick in die gängigsten WG-Portale falle ich beinahe rückwärts vom Stuhl. Der Hammer: 400 € warm für 11 qm am Stadtrand! Mein Budget ging eigentlich zwischen 250 und 300 € im Monat zur Neige. Also, was tun? Notgedrungen weitete ich meine Suche aus: WG-Zimmer bis 350 €, Wohnung so, dass der Preis für die einzelnen Bewohner im entsprechenden Rahmen liegt. Parallel – nur zur Sicherheit – ein eigenes Gesuch mit Profil, Bildern, möglichst vielen Infos … je mehr desto besser! Aber: Möglichkeiten bleiben aus. Gefühlte 1000 WG-Anfragen später bekam ich endlich die erste Chance. Ich könne mir gerne das Zimmer ansehen. Wohlgemerkt, es war mittlerweile Mitte September. Die persönliche Einschreibung an der neuen Uni stand kurz bevor und noch immer war ich nicht vor Ort. Dazu kam, dass ich nicht mal eben rüber fahren konnte. Immerhin konnte ich für zwei Nächte in das Gästezimmer eben jenes Wohnheims, das mich bereits abgelehnt hatte. Drei weitere Besichtigungstermine kamen dazu. Die Zimmer waren schön, das Interesse übermäßig groß! Leider zu meinem Leidwesen, denn ich war nicht die erste Wahl. Ich also wieder zu meinen Eltern. Und die Suche ging weiter.

Eine Woche später stand die persönliche Einschreibung an. Parallel konnte ich erneut WGs und eine Wohnung ansehen. Die Wohnung war WG-fähig, lag relativ zentral und war nicht mal teuer. Der Haken: Erst ab Mitte November frei. Die Vorlesungen begannen aber schon am 12. Oktober … Problem! Neue Suche. Mittlerweile die ersten Vorlesungen. Gott sei Dank, meine Freundin hatte etwa eine Stunde von der Uni entfernt einen Platz auf der Couch für mich, den ich mir mit Katze und Hamstern teilte.

Nach zweieinhalb Wochen erneuter Umzug, wieder in das Gästezimmer des abgelehnten Wohnheimes. Parallel Uni. Examensvorbereitung. Wohnungssuche. Ankommen? Fehlanzeige! Immerhin hatte mein Koffer bereits seit einer Woche einen Platz in der Studentengemeinde. Da stand er gut. Ich hingegen lebte mit drei T-Shirts, Zahnbürste und Unterwäsche aus einer Reisetasche. Dann schließlich konnte auch ich in die Studierendengemeinde umziehen. Die Zimmerangebote dauerhaft kontrollierend stiegen zwar die Antworten, die Konkurrenz wurde aber nicht weniger.

Jetzt, fast einen Monat nach Semesterbeginn, habe ich ein Zimmer. Noch immer sind aber viele in- und ausländische KomilitonInnen auf der Suche, schlafen in Hotels und verbrauchen ihr mühsam erspartes Geld. Mein Fazit: Wer heute studieren will, sollte Geld, Zeit und unerschütterliches Zutrauen haben. Und nicht davon ausgehen, rechtzeitig bezahlbaren Wohnraum zu finden.

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