Moment mal: Ehrenamtliche

„Wir brauchen jede helfende Hand!“
„Ich will helfen!“
„Haben Sie denn eine entsprechende Ausbildung?“
„Nein, aber ich möchte helfen.“
„Nein, tut mir leid, Sie sind ungeeignet. Wir nehmen nur Ehrenamtliche, die bereits Erfahrung haben, mindestens zwei Fremdsprachen sprechen und über diverses Fachwissen verfügen.“

So erging es einer Bekannten. Sie las im Gemeindeblatt, dass für die Arbeit mit den vor Ort untergebrachten Flüchtlingen noch helfende Hände gebraucht werden. Jeder könne helfen, jeder könne etwas beitragen.
Eine ähnliche Situation wurde mir zugetragen:

„Ich möchte etwas spenden.“
„Sind das etwa Sachen in dem Sack?“
„Ja, ich habe meinen Kleiderschrank aussortiert und nur gut erhaltene Sachen für die Spende zurückgelegt.“
„Hm. Na ja, Kleidung nehmen wir nicht so gern.“

Beide gingen wieder nach Hause, zurück in ihren normalen Alltag und der engagierte Funke ist erloschen. Dass beide Situationen gerade mit der Flüchtlingsarbeit zusammenhängen, ist Zufall. Vermutlich passieren solche Gespräche auch in anderen Bereichen der ehrenamtlichen Arbeit. Jede Institution möchte gerne ehrenamtliche und damit billige Arbeitskräfte haben – aber anscheinend nur ausgebildete. Enthusiasmus und Helferwille allein sind nicht genug. Es sollte am besten über Fachwissen und Erfahrung verfügt werden. Dann sollten Ehrenamtliche auch nicht frei entscheiden dürfen und – Gott bewahre – am Konzept mitarbeiten. Nein, Ehrenamtliche sollten lieber noch mit Auflagen beschwert, äh bereichert, werden und zusätzliche Kleinigkeiten erledigen. Wünsche und Forderungen sollten am besten gleich im Keim erstickt werden. Und wenn sie allein nicht zurecht kommen, sollen sie halt fragen und sich die herablassenden Bemerkungen der Hauptamtlichen anhören. Wurde ja eh zu Beginn gesagt, dass sie eigentlich ungeeignet sind. Aber was soll man machen? Geld für eine richtige Stelle ist eben auch nicht vorhanden.

Im Studium habe ich gelernt, dass eine der wichtigsten Aufgaben einer Gemeindepädagogin das Ausbilden und Begleiten von Ehrenamtlichen ist. Mit dem Ehrenamt steht und fällt das Leben einer Gemeinde. Der auflodernde Enthusiasmus und der Wille zu Helfen sollte aufgefangen und in richtige Bahnen gelenkt werden. So dachten wir uns das im Studium. Und so läuft es natürlich auch in jeder Gemeinde – die Situationen oben sind natürlich Einzelfälle. Zufälle. Stimmt’s?

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