Netzpolitische Mini-Konferenz mit Ambitionen Der Netzpolitische Kongress der aej
Grafik: aej

Ein paar Reihen Stühle, eine kleine Bühne, ein Aufsteller von evangelisch.de links und einer der aej rechts. Der Tagungssaal des ersten Netzpolitischen Kongresses der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej) im Berliner betahaus macht auf den ersten Blick keinen besonders imposanten Eindruck.

Netzpolitischer Kongress 1

Das Eröffnungsreferat von Ulf Buermeyer.

Dabei ist der Netzpolitische Kongress ein ambitioniertes Vorhaben. Eingeladen waren Gäste aus der Politik, der netzpolitischen Szene, der kirchlichen Onlinemedienlandschaft und der evangelischen und katholischen Jugendarbeit, um zwei Tage lang unter dem frechen Titel „Sind wir da schon drin, oder was?“ über das Leben in der „Digitalen Gesellschaft“ nachzudenken. Nachdem die EKD-Jugenddelegierten dieses Thema in die Synode eingebracht hatten, war dieser Netzpolitische Kongress der nächste Schritt.

Trotz dieser großen Ambitionen war die Atmosphäre beinahe familiär. Viele der Teilnehmenden kannten sich bereits aus der Jugendarbeit oder waren sich zumindest „virtuell“ bereits begegnet.

Netzpolitischer Kongress 3

Die Podiumsdiskussion. V.l.: Konstantin v. Netz, Julia Zwick, Ulf Buermeyer, Ingo Dachwitz, Christina Schwarzer und Matthias Spielkamp.

Der inhaltliche Höhepunkt der Konferenz war die Podiumsdiskussion am Freitag zum Thema „Drin sein reicht nicht – wer trägt die Verantwortung für eine gerechte Gestaltung des Digitalen Wandels?“, bei der unter anderen OLG-Richter Ulf Buermeyer und die MDBs Christina Schwarzer und Konstantin von Notz debattierten, wie eine deutsche Netzpolitik auf die Herausforderungen des digitalen Wandels reagieren sollte. (Alle Infos zu den Referaten und Podien hat evangelisch.de.) Dabei ging es besonders um Facebooks Datensammelei. Die Debatte blieb stets differenziert – auch dank der gelungenen Moderation durch den EKD-Jugenddelegierten Ingo Dachwitz.

Ingo erzählt mir ein paar Tage später, er sei zufrieden mit dem Kongress. „Es wurden sehr viele Anknüpfungspunkte aufgezeigt, bei denen wir als evangelischer Jugendverband gebraucht werden, wenn es um die politische und soziale Gestaltung der digitalen Gesellschaft geht.“

Auffällig war, dass die EKD selbst nicht offiziell auf dem Kongress vertreten war. Ingo Dachwitz begründet das damit, dass sich in der EKD offiziell niemand mit Netzpolitik beschäftige. „Da hat die Kirche bislang fast gar keine Kompetenzen vorzuweisen.“ Ein ernüchterndes Fazit, nachdem die EKD auf ihrer letzten Synode erste zaghafte Schritte in Richtung digitaler Mündigkeit versucht hatte. „Die EKD hat den unmissverständlich formulierten Auftrag, für Vernetzung unter den netzpolitisch Aktiven zu sorgen, bislang komplett ignoriert“, kritisiert Ingo Dachwitz.

Netzpolitischer Kongress 2

Das Referat von Torsten Larbig.

Umso ermunternder ist es, dass die Evangelische Jugend nun mit dem Netzpolitischen Kongress den Mantel der EKD aufgegriffen und die Digitale Gesellschaft zu ihrem eigenen Thema gemacht hat.

Könnte der Netzpolitische Kongress in Zukunft also die Lücke einer „kirchlichen Re:publica“ ausfüllen? Ingo Dachwitz hält das für unwahrscheinlich. „Dafür sind wir auch bei der aej zu wenige, die an dem Thema dran sind.“ Trotzdem würde auch er es begrüßen, wenn die aej mit einem Netzpolitischen Kongress „Speerspitze und Motor einer innerkirchlichen Bewegung“ würde. Dann solle es aber nicht nur um Netzpolitik gehen, sondern um das „Kirche sein in der digitalen Gesellschaft“ insgesamt.

Konkrete Pläne für einen zweiten Netzpolitischen Kongress gibt es noch nicht, auch wenn diese Möglichkeit auf dem Kongress immer wieder angesprochen wurde. Dies könnte eine gute Gelegenheit für die Evangelische Jugend sein, sich zu profilieren und den ‘Großen’ zu zeigen, wie’s gemacht wird.

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