Der Teufel in der Popkultur Teil (1/?): Berg-Katze

Der Teufel ist eins dieser Themen, bei dem es häufig gleich verlegenes Mit-den-Füßen-Scharren gibt, wenn es angesprochen wird. „Glaubst du dann auch an den Teufel?“ Und das Rumgedruckse geht los. „Naja, eigentlich…“ Es ist ja auch nicht so einfach.

In der universitären Theologie kommt er kaum vor und die Vorstellung von einem Herren mit Pferdefuß, der Päkte eingeht und Seelen in einer Dunstwolke von Pech und Schwefel in die Hölle befördert, gehört doch wie der Papst zu den Katholiken, oder?

Die Welt ist doch einfach zu kompliziert für die schön schwarze Vorstellung des Gegenspielers. Wie sieht es denn mit der Allmacht Gottes aus, wenn es da noch einen anderen geben soll? Das dualistische Weltbild hat doch auch theologisch so seine Probleme. Kurz gesagt: der Teufel gehört in die moderne Theologie nur als peinliche Randnote (oh Luther …) und sollte am besten vergessen werden.

Für einen Geschichtenerzähler ist er dagegen ein wunderbares Instrument. Vor allem im Fantasybereich trifft man auf ihn und seine StellvertreterInnen immer wieder. Einfache schwarz-weiß Aufteilungen erleichtern das Erzählen immens (z.B. Sauron in Herr der Ringe, die weiße Königin in Narnia, Es bei Stephen King).

Man kann sich auch gleich mit der reichen christlichen Mythologie auseinandersetzen (z.B. der Film Constantine). Da kann eventuell gleich ein bisschen Religionskritik mit rein. Luzifer war ja mal einer von den Guten. Vielleicht ist er nur missverstanden? Auf jeden Fall ist der Himmel teil des Problems (Supernatural, Good Omens). In Computerspielen ist es sowieso von Vorteil wenn die Gegenspieler böse Kreaturen ohne jede Nuance sind, die man einfach abknallen kann (Diablo-Videospielreihe).

Ich habe mir gedacht, dass ich in einer kleinen Serie (vielleicht bleibt es auch bei diesem Eintrag) meine Lieblings-Teufelsdarstellungen vorstelle. Vielleicht inspirieren sie ja den einen oder anderen. Aber genug der Vorrede, kommen wir zum Eigentlichen:

Gatchaman Crowds: Berg-Katze

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Wenn ihr noch nie von dieser Figur gehört habt, könnt ihr euch auf die Schulter klopfen: ihr gehört zur Mehrheit der Menschheit. Berg-Katze ist der Hauptantagonist in einem Anime Namens Gatchaman Crowds, der sogar in Anime-Kreisen obskur ist.

Dieser Anime ist eine Serie, die das Konzept der Power Rangers mit philosophischen Gedanken über Gut und Böse, die Gesellschaft und das Internet paart. Das sollte nicht möglich sein, funktioniert aber merkwürdigerweise sehr gut. Die Serie ist sich schlicht und ergreifend im Klaren, dass jeder Held eine bestimmte ideale Handlungsweise symbolisiert. Wenn du ein Heldenteam hast, kannst du mehrere Ideale des Guten nebeneinander stellen und zusehen wie die Fetzen fliegen.

Die Rahmengeschichte ist folgende: ein Alien, Berg-Katze, kommt auf die Erde und kündigt an, dass der Planet in Flammen aufgehen wird und alles die Schuld der Menschen sei. Der Rest der Story dreht sich darum, dies zu verhindern. Das Faszinierende dabei: die normale Heldenlösung (schlag es bis es sich nicht mehr bewegt) funktioniert nicht. Berg-Katze ist zum einen viel zu stark. Der Held, der versucht direkt mit ihm zu kämpfen, verliert sang- und klanglos. Er ist zum anderen gar nicht so einfach zu fassen.

Die veschiedenen Strategien Berg-Katzes

Berg-Katze kämpft nämlich normalerweise nicht selbst. Er hetzt viel lieber andere gegeneinander auf. Dabei hat er mehre modi operandi.

Am Anfang stiftet Berg-Katze vor allem Unheil an, indem er sich in andere Menschen verwandelt. Dabei kann er anscheinend erst ihre Gestalt rauben, wenn sie ein gewisses Maß an Wut und Gewaltbereitschaft zeigen. Der Schüler, der von seinen Lehrern enttäuscht ist und um anzugeben ein Messer mit in die Schule bringt, muss zusehen, wie eine Person in seiner Gestalt die Leute mit diesem Messer niedersticht. Oder die Mutter, die so entnervt ist von ihrem beständig weinenden Kind, dass sie es irgendwann einfach sitzen lässt, muss zusehen, wie ein Wesen in ihrer Gestalt in ihrem Auto Leute umfährt.

Eine zweite Fähigkeit ist, dass Berg-Katze die dunklen Gedanken der Menschen zum Vorschein bringen kann. Ihre Ängste und Unsicherheiten. Die schwachen Stellen, die eigentlich verborgen sein sollten. Indem er diesen eine Stimme gibt, lähmt er sein Opfer. Das passiert dem Helden, der versucht ihn direkt zu bekämpfen. Man besteht nur gegen Berg-Katze, wenn man diesen Stimmen keinen Raum lässt. Aber das ist nur der Kleinkram auf der individuellen Ebene. Lieber nistet sich Berg-Katze in den Idealen der Menschen ein und verkehrt sie in ihr Gegenteil.

Das Problem der Weltveränderung

Hier kommt Rui Ninomiya ins Spiel, ein junger Internetcrack, der eine Social-Media-Site Namens Galax programmiert hat. Galax hat die Fähigkeit Menschen, die einander brauchen, auf schnellem Wege zu verbinden. Es ist eine Mischung aus Facebook und Jobbörse. Passiert z.B. ein Autounfall, bekommt eine Krankenschwester in der Nähe eine Nachricht von Galax, dass genau an dieser Stelle ihre Fähigkeiten gebraucht werden. Reagiert sie auf die Anfrage, bekommt sie Punkte auf dieser Plattform. Die ganze Sache soll Menschen dazu animieren, auf spielerische Art und Weise einander zu helfen und so die Welt zu verbessern. Irgendwann, so ist auf jedenfall Ruis Traum, werden keine Institutionen mehr gebraucht, weil alle mithilfe von Galax einander helfen. Alle werden gleich sein.

Diesem Rui bietet Berg-Katze nun eine besondere Kraft an. Nämlich Menschen per App besondere Fähigkeiten zu verleihen mit denen sie noch effektiver helfen können. Eine friedliche Revolution scheint in die Nähe gerückt zu sein. Doch Unmut meldet sich in den Rängen der Leute, die diese Fähigkeit bekommen haben. Besonders einer, Umeda, beschwert sich lautstark: Das ginge doch alles viel zu langsam. Sollte nicht lieber die Regierung gestürzt oder raffgierige Unternehmen bestraft werden? Diese Welt sei schlecht und könnte nur verändert werden, wenn man alles einreiße. Wo bleibt eigentlich die Anerkennung für die getane Arbeit? Manche haben eine Menge für Galax geopfert. Rui unterbindet das zunächst und nimmt Umeda wieder seine Fähigkeiten.

Doch durch verschiedene Umstände raubt Berg-Katze auch Rui seine Identität und gibt die Fähigkeit genau diesen Menschen (in Ruis Namen) und anderen, die unzufrieden sind mit ihrem Leben und schon immer mal die Sau rauslassen wollten. Er unterstreicht es noch, verspricht, dass sie sich ihre Träume erfüllen können (Sie leben doch nur einmal!) und dass sie am Ende als große Männer und Frauen in die Geschichtsbücher eingehen würden. Das Resultat ist der Beginn einer blutigen Revolution.

Wie es nun der Zufall so will, erreicht die Revolution auch die Heimatstadt von Umeda. Als dieser voller Entsetzen Berg-Katze anfleht, diese Stadt zu verschonen (Hier leben doch seine Frau und sein Kind!), macht dieser ihn lachend darauf aufmerksam, dass das doch genau das sei, was Umeda gewollt hätte. Umeda bricht zusammen und fragt: „Bist du der Teufel?“ und Berg-Katze wird schlagartig ernst und antwortet: „Nein, ich bin du.“ Und fährt fort Umedas eigene Wuttiraden, die er von sich gegeben hat, zu zitieren. Umeda bleibt nichts anderes übrig, als um Hilfe zu rufen.

Letzte Gedanken

Das wunderbare an der Darstellung von Berg-Katze ist, dass sie zwei Dinge miteinander vereint, die in anderen Teufelsdarstellungen in einem Entweder-Oder-Verhältnis stehen: nämlich das Böse von Außen und das von Innen.

Normalerweise wird der Hinkefuß-Teufel immer damit abgelehnt, dass der Fehler doch beim Menschen liegen würde, es also gar keine Macht außerhalb gäbe. Er ist ja geradezu ein Angriff auf den freien Willen des Menschen. Aber die ganze Sache ist komplizierter: das Böse hat eine Art Eigendynamik, was zum Teil fast von einem Besitz ergreift und man die Kontrolle über sich selbst verliert.

Das war ich nicht, das habe ich nicht so gemeint. Am Ende steht man da und fragt sich, wie das passieren konnte. Und dieses merkwürdige Verhältnis zwischen Innen und Außen kann man gut an Berg-Katze sehen. Außerdem ist er einfach angsteinflößend und hat einen hervorragenden Soundtrack. Überzeugt euch selbst:

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Ein Kommentar

  1. „In Computerspielen ist es sowieso von Vorteil wenn die Gegenspieler böse Kreaturen ohne jede Nuance sind, die man einfach abknallen kann“ Das ist leider nicht nur bei Computerspielen so. Der Teufel ist schon immer eine hervorragende Ausrede sogenannter Gotteskrieger gewesen, ihre Gegner damit zu entmenschlichen und entsprechend zu behandeln. Da sieht man mal, wie sehr Computerspiele einem manchmal dabei helfen können, die Realität zu verstehen.

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