Kirche im Radio: Religiöse Unterhaltung zum Tagesstart
Foto: drestwn (CC BY 2.0)

Mal wird man früh morgens von ihm geweckt, oft begleitet er einen am frühen Abend und manchmal läuft er auch mitten in der Nacht: Bei jedem Radiosender hat der geistliche Impuls, die Radioandacht seinen eigenen Platz, und oft auch: Seinen eigenen Namen: „Dein Update für die Seele“ heißt es beispielsweise beim Jugendradio bigFm, etwas entspannter in den öffentlich-rechtlichen Programmen der ARD: „Morgenandacht“, zum Beispiel oder „Gedanken zur Woche“ im Deutschlandfunk.

Der Rundfunk-Staatsvertrag regelt die Vereinbarung, dass Kirchen die Möglichkeit haben, Inhalte im Radio zu senden: Manchmal passiert das durch redaktionelle Arbeit, durch den Bericht über eine kirchliche Veranstaltung, in den häufigsten Fällen als kleine Andachten von Diakonen, Pfarrern – und nicht selten auch: Studierenden.

An der Theologischen Fakultät Heidelberg beispielsweise wird seit zwei Jahren ein Seminar angeboten, das Handwerkszeuge für das Gestalten von Rundfunkandachten geben soll. Durch die Verknüpfung mit dem Rundfunkbeauftragten der rheinland-pfälzischen Kirche bleibt es dabei nicht bei trockener Theorie: Viele der Beiträge gehen kurze Zeit später über den Äther.

Eine passende Jesuskurve

Die Vorgaben für eine solche Andacht sind strikt: Maximal 1850 Zeichen, kein Predigtstil, möglichst lebensnah, und immer: Eine passende Jesuskurve, will heißen: Die Verknüpfung von Aufhänger zur biblischen Botschaft.

Bei der Themenwahl gibt es nur sehr wenig Einschränkungen: Tod und Trauer sind schwierig, und allzu große theologische Fragestellungen auch. Schließlich muss man damit rechnen, dass der Zuhörer nur zufällig auf den Beitrag stößt – und seinen Alltag dafür nicht unbedingt unterbricht. Die langjährige Rundfunkpfarrerin Lucie Panzer spricht deshalb vom „religiösen Unterhalten“: So könne es gelingen, dem Zuhörer religiöse Inhalte auf ansprechende Art zu präsentieren.

Kirche drin, wo Kirche drauf steht

Die Schwierigkeit dabei besteht darin, die richtige Mischung zwischen Alltag und Religion zu finden. Schnell verkommt der Beitrag zur Beliebigkeit: Wenn man die Bibelstelle lieber weglässt, um die Zuhörenden nicht zu verschrecken. Oder die christliche Botschaft der Nächstenliebe ein bisschen abfedert, beispielsweise.

Dabei könnte genau das die Stärke von kirchlicher Rundfunkarbeit sein: Klare christliche Inhalte ansprechend verpackt. Damit auch Kirche drin ist, wo Kirche drauf steht. Und man nicht beim Aufwachen vergeblich auf das ermutigende und biblisch fundierte Wort zum Start in den Tag wartet.

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