Moment mal: „Being the One instead of finding the One“ Dating-Tipps aus der Bibel

 Bethke

Nur noch etwas über die Hälfte der Deutschen glaubt an Gott, aber immerhin zwei Drittel an „die wahre Liebe“. Die Aussagekraft solcher Statistiken mal dahingestellt, ist hier doch eine Tendenz zugunsten des wohl jüngeren Konzeptes erkennbar. In wissenschaftlichen Kreisen ist in dieser Richtung schon von Liebe als „Nachreligion der Moderne“, als eine „irdische Religion“ (U. Beck, E. Beck-Gernsheim, Das ganz normale Chaos der Liebe, Frankfurt a.M. 1990, S.243) gesprochen worden.

Das schien mir lange auf das falsche Pferd gesetzt, kann man doch nach Gott zumindest in Gemeinschaft fragen und suchen, läuft dabei weniger Gefahr, Unsummen an Zeit und Geld in Dating-Portale zu investieren und sich letzten Endes doch mit einer Katzenfamilie abfinden zu müssen. Und beißt mal ein Fisch an der Angel an, woher soll man dann wissen, dass man den Richtigen oder die Richtige gefunden hat?

Eine wirklich kluge Antwort auf diese Frage begegnete mir neulich wider Erwarten aus einer fundamentalchristlichen Ecke Nordamerikas. Auch der YouTuber Jefferson Bethke, der vor ein paar Jahren mit seiner Botschaft des Herrn verpackt in schicker Optik und Poetry-Slam-Rhetorik viral ging, war von Social-Media-Anhängern immer wieder danach gefragt worden. Doch vergeblich blieb diese Suche – wie jede andere Suche nach passenden Passagen zu speziellen Alltagsfragen. Eben das Bibellesen in Glückskeks-Methode.

Ein bisschen im freikirchlichen Jargon wird in seinem Video „How Do You Know Someone Is ‚The One‘? davon abgeraten, den nur von Jesus und Gott zu erfüllenden Anspruch der Vollkommenheit an sein Gegenüber zu richten. Stattdessen stellt Bethke die Frage anders: „How can I prepare myself to be the One?“

Zwar verengt er den Weg dahin im Folgenden auf die Kirchengemeinschaft, das Ziel der Ehe und „die göttliche Mission“, doch der Kern seiner Botschaft hat bei mir Eindruck hinterlassen:

„It‘s kinda scandalous to say, but pick whoever you want! […] You don‘t have to have that pressure, because the truth is: It‘s not about finding the One, it‘s just about treating that person with love, grace, forgiveness and mercy and you can do that with anyone. […] The worst part about upholding that standard is that you miss good, godly people all around you. You’re walking by your future spouse every single day.“

Such nicht das beste Du, sondern sei dein bestes Ich. Und dazu hat das gute Buch ja dann doch ein paar ganz nützliche Stellen.

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