Der Wunsch nach einer gemeinsamen Suche Thesen zur Sprachfähigkeit im Kontext des Theologiestudiums
Peter Paul Rubens, Consegna delle Chiavi. Foto: Sailko (CC BY-SA 3.0)

Dieser Gastbeitrag von Hanna Henke und Ferenc Herzig entstand im Rahmen des Proseminars Praktische Theologie im Sommersemester 2014 und erschien zuerst im „Thema“, dem Studentenmagazin an der Theologischen Fakultät Leipzig. Ihr Wunsch ist, dass ihre Thesen in Leipzig und an anderen Fakultäten weiterdiskutiert und -gedacht werden.

  1. Im europäischen Kulturkreis hat sich Glaube mehr und mehr zu einer ‚privaten Angelegenheit‘ entwickelt. Aus Angst vor Bloßstellung halten auch TheologInnen daran fest. Das hilft weder den Einzelnen, sich über ihren eigenen Glauben bewusst zu werden, noch der Kirche, ihre Positionen deutlicher erkennbar zu machen. TheologInnen müssen greifbarer werden: angreifbar und begreifbar.
  2. Dort, wo zuweilen nur Mutlosigkeit herrscht, müssen sowohl Glaubensüberzeugungen als auch Zweifel Ausdruck finden. Die urteilende Sicherheit der Einen und die Angst vor Anfechtung der Anderen verdrängen wichtige Fragen und untergraben den Prozess der persönlichen Glaubensfindung. TheologInnen müssen wieder neu lernen, Sicherheiten zu hinterfragen.
  3. TheologInnen sitzen nicht in einem gemachten Nest aus den Namen und auswendig gelernten Positionen von Martin Luther, dem ‚späten Schleiermacher‘ oder dem ‚frühen Barth‘. TheologInnen müssen immer wieder neu die Verantwortung und die Freiheit ergreifen, auf der Grundlage ihres Studiums eigenständig zu denken und zu zweifeln.
  4. Die deutsche akademische Sprache zu pflegen und zu erhalten ist eine wichtige Aufgabe, doch ist sie nicht die Aufgabe der Theologie. TheologInnen wollen verstanden, nicht bewundert werden. TheologInnen wollen den Menschen das Evangelium nahe bringen. Die Form ist dem Inhalt nicht übergeordnet.
  5. Theologie wird zu häufig mit Blick auf Prüfungsnoten oder Karrieremöglichkeiten betrieben. Die Kirche und die Gemeinden, denen das wissenschaftliche Studium Einzelner zugutekommen soll, werden oft aus dem Blick verloren. TheologInnen dürfen sich nicht selbstreferentiell im Zirkel einer starren Wissenschaftlichkeit bewegen, sondern müssen immer wieder inne halten und sich ihrer Aufgabe und Berufung gewahr werden.
  6. Die Aufgabe der Theologie ist die Berufung der TheologInnen: Die Verkündigung des Wortes Gottes in dieser Welt. Dafür ist akademische Verklausulierungskunst nicht hilfreich. TheologInnen müssen wieder lernen, sprachfähig zu werden.
  7. Das Studium der Theologie findet nicht nur im Seminarraum oder am Schreibtisch statt, sondern auch am Gartenzaun im Gespräch mit der Nachbarin. TheologInnen müssen neu lernen, den Alltag als theologische Dimension wahrzunehmen.
  8. Und schließlich: Im Gespräch untereinander schärfen TheologInnen nicht nur ihre Argumentationsgewandtheit, sondern auch ihre Sprachfertigkeit in Glaubensfragen. Theologen müssen mehr als bisher darüber ins Gespräch kommen, was sie glauben und was das für sie bedeutet.

Dazu ein Witz:

Nachdem Jesus seine Jünger gefragt hatte: „Was erzählen denn die Leute, wer ich sei?“ und sie ihm dies und das gesagt hatten, fragte er sie: „Und was glaubt ihr, wer ich sei?“ Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: „Du bist die eschatologische Manifestation des profundesten Grundes unseres Seins, das Kerygma, in dem wir die ultimative Bedeutung unserer interpersonellen Beziehungen finden.“ Und Jesus fragte: „Was?“

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