Moment mal: Luther-Rant

Lutherkekse, Luthertasse, Lutherbeutel, Lutherbier. Luther damals, Luther heute, Luther da und Luther hier. Luther der Antjudaist, der Befreier, der Säufer und Fresser, der Beleibte, Beliebte, Gejagte, Gelikede.

Frieden, Freiheit und so manche Schwierigkeit, die man auch ins Auge fassen sollte. Nein, er wollte sicher kein Heiliger sein. Protestantismus ist jenes, Protestantismus ist das: Wir lassen uns das Fest nicht vermiesen. Nimm das:

Lutherhüte, Lutherrosen, auch Luther hat hier einmal getrunken, gegessen, geschlafen. Wer hat aus meiner Tasse getrunken, von meinem Tellerchen gegessen, in meinem Bettchen geschlafen?

Wir laden ein: Die Reformation ist für alle da. Am liebsten ökumenisch. Und lass uns auch die Frauen und Moslems und Juden nicht vergessen. Am besten wir gründen einen Planungskreis, einen wissenschaftlichen Beirat und ein Kuratorium.

Warum feiert und freuet Ihr Euch nicht? Hat es Euch nicht geschmecket?

Stammst auch Du von Luther ab? Liegt auch ein Kranz von Dir an jenem Grab? Was feiern wir: Seine Geburt, seine Einschulung, seine Hochzeit, seine Tat, seine Flucht, seinen Tod. Und wenn wir damit fertig sind, ist noch jeder seiner Fürze diskutiert und befeiert worden.

Lutherbrot und Lutherwein, muss das alles sein?

Gartenzwerge bleiben hässlich, wenn auch sein Gesicht sie ziert. Hab ich sie erstmal verscherbelt, ist der Marktplatz auch saniert.

Wenn dann jeder Zuckerbäcker, Pfaffe und Hobbyentdecker einmal durch den Osten sprang, was bleibt übrig, welcher Klang?

Verleih uns Frieden, bettel ich, nun lasst ihn doch, wie andre auch, zerfallen schön zu feinem Staub. Das was von Wert, das wahret Euch, den Rest lasst fahren. Wohin? Dahin, wo sich Professoren streiten, während wir die Welt gestalten.

Was willst Du von ihm? Willst dich in seinem Schatten größer fühlen? Einmal gar als Revoluzzer gelten, die Moderne führen? Obacht! Der Kater nach dem Fest wird gräulich werden.

Luthereichen, schön umpflastert. Luthersocken – stehst Du hier? –, Totenmasken aufgebahrt und ein paar Groschen abgesahnt. Hier noch ein Kolloquium, ein Konzert – was ist das Proprium?

Was wollen wir feiern, noch zwei Jahre lang?
Was wollen wir denken, noch einmal?
Was wollen wir glauben, 500 Jahre lang?
Was wollen wir trinken, Herr, das Bier!

Zum Lutherbier hier entlang.

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