Lesenswert #23 – Legen Sie mir das bitte nicht in den Mund

„Legen Sie mir das bitte nicht in den Mund!“

Für ZEITonline hat Hannes Leitlein ein Interview mit dem Lehrer Gabriel Stängle geführt, der im letzten Jahr den Widerstand gegen den neuen Bildungsplan in Baden-Württemberg (#idpet, wir berichteten) ankurbelte.

Es ist doch erschreckend, dass in der Erstellung des Aktionsplans mit und von Ministerialvertretern überhaupt darüber diskutiert wird, in die Meinungs-, Presse-, Glaubens- und Forschungsfreiheit einzugreifen. Dass es Frau und Mann gibt, gilt als veraltetes Menschenbild. Hochschulen, an denen dies der Forschung zugrunde liegt, sollten Gelder gestrichen werden. Es soll Druck auf Kirchen und Glaubensgemeinschaften ausgeübt werden, um die Segnung von Homosexuellen zu erzwingen und queere Gottesdienste zu feiern. Da ist die Bekenntnisfreiheit betroffen. Wo die dritte Elternschaft für sogenannte Regenbogenfamilien eingeführt werden soll, ist Artikel 6 betroffen. Die Forderung nach Sanktionen für transphobe und homophobe Medien kommt einer aktiven Medienüberwachung gleich.

Es ist wie immer: Wo man sich besser kennenlernt, fällt es schwer, sich zu hassen.

Bayerische Bischöfe gegen liberaleres Arbeitsrecht

Die Anpassung des kirchlichen Arbeitsrechtes an „den Zeitgeist“ schreitet auch in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland voran. Doch nicht überall. Nein, drei bayerische Bistümer leisten Widerstand.

Wie auch immer: Zum 1. August werden 23 katholische Bistümer in Deutschland ein neues kirchliches Arbeitsrecht in Kraft setzen – vier Bistümer jedoch nicht. Das Erzbistum Berlin aus formalen Gründen nicht, weil dort der neue Erzbischof Kurt Koch sein Amt noch nicht angetreten hat. Doch die Bischöfe Rudolf Voderholzer aus Regensburg, Stefan Oster aus Passau und Gregor Maria Hanke aus Eichstätt verweigern sich den neuen Regeln vorläufig, weil sie inhaltliche und kirchenrechtliche Bedenken haben. Man kann auch sagen: Weil ihnen die Liberalisierung nicht passt, die das neue Arbeitsrecht vorsieht.

Das ist allein schon deshalb interessant, weil auch die Evangelische Kirche sich immer wieder vor Gericht wiederfindet, wenn es um ihre Anstellungspraxis geht. Und das bleibt auch interessant, obwohl die Gerichte bisher das traditionelle Recht der Kirchen, ihre Angelegenheiten in diesem Bereich selbst zu regeln, unterstützt haben.

War Jesus schwul?

Jules Suzdaltsev führt auf VICE ein – mit Dr. Reverend Bob Shore-Goss, und es geht um mehr als nur die Frage, ob Jesus tatsächlich schwul war oder nicht.

Ich hoffe, dass er es ist. Ich würde annehmen, dass er es ist. Im Sinne meiner eigenen Spiritualität würde ich gerne dieses Bett mit Jesus teilen. Zumindest war Jesus queer. Will heißen: Er brach mit den Regeln seiner Kultur, mit der Heteronormativität. Er hat die Maskulinität und die Geschlechterregeln seiner Kultur untergraben. Queer muss nicht unbedingt die sexuelle Orientierung meinen, doch das kann darin enthalten sein. St. Paulus würde man heute als ungeouteten Schwulen bezeichnen, doch damals hatten sie diese Bezeichnung noch nicht.

Unter Lesenswert sammeln wir regelmäßig lesenswerte Texte zu theologischen, kirchlichen oder universitären Themen. Wenn ihr irgendwo einen guten Artikel gelesen habt, schickt den Link an lesenswert@theologiestudierende.de!

Schlagwörter: , , , , , ,

2 Kommentare anzeigen

  1. Also ich finde nicht, dass Gabriel Stängle durch das Interview irgendwie sympathischer geworden ist. Die Dinge, die er da sagte finde ich immer noch hanebüchen. Aber du hast natürlich recht, wenn man Leute hasst, sollte man sie vermutlich besser kennenlernen.

    Der Vice-Text ist extrem … merkwürdig. Ich weiß nicht, ob dieser Typ seinem Anliegen nicht eher schadet als nützt. Aber ich bin für sowas vielleicht auch einfach die falsche Zielgruppe.

    • Mit dem Herrn Stängle ein Bier zu trinken, ist sicher eine komplizierte Sache. Doch habe ich ihn durch das Interview besser verstehen lernen. Der „Kennenlern-Hass“-Satz bezieht sich aber auch auf die Vorurteile, die viele Menschen gegenüber LGBT* haben. Wenn man sich persönlich kennt, schrumpfen die.

      Und der Vice-Text, ja, der ist merkwürdig, schräg und gegen unsere normalen Denkschienen geschrieben.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.