Bormann, Rösel und die Antezessoren Einige Hinweise zum Erwerb einer Bibelkunde
Illuminated Bible Close-Up (by Arpingstone), Public Domain

Die Wahl der richtigen Bibelkunde gehört zweifelsohne zu den philosophischeren und wichtigeren Fragen der Lektüreauswahl. Häufig genug wird sie auch vom Dozenten abgenommen. Doch spätenstens zum Examen oder in der praktischen Arbeit als Vikar oder Pfarrer stellt sich erneut die Frage, welche Bibelkunde man tatsächlich gerne zur Hand nimmt, um nachzuschlagen und aufzufrischen.

Für das Alte Testament ist die 8. aktualisierte Auflage der Bibelkunde von Martin Rösel absolut zu empfehlen. Die Bibelkunden für das AT und NT von Preuß/Berger  sind wohl inhaltlich nicht überlebt, aber im Vergleich zu neueren Bibelkunden fallen sie doch was die Handhabung und Gestaltung angeht ab. Dort finden sich aber nach wie vor viele beispielhafte Arbeitsfragen (und Antworten), die für das Lernen ganz praktisch sein können.

Die beste Bibelkunde auf dem Markt ist meiner Meinung nach aber Lukas Bormanns Bibelkunde (des Alten und Neuen Testaments). Nach einer sehr gelungenen Einführung geht Bormann in großen Happen einmal durch die gesamte Bibel. Das mag auf den ersten Blick grob anmuten und die Sorge aufkommen lassen, hier würde zu viel beiseite gelassen. Im Detail stimmt das, ist aber Bedingung dafür, dass man mit diesem Buch hervorragend lernen kann. Der Autor selbst gibt am Ende jeden Kapitels weiterführende Literatur an, so dass eventuell wahrgenommene Lücken ohne Probleme gefüllt werden können.

Das Buch ist reich an Abbildungen, Verdeutlichungen und – ganz wichtig – die vorgeschlagenen Gliederungen der biblischen Schriften (für das Lernen unerlässlich) sind überwiegend schlüssig und leicht einprägsam. Mit diesem Buch habe ich für meine Bibelkundeprüfungen gelernt. Im Angesicht der Menge des AT-Stoffs und der Kürze der AT-Kapitel bei Bormann ist es sicher nicht das Schlechteste, Martin Rösel (s.o.) hinzuzuziehen.

Für das Neue Testament findet man in der Einleitung von Udo Schnelle einen guten ergänzenden Begleiter, besonders wenn es um die klassischen Einleitungsfragen und detaillierte Gliederungen geht. Dort kann und muss man sehr selektiv lesen oder aber man lernt nebenbei schon mal eine Menge zusätzlichen Stoffs.

Gerade von diesem ist die Bormannsche Bibelkunde frei, was das Buch als Nachschlagewerk für die Praxis unbedingt empfehlenswert macht. Wer sich z.B. bei der Predigtvorbereitung ungern sofort oder überhaupt mit Kommentaren auseinandersetzt, findet hier einen ersten kompetenten Ansprechpartner, der die Einordnung ins große Ganze erleichtert. Und wer – aus welchem Grund auch immer – mal wieder wissen will, was es mit einem beliebigen Buch der Bibel auf sich hat, findet hier enzyklopädische Information und einen wunderbaren Einstieg zur Weiterarbeit.

Fachlich up to date, auf den Nutzer hin verfasst, ist diese Bibelkunde nicht nur völlig ausreichend für Studierende des Lehramts, nein, auch Pfarramtsstudierende finden hier ohne falsche Arroganz genügend Stoff und Hilfe bei ihrem bibelkundlichen Studium (des Neuen Testaments). Wer es sich unbequem machen will, kann ja nach wie vor zu den Bibelkunden von Preuß/Berger greifen.

Wenn sich nun tatsächlich Martin Rösel und Lukas Bormann zusammen täten, wie es ihre beiden Antezessoren vor Jahrzehnten getan haben? Dann hätten wir vielleicht eine Bibelkunde zu Verfügung, die für beide Testamente gleichermaßen geeignet und zudem modern wäre. Bis dahin hat auch die beste Bibelkunde ihre Macken.

Mit welchen Bibelkunden arbeitest Du? Welche hat Dir besonders gefallen oder missfallen? Und warum?

9783825240684Bibelkunde – Altes und Neues Testament
Lukas Bormann
5. durchges. Auflage
UTBbasics (Vandenhoeck & Ruprecht)
24,99 €
Link zur Verlagshomepage

 

 

NTH_602518_Roesel_2102_RZU.inddBibelkunde des Alten Testaments
Martin Rösel
Mit Lernübersichten von Dirk Schwiderski
8. Auflage 2013
Neukirchener Verlagsgesellschaft
16,99 €
Link zur Verlagshomepage

 

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Ein Kommentar

  1. Johannes

    Zum Lernen find ich die „Lernkarten Bibelkunde“ von Axel Wiemer am Besten. Sehr übersichtlich, didaktisch gut aufbereitet, mit den wichtigsten Einleitungsfragen, theologischen Themen und persönlichem Kommentar. Besser hab ich das noch nicht gesehen.

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