Moment mal: Niesen
Bild: Gemeinfrei

Es ist Heuschnupfen-Zeit. Das ist es schon seit einer Weile, mich hat es erst in den vergangenen Wochen erwischt (echt mal, da reagier ich am intensivsten auf Linden und dann stehen die rund um die Neue Uni – das Gebäude, in dem unsere Vorlesungen statt finden). Und dann kommt da jetzt noch das kalte Wetter in den sommerlichen Monaten dazu, für das man einfach viel zu oft viel zu kalt angezogen ist. Ergo: rundherum niest es, sei es wegen Heuschnupfen, sei es wegen Erkältung.

Die einen wünschen den anderen „Gesundheit“, oder es wird eine Entschuldigung gesprochen, abhängig von der Art des Niesens, abhängig von der Kenntnis und der Selbstbeugung vor dem den allergenen Zeiten angepassten Knigge. Ich wünsche gerne „Gesundheit“, kann nicht schaden, ist ja auch ein Zeichen der Gesundheit, dass der Körper den vermeintlichen Feind Polle vehement bekämpft. Außerdem wünsche ich es doch auch den Menschen zum Geburtstag, wenn sie gar nicht krank sind. Und aus den Zeiten, in denen befürchtet wurde, dass der Niesende nun die Pest hat, sind wir raus.

Naja, in anderen Zeiten und an anderen Orten reagiert man verschieden, wenn man niest. Im Altenpflegeheim habe ich gelernt, was die Erwiderung in manchen Kreisen zu NS-Zeiten war, als einer meiner dementen Bewohner stets aus dem Reflex heraus zur Erwiderung „Heil Hitler“ die Hand hob.

Viel schöner finde ich die Erwiderung im englischsprachigen Raum: „bless yea“, bzw. „God bless you“. Ich mag es Segen zugesprochen zu bekommen. Im Moment des Niesens ist das doch sicher auch sehr schön. Wenn man von so einem Reiz durchbeutelt wurde und dann auf der Suche nach einem Taschentuch ist, gerade dann ist es doch schön, daran erinnert zu werden, dass Gott einen auch in diesen Momenten zur Seite steht.

Nun habe ich aber gelernt, warum man dem anderen den Segen Gottes wünscht: Das geht darauf zurück, dass man annahm, dass der Teufel versuchte einem die Seele zu entreißen und beim Niesen zu einem kleinen Teil Erfolg hatte. Wenn also jemand niest, ist die Seele in Gefahr und es braucht göttlichen Segen und Zuspruch, dass der Teufel wieder verjagt werden kann.

Soviel also zum „bless yea“. Da bleib ich wohl doch lieber beim „Gesundheit“, oder dreh den Segen auf die Gesundheit: „Gesegnet sei deine Gesundheit!“

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