Lesenswert #21 – Vom Internet über Markion bis zum alten Babylon

Sündige kräftig im #Neuland!

Die Zukunftsinitiative der EKiR, „Glaubensreich“, beschäftigt sich damit, die von der EKD-Synode angestoßene kirchliche Einmischung in die digitale Gesellschaft weiterzudenken. Ralf Peter Reiman hat dafür ein leidenschaftliches Plädoyer geschrieben zur Einmischung in Sozialen Netzwerken:

Dabei dürfen und müssen wir uns als Kirche auch in Netzwerke begeben, die uns nicht gefallen, um die Menschen zu erreichen, denen diese Netzwerke gefallen. Das heißt für mich: Auch wenn Facebook in der Welt der Sünde ist, hindert mich nichts, dort das Evangelium zu verkünden. Das schulden wir nämlich allem Volk. Wenn über 30 Millionen Deutsche auf Facebook kommunizieren, dann richten wir auch dort das Evangelium aus. Täten wir das nicht, zögen wir uns aus der sündigen Welt zurück und flüchteten uns ins Weltfremde hinter Kirchenmauern.

Die Metapher finde ich spannend. Kirchliche Internetarbeit muss nicht immer nur wasserdicht und hochproffesionell – und damit irgendwie kalt – sein, sondern kann sich durchaus auch mal die Hände schmutzig machen. Dinge ausprobieren, und dabei auf die Nase fallen.

Homosexualität – Eine Feldstudie

Bestimmt und Hoffentlich habt ihr schon den Worthaus-Vortrag „Die“Frage“ von Prof. Zimmer mitbekommen. Pastorin Sandra Bils hat die darauf aufbauende kirchliche Netzdebatte auf ihrem Blog zusammengefasst und weitergesponnen:

Es braucht Oma Marie, Siegfried Zimmer und Rolf Krüger. Und es braucht Gespräche. Am Besten am Tisch mit Gero Cochlovius im Wohnzimmer eines lesbischen Paares, die gerade in einer Hannoverschen Gemeinde Gottes Segen zugesprochen bekommen haben. Es braucht nicht nur den Blick in die Bibel, sondern gleichzeitig den Blick in Augen derer, über die man redet. Es braucht Gespräch; Reden und Zuhören, Kennenlernen, Wertschätzung (auch in der Unterschiedlichkeit) und auch durchaus kritische und ehrliche Auseinandersetzung.

Dem ist in meinen Augen nichts hinzuzufügen.

Die Rückkehr Markions

Für alle, die immer noch nicht genug von der Slenczka’schen AT-Debatte haben: Dieser Text von Ludger Schwienhorst-Schönberger aus der katholischen Zeitschrift „Communio“ ist immernoch das umfangreichste und produktivste, was dazu geschrieben wurde:

Die verbreitete These, das Christentum sei aus dem Judentum entstanden, ist ungenau. Historische Forschung und theologische Reflexion erfordern eine terminologische Präzisierung. Der Entstehungs- und Abgrenzungsprozess von Judentum und Christentum war historisch gesehen ein wechselseitiger. Nicht nur das Christentum ist in Abgrenzung vom Judentum, sondern auch das Judentum ist in Abgrenzung vom Christentum entstanden.

Der Text ist schon verhältnismäßig alt, aber vielleicht hat ihn noch nicht jeder entdeckt.

The Recordings of The Old Babylonian Period

Die School of Oriental and African Studies der University of London hat auf ihrer Website eine Sammlung von akkadischen Audioaufnahmen. Nein, leider wurde keine 3000 Jahre alte Schallplatte gefunden, sondern Forscher haben die Aussprache dieser sehr alten Sprache rekonstruiert und bekannte Werke dieser Periode eingesprochen. Und jetzt kann man sich dort zum Beispiel das Gilgamesch-Epos oder das Enuma-Elisch im originalen Akkadisch anhören.

Unter Lesenswert sammeln wir regelmäßig lesenswerte Texte zu theologischen, kirchlichen oder universitären Themen. Wenn ihr irgendwo einen guten Artikel gelesen habt, schickt den Link an lesenswert@theologiestudierende.de!

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