Wow, das war schön! Meine Bilanz. Deine Bilanz.
Die Smarten kommen in den Garten.

Eva und ich haben uns entschlossen, euch Fotos zu zeigen, damit ihr einen Eindruck davon bekommen könnt, was wir gesehen haben und was uns bewegt hat.

Es gibt also jetzt noch ein paar persönliche Worte und in den nächsten Tagen tröpfeln dann die Bilder und noch eine handvoll kirchentagsbezogene Artikel nach, die nach dem Event ihre Aktualität nicht eingebüßt haben werden – unsere Redaktion ist einfach gerade mit dem Gegenlesen des Geschriebenen am Pensumslimit (meldet euch gerne, wenn ihr uns unterstützen wollt bei Max unter portalleiter@theologiestudierende.de).

Also: Meine Bilanz.

Ich habe mir zu viel vorgenommen. Wenn man mit einem Presseausweis auf dem Kirchentag ist und die Arbeit ernst nimmt, dann geht plötzlich der Tag in einer anderen Taktung vorbei: Frühstück, aus dem Quartier, Bibelarbeit, Podiumsdiskussion, Pressekonferenz, schreibenrecherchierenschreibenschreiben, was essen, Nachmittagsveranstaltung zum entspannen, Konzert, Abendgebet, Quartier.

Schaut man unter diesem Gesichtspunkt so drauf, dann geht der Kirchentag viel zu schnell vorbei.

Muss man aber nicht. Man kann die gelebte Kirchentagszeit nicht nur in Programmpunkten rechnen, sondern auch in schönen Momenten und spannenden Begegungen. Wenn man einem Menschen begegnet und von jetzt auf gleich so etwas wie beste Freunde wird. Wenn man mit einer Jugendmissionarin ins Gespräch kommt, die ihre Arbeit ausschließlich durch Spenden finanziert. Wenn man aus dem zum Bersten gefüllten Predigtslamraum kommt und die Luftqualität draußen lässt sich nur noch mit den Worten „Gnade und Vergebung“ angemessen beschreiben. Wenn man überraschend ein Gräbele (= Privatquartier) angeboten bekommt und sich die Familie als fabelhaft großherzig erweist. Wenn man kein Wasser mehr hat und wie aus dem Nichts eine Wasserspendestation vor einem auftaucht. Wenn man auf der Heimfahrt mit Menschen über kirchliche Finanzpolitik und die Gottesfrage ernsthaft ins Gespräch kommt.

Wenn man so zählt, dann ist der Kirchentag eine Summe aus Momenten des Segens inmitten unglaublicher Hitze. (Tatsächlich der heißeste 5. Juni in der Geschichte Stuttgarts! Es wurden bis zu 55° Hitze in den Zelten gemessen, eines musste mittels Feuerwehrschläuchen gekühlt werden …) Er ist dann ein Glückskleehaufen aufgesammelt zwischen Pflastersteinen, eine Oase auf der eigenen spirituellen Wüstenwanderung.

Allerdings war nicht alles gut. Ich empfinde es als besonderes Manko, dass so wenig für Gehörlose erkennbar gedolmetscht wurde. Eine flinke Programmsuche offenbart, dass 55 Veranstaltungen einen Übersetzer parat hatten, 30 mit Untertiteln versehen waren – von 3016 Einträgen in der Datenbank. Wie bitte? Nicht mal 3 %? Sicher hatten auch viele Gruppen und Einzelpersonen einen Dolmetscher dabei oder wurden über die Vermittlung fündig. Trotzdem – zumindest für alle Hauptvorträge sehe ich es als notwendig an, dass wir Inklusion nicht nur sagen, sondern auch leben. Und dann die Preise für Nahrung auf dem Gelände: 6 Euro für eine Portion Kartoffeln, 4 für einen Flammkuchen? Ich dachte, mich tritt ein Pferd! Flammkuchen bestehen doch im Wesentlichen aus Wasser, Mehl und Zwiebeln, oder? Für Jugendliche sind solche Preise eine unbezahlbare Zumutung. Man kann nur hoffen, dass der Kirchentag perspektivisch Preisobergrenzen setzt.

Super war die Wasserversorgung und überhaupt lief die Organisation nach außen hin sehr reibungslos. Top, weiter so!

Wassertankstation

Wasser zapfen in Stuttgart

2015 war ein „Friedlicher Kirchentag im Zeichen des Zuhörens“, so Kirchentagspräsident Prof. Andreas Barner bei der Bilanz-Pressekonferenz. Man diskutierte ohne Scheu die Komplexität der großen Themen und beschloss auch manches – dazu lest ihr mehr in Evas Fazitartikel.
Es gab ein hohes Kollektenaufkommen: 130.000 Euro wurden allein in den Eröffnungsgottesdiensten gesammelt, aktuelle Kollektensummen für den Abschlussgottesdienst oder die Schalkampagne finden sich bisher noch nicht. (Wer Zahlen liebt und nicht unbedingt Bedeutung braucht, wird mittlerweile auch zum Kirchentag fündig.)

Es gab viel Gutes zu berichten, politisch, kulturell und organisatorisch. „Man geht auch als kirchenleitender Mensch beschenkt nach hause.“ sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und ich kann mich als einfacher Mitarbeiter diesem schönen Votum nur anschließen.

Das also war 2015.

Ausblick.

Ende Mai 2016 ist Katholikentag in Leipzig. Empfehlenswert zur eigenen theologischen Profilschärfung, zur aktiven Teilnahme an lebendiger Ökumene und nicht zuletzt zur Einstimmung auf das evangelische Großprojekt 2017.

2017? Ja, 2017. Das Reformationsjubiläum ist Anlass, (wieder, denn 1957 gab es das schon einmal) „Kirchentag auf dem Weg“ zu sein und in verschiedenen Städten Kirchentag zu feiern. Genauer: In Berlin, der Lutherstadt und sieben weiteren Städten Mitteldeutschlands. Der Höhepunkt des Kirchentages wird ein Festgottesdienst auf den Elbwiesen Wittenbergs sein.

Soweit von mir. Es war schön, dabei zu sein und für euch das eine oder andere berichten zu dürfen. Eva: Du bist dran.

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