Sag mal #41 – „Bock auf Offene Bibel“ mit Wolfgang Loest

In der 41. Folge unseres Podcasts reden Max und Heye mit Wolfgang Loest über die Offene Bibel.

Die Offene Bibel ist das Wikipedia unter den Bibeln (jedoch mit einer deutlich besseren Qualität!). Bei der Offenen Bibel kann jede_r eigene Bibelübersetzungen einreichen und zu der Korrektur beitragen. Dabei sind vor allem Theologiestudierende gefragt, die ihr Fachwissen einbringen. Aber auch über das Theologiestudium hinaus ist diese Bibelausgabe interessant, denn neben der Studien- gibt es auch eine Lesefassung sowie eine Version in sog. „Leichter Sprache.“ Was letzteres genau ist und warum es auch für einen Bibeltext wichtig ist, erfahrt ihr in dieser Ausgabe von Sag mal!

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5 Kommentare anzeigen

  1. Michael Simon

    Ich finde es gut, dass sich bei der Bibel an die Originaltexte herangewagt wird, um eine bessere, griffigere, verständlichere, ‚richtigere‘ Übersetzung zu liefern. Entscheidend ist aber nicht, den Wortlaut ‚genau‘ zu treffen, sondern wichtig ist es, den Text in seinem Gesamtzusammenhang zu betrachten. Und da werden die Schwächen der Bibel überdeutlich. „Wir haben es bei den Schriften des AT und des NT mit antiken Texten zu tun, die mit unserer Zeit und unserer Gesellschaft nicht nur nichts mehr zu tun haben, sondern die an unzähligen Stellen elementaren Grundsätzen einer modernen und freiheitlichen Rechts- und Gesellschaftsordnung widersprechen. Viele Handlungsmuster und Prämissen der Bibel sind über weite Strecken für den heutigen Menschen nicht nur unbrauchbar geworden, die Bibel zeigt an vielen Stellen geradezu beispielhaft, wie man nicht handeln sollte.“ schreibt Dr. Heinz-Werner Kubitza in seinem Buch „Der Jesuswahn“, der evangelische Theologie studiert hat. Ich selbst bin getauft, konfirmiert, habe meine 1. Ehe evangelisch trauen lassen und bin vor einem Jahr aus der Kirche ausgetreten. Ich empfehle jedem Theologie-Studenten sich mit o. g. Buch zu befassen. Als Theologiestudent, als Pfarrer oder als Religionslehrer legt man den Schwerpunkt einseitig auf die Teile der sog. ‚Heiligen‘ Schrift, die einem in unserer zeit opportun erscheinen. Die gleichberechtigten, weniger erfreulichen Passagen hingegen, werden ignoriert und unter den Teppich gekehrt. Aber wer bestimmt, was unter den Teppich gehört bzw. in das grelle Licht der Kanzel gerückt werden soll? Bevor man sich auch beruflich zum christlichen Glauben bekennt, sollte man sich mit diesen Widersprüchen auseinandersetzen und diese nicht einfach ‚abtun‘. Ich hatte das jahrzehntelang getan, aber die Religionskriege der Vergangenheit und Gegenwart haben mir gezeigt, dass es vor allem die ‚unerwünschten‘ Stellen der heiligen Schriften sind, die menschen-verachtendes Verhalten erst möglich machen (vgl. hierzu auch „Der Schatten des Ostens: ‚Die Gewaltexzesse mordender Muslime hätten nichts mit dem Koran zu tun. Die heilige Schrift sei friedlich und voller Güte. Das ist falsch. Der Koran ist ein einziger Aufruf zur Gewalt, eine Anleitung für Krieg und Unterdrückung. Als ich das Buch las, war ich schockiert.‘ Eine Streitschrift von Andreas Thiel).

    • Ich halte so eine Position für relativ oberflächlich, dagegen hilft auch weder ein Theologiestudium noch eine bestimmte Konfessionszugehörigkeit o.ä. Es scheint so, als solle der Glaube oder die Bibel betrachtet werden ohne Gott. Nun, Gott hat eine andere Perspektive auf die Dinge als wir, und da sind definitiv auch Sachen dabei, die uns überhaupt nicht gefallen (das ist ja gerade das ganze Dilemma, aus dem hier die Vorwürfe konstruiert werden).

      Auf zwei Punkte kann ich Bezug nehmen: Die einseitige Gewichtung von Passagen ist natürlich grundverkehrt, denn der Text der Bibel ist in Gänze Glaubensgegenstand und -inhalt inklusive aller vermeintlichen und tatsächlich „unbequemen“ Stellen. Weiters sind Religionskriege seit Jesus in keiner Weise mehr gerechtfertigt, sondern zutiefst unchristlich und gottlos. Vor Jesus und ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft müssen sie in einem gewissen Kontext gesehen werden, der eben in der Bibel auch ausführlich dargelegt wird. Man kann das einsehen oder ablehnen, aber wie gesagt, die größeren Zusammenhänge gehen eben über das eigene momentane, subjektive Empfinden hinaus. Weshalb Gewaltexzesse mordender Muslime hier eingeworfen werden, verstehe ich beim besten Willen nicht – als ob Krieg eine spezifische Eigenschaft von „Religion“ wäre. Jeder einzelne Konflikt ist weit differenzierter in seine Ursachen und Wirkungen zu unterteilen, ein direkter Vergleich egal welcher Auseinandersetzungen verbietet sich fast von vornherein. Und was würde eigentlich unter „Religionskrieg“ fallen, der Jom-Kippur-Krieg, die Kreuzzüge, die Unabhängigkeitsbewegung in Irland, die Islamische Expansion, der dreißigjährige Krieg, der Islamische Staat, der Balkankonflikt? Um nur ein paar wenige zu nennen, die sich auch sehr voneinander unterscheiden. Die anderen Punkte, wie dass die Bibel mit unserer Gesellschaft nichts mehr zu tun habe und unbrauchbar geworden wäre, sind viel zu unkonkret, ich halte sie für bloße Behauptungen ohne Substanz (wenn man davon absieht, dass die heutige Gesellschaft ohnehin eine sekuläre ist, jedoch hat der christliche Glaube unvermindert auch darin seine Berechtigung, Relevanz und Aktualität).

  2. Michael Simon

    „Nun, Gott hat eine andere Perspektive auf die Dinge als wir“

    Ich finde es immer wieder spannend, dass religiöse Menschen wissen, welche Perspektive Gott hat. Woher wissen sie das? Da es Gott nicht gibt, kann man auch nicht wissen, welche Perspektive er hat; es sei denn, man hat sie sich ausgedacht.

    „denn der Text der Bibel ist in Gänze Glaubensgegenstand und -inhalt inklusive aller vermeintlichen und tatsächlich „unbequemen“ Stellen.“

    Genau das war mein Punkt. Wenn die Bibel in ihrer Gänze gilt, kann man sich mit diesem Glauben auch nicht einverstanden erklären, denn in der Bibel stehen Dutzende von Punkten, die wir auf keinen Fall tolerieren dürfen. Eine Sammlung findet sich hier und im erwähnten Buch von Heinz-Werner Kubitza: http://www.bibelzitate.de/index.html

    „Weiters sind Religionskriege seit Jesus in keiner Weise mehr gerechtfertigt, sondern zutiefst unchristlich und gottlos.“

    Diese Aussage ist nicht korrekt. Ein Gegenbeweis von vielen:
    „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.“ (Mt 10:34-35)

    „müssen sie in einem gewissen Kontext gesehen werden“

    Hier setzt meine Kritik an: Entweder sind die Texte ‚ewig und wahr‘, dann gelten sie genauso, wie sie geschrieben wurden auch heute noch. Oder man muss sie interpretieren. Dann brauchen wir sie nicht mehr, denn wir haben bereits eine höhere kulturevolutorische Stufe erreicht. Mit der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte haben wir bereits eine viel bessere Anleitung für unser Leben als jeder biblische Text.

    „Weshalb Gewaltexzesse mordender Muslime hier eingeworfen werden, verstehe ich beim besten Willen nicht – als ob Krieg eine spezifische Eigenschaft von „Religion“ wäre.“

    Mir ging es nicht darum aufzuzeigen, dass Krieg und Religion zusammenhängen. Obwohl ich dem zustimmen würde (siehe heute-journal vom 03.08.15). Ich wollte hier nur die negativen Effekte aufzeigen, was passiert, wenn man eine ‚Heilige‘ Schrift (hier der Koran) wortwörtlich nimmt.

    „Jeder einzelne Konflikt ist weit differenzierter in seine Ursachen und Wirkungen zu unterteilen, ein direkter Vergleich egal welcher Auseinandersetzungen verbietet sich fast von vornherein.“

    Ich stimme zu, dass jeder Krieg viele Ursachen hat. Religion ist nicht nur, aber auch ein Grund zum Krieg führen. Wenn ein 13jähriger nach Syrien reist um sich dem IS anzuschließen, dann hat das nichts mit dem Erlangen von Reichtum, Machtstreben, Ressourcensicherung oder anderen Gründen zu tun, sondern vor allem mit Indoktrination durch die Religion.

    „Die anderen Punkte, wie dass die Bibel mit unserer Gesellschaft nichts mehr zu tun habe und unbrauchbar geworden wäre, sind viel zu unkonkret, ich halte sie für bloße Behauptungen ohne Substanz“

    Bitte unbedingt die Bücher „Der Jesuswahn“ und „Der Gotteswahn“ lesen. Hier wird ausführlich erklärt, warum meine Argumentation stimmt. Es sind keine Behauptungen ohne Substanz. Hier ein Beispiel:
    „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.“ (Lev 18:22) Das passt nicht zu unserer offenen, freiheitlichen Gesellschaft:
    „Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.“ (Art 2, A/RES/217 A (III))

    „(jedoch hat der christliche Glaube unvermindert auch darin seine Berechtigung, Relevanz und Aktualität)“

    Mir konnte bisher noch keiner erklären, wozu ich den christlichen Glauben brauche, wenn wir bereits viel bessere Regeln in der UN-Menschenrechtscharta, EU-Grundrechtecharta und GG haben.

    • „Da es Gott nicht gibt“

      Das mögen Sie behaupten, nur allein deswegen brauche ich mich noch lange nicht Ihrer Meinung anschließen (freilich gilt das auch umgekehrt). Nur frage ich mich dann, was Sie überhaupt wollen mit dieser Diskussion – sind Sie gegen die paar Kriege, die vermeintlich oder tatsächlich aus religiösen Gründen geführt werden, im Vergleich zu all jenen Kriegen, die aus völlig sekulären Gründen geführt werden? Weshalb stören Sie sich an der einseitigen Gewichtung von Bibelpassagen und nicht daran, dass Sie überhaupt gelesen wird, inklusive all ihrer „opportunen“ Stellen? Dass die Perspektive Gottes, die Zusammenhänge und Argumentation derselben ausführlich in der Bibel dargelegt ist, brauche ich dann gar nicht mehr weiter anführen, doch selbst wenn Sie die Bibel für ein menschliches Werk halten, können Sie aus ihr immer noch entnehmen, was Sie von Christen erwarten können und was nicht, Krieg oder einseitige Gewichtung gehören jedenfalls nicht dazu.

      „die wir auf keinen Fall tolerieren dürfen. Eine Sammlung findet sich hier“

      Ich werde das Buch ganz bestimmt nicht kaufen, weil da kaum etwas drinstehen kann, was ich nicht schon weiß, weil die Bibel habe ich durchaus ganz gelesen. Die Sachen auf der Webseite sind, wie nicht anders zu erwarten, unseriöserweise ohne Berücksichtigung des Zusammenhangs aufgezählt, und ich hoffe, dass Sie Ihre Auffassung doch wohl hoffentlich nicht ausschließlich auf einen solchen Flickenteppich gegründet haben. Wenn Sie aber einen oder mehrere konkrete Punkte nennen möchten, die wir auf keinen Fall tolerieren dürfen, dann können Sie diese gerne nennen, und vielleicht können wir den einen oder anderen exemplarisch näher betrachten.

      Zu Matthäus 10,34-35: Ich würde mal behaupten, dass man mit nur sechs Leuten wahrscheinlich keinen Krieg führen kann. Korrekt ist aber, dass der Glaube Konflikte und Streit hervorruft (besonders innerhalb der eigenen Familie), weil die Ungläubigen nicht die veränderte Lebensweise der Gläubigen verstehen können und umgekehrt genauso. So wie Sie sich an dem stoßen, was ich schreibe, so ist es eben überall. Verwundert Sie das? Ist das jetzt ein nicht tolerierbarer Fall? Muss das Christentum jetzt verboten werden, weil Christen eine andere Position vertreten? Oder sollten wir uns nicht besser eine andere Stelle der unzähligen Gegenbeweise in dieser Sache genauer anschauen? Wenn Sie aber auf die Begriffe „kein Frieden“ und „Schwert“ abzielen, dann haben Sie sicher berücksichtigt, dass unzählige Christen wegen ihres Glaubens umgebracht wurden, oder dass in der Offenbarung vom zukünftigen Krieg die Rede ist, wo diese Gegensätze offen zutage treten und kriegerisch ausgetragen werden, oder gehen Sie ernsthaft von so etwas wie einer „christlichen Aggression“ aus?

      „müssen sie in einem gewissen Kontext gesehen werden“

      Oh, das tut mir leid, das ist ein Fehler meinerseits. Mit „Kontext“ meine ich keineswegs, dass wir von unserem heutigen Kontext aus die biblischen Aussagen an unsere Verhältnisse anzupassen hätten, sondern, dass die Bibel nicht aus einer Ansammlung zusammenhangsloser Verse besteht. Einzelne Verse aus ihrem Umfeld herauszugreifen und nur für sich genommen zu betrachten, wird oftmals ihrer Herleitung nicht gerecht – ganz so, wie wenn man aus einem Interview einen einzelnen Satz herausgreift, der geeignet ist, ein falsches Bild vom Rest des Gesprächs zu vermitteln. Die Bibel ist keine Ansammlung von netten Sprüchen, die man nach Belieben übergehen oder neu zusammensetzen kann, vielmehr vermittelt sie Konzepte und Prinzipien, die eben durch eine konkrete Ausformulierung deutlich werden. Außerdem gehört zu einem so verstandenen Kontext auch, dass die biblischen Aussagen in einen bestimmten historischen Zeitabschnitt hineingesprochen wurden, welcher ebenfalls berücksichtigt werden muss. So ist es keine Seltenheit, dass so manche Ausführung für die damalige Zeit wichtig war, es heute aber nicht mehr ist – dies aber nicht willkürlich, weil das dahinter liegende Konzept heute weiterhin unverändert Gültigkeit hat, durchaus manchmal mit einer heutigen Entsprechung. Auch sagt die Bibel nicht zu allen Aspekten des modernen Lebens ausdrücklich etwas, ihre Konzepte sind dessen ungeachtet aber zweifellos übertragbar.

      „was passiert, wenn man eine ‚Heilige‘ Schrift […] wortwörtlich nimmt.“

      Das mit der Wortwörtlichkeit ist in der Tat ein Problem, wenn man so will (man denke nur an Luther vs. Zwingli in Sachen Transsubstantiation), nämlich ein grundsätzliches der Kommunikation. Woher soll man wissen, was mit dem gesagten gemeint ist? Nun, die Bibel ist ja relativ umfangreich, sodass an diversen Stellen dasselbe auf unterschiedliche Art und Weise gesagt wird, sodass man selbst dann, wenn eine Stelle unklar scheint, man mithilfe von anderen Stellen schließen kann, was die Aussage sein soll. Die buchstäbliche Formulierung transportiert ja immer einen bestimmten Sinn, jede mögliche Deutung muss sich aber stets auch an der konkreten Formulierung messen. Insofern ist und bleibt es ein Ringen, dem Text seine Bedeutung zu entlocken, dies ist aber keineswegs ein willkürlicher Vorgang, sondern unterliegt strengen Kriterien. Wie bei sonstiger Literatur, wenn auch auf anderer Ebene, gibt es zulässige und unzulässige Schlüsse: manches gibt der Text nicht her, anderes ist vielleicht mehrdeutig oder gar missverständlich und bedarf einer eingehenderen Untersuchung. Nicht zuletzt kommt es auch darauf an, welche „Heilige Schrift“ man wortwörtlich nimmt und wie so eine „Heilige Schrift“ angelegt ist. Der Koran beispielsweise funktioniert ganz anders als die Bibel, und die Schriften der Buddhisten ebenso.

      „Wenn ein 13jähriger nach Syrien reist um sich dem IS anzuschließen“

      Korrekt. Solche Gründe spielen neben religiösen Gründen eine Rolle bei jenen, die ihn dann auf’s Schlachtfeld schicken, ohne dass er sich dieses Umstandes bewusst ist. Letztendlich ist die Motivation auch relativ unerheblich, denn der eine kämpft wegen seiner politischen Gesinnung, ein anderer für Geld, ein anderer für sein Land oder aus Pflichtgefühl, ein anderer zur Selbstverteidung, oder eine Mischung aus diesen und anderen Veranlassungen. Doch wenn man mal nur auf die rein religiöse Motivation schaut, weshalb sollte man einen Unterschied machen zu anderen Motiven? Weil Religion erfunden ist und ein daraus motivierter Krieg unnötig? Aber mit welcher Legitimation führt das Assad-Regime Krieg, wo deren Partei in Syrien doch die Minderheit darstellt? Mit welcher Legitimation kämpft die Freie Syrische Armee nicht minder grausam, nur weil ihre Anhänger bevölkerungsmäßig in der Mehrheit sind und die Macht übernehmen wollen, ist das das Widerstandsrecht der Revolution auf dem Weg in die Demokratie? Was ist mit den kurdischen Volksverteidigungseinheiten, die für einen anarchistischen Staat auf bisher fremdem Hoheitsgebiet kämpfen? Ob man diesen Konfliktparteien eine Berechtigung zusprechen möchte oder nicht, so arg unterschiedlich ist das nicht zu den diversen Dschihadisten, die statt etnischen Gesichtspunkten eben religiöse als Maßstab zugrundelegen und nicht so sehr für die Grenzen eines Staates kämpfen, sondern nicht minder ambitioniert für einen Platz zur Ausübung ihres Glaubens (schon da sieht man, dass das gar nicht stimmen kann, denn Plätze gäbe es an sich schon jetzt genug). Und selbst, wenn man sagen würde, die eine Religion fördert Krieg durch ihre Glaubensinhalte, so sind andere Religionen davon ebenso betroffen, nämlich in der Opferrolle, selbst wenn diese gar keine Grundlage für kriegerische Auseinandersetzungen beinhaltet. Soll man also Religion verbieten, weil sie Kriege hervorrufen könnte? Probieren kann man das, nur ist beim Krieg als äußerster Form des Konflikts das Problem, dass sich die gegnerische Partei dem eigenen Willen nicht unterordnet, sondern sich mit Gewalt widersetzt, sodass man die Anhänger aller Religionen umbringen müsste, damit kein religiös motivierter Krieg mehr stattfinden kann (das wäre dann ein antireligiös motivierter Krieg, kommt auf’s gleiche raus). Finde ich religiös motivierte Kriege gut? Sicher nicht, nur gebe ich mich nicht der Illusion hin, dass diese ohne Weiteres zu verhindern wären. Und so haben die „christlichen“ Kriege (?) auch ihren Hintergrund (damit meine ich das AT, was seit Jesus in christlichem Namen fabriziert wurde und Armageddon), sind aber in jedem Fall eine Fehlentwicklung und keineswegs gutzuheißen, nach christlichem Glauben ist Krieg verboten. Bei denjenigen, die etwas anderes behaupten, muss man sich die Begründung anschauen, ob die an den Haaren herbeigezogen ist (was dann lediglich ein religiöser Vorwand wäre) oder schlüssig ist.

      „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel. (Lev 18:22) Das passt nicht zu unserer offenen, freiheitlichen Gesellschaft“

      Die Relevanz ergibt sich daraus, dass die Christen die offene, freiheitliche Gesellschaft unentwegt daran zu erinnern haben, dass ein homosexuelles Paar keine Kinder kriegen kann, egal, wie sehr sie sich auch anstrengen mögen, und dass Kinder samt Eltern irgendwie wichtig sind für jede Gesellschaft, auch für offene, freiheitliche.

      „wenn wir bereits viel bessere Regeln in der UN-Menschenrechtscharta, EU-Grundrechtecharta und GG haben“

      Der christliche Glaube ist nicht in erster Linie ein Regelwerk zur Organisation des menschlichen Zusammenlebens, sondern zielt auf viel tieferliegende Zusammenhänge ab – etwa auf die Frage, weshalb menschliches Zusammenleben nicht gelingen kann trotz bester Regeln in Form der UN-Menschenrechtscharta, EU-Grundrechtscharta und GG. Und dies nicht als rein abstrakten philosophischen Ansatz, sondern im Blick auf die konkrete Lösung, die Jesus geschaffen hat, die zwar vorerst ob genannter Schwierigkeiten und Zusammenhänge nicht Frieden auf Erden mit sich bringt, jedoch dann ultimativ die vergängliche Weltgeschichte in die unvergängliche, problembereinigte Ewigkeitsebene überführt. Christliche Lebenshaltung und christliche Positionen sind eine Folge davon, kein Selbstzweck.

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