Moment mal: Siebzig Jahre
Foto: Bundesarchiv (CC-BY-SA 3.0)

Diese Woche ist es genau 70 Jahre her, dass Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenburg ermordet wurde. Schon 70 Jahre – und doch erst 70 Jahre?! In Vorbereitung auf eine mündliche Prüfung habe ich mich intensiver mit seinem Leben und seinem Wirken beschäftigt.

Mit diesem Gastbeitrag eröffnen wir die Bonhoeffer-Themenwoche auf theologiestudierende.de.

Das Aufwachsen im behüteten, aber auch fordernden Elternhaus, wo er mit seinen sieben Geschwistern musizierte, debattierte und schon sehr früh lernte, das aktuelle Geschehen zu verfolgen, sich eine eigene Meinung zu bilden und ganz praktisch dafür einzutreten. Später das Theologiestudium, das nicht gerade dem Wunsch seines Vaters entsprach. Die Auslandsaufenthalte und das Wirken für die ökumenische Friedensarbeit.

Er war ein Theologe, der seinen Glauben authentisch lebte – auch wenn das bedeutete, Widerstand gegen das übermächtige Regime der Nationalsozialisten leisten zu müssen. Er strahlte eine Gelassenheit und Sicherheit aus, die in tiefem Vertrauen auf einen liebenden Gott begründet war.

Besonders beeindruckend empfand ich die Darstellung seiner letzten Minuten kurz vor seiner Hinrichtung, beschrieben durch den Lagerarzt, der seine Eindrücke 1955 niederschrieb:

Bonhoeffer, den er damals nicht gekannt habe, habe ruhig und gesammelt gewirkt, sich von allen Mithäftlingen verabschiedet, an der Richtstätte ein kurzes Gebet gesprochen, sei gefasst zum Galgen gegangen und in wenigen Sekunden gestorben.

Was für eine Kraft und Ruhe angesichts des Galgens und des Wissens um das ungerechte Geschehen. Oft wünsche ich mir diese Ruhe und Zuversicht, das vertrauensvolle Hinnehmen und das sichere Wissen um Richtig oder Falsch.

Dietrich Bonhoeffer nahm sich Zeit, um auf Gott zu hören. Vor allem im Predigerseminar übte er das Meditieren, Bibellesen und Hinhören täglich ein. Auch das Lesen der täglichen Losung wurde ihm im Laufe seines Lebens immer wichtiger.

Gott spricht zu uns in unseren Alltag hinein. Unsere Aufgabe ist es nur noch, das wahrzunehmen, hinzuhören und auf unsere konkrete Lebenssituation anzuwenden. Wie leicht gesagt und doch so schwer, es regelmäßig im Alltag voller Termine und Verpflichtungen umzusetzen. Auch wenn ich heute deutlich kleinere Herausforderungen in meinem Alltag wahrnehme, möchte ich mir eine Scheibe von Bonhoeffers Glauben abschneiden und glauben und bezeugen:

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit mir am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag

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