Moment mal: Wie Gott zwischen Sünde und Sünder unterscheidet
Foto: Tobias Meihofer

Bestimmt ist euch die reformatorische Unterscheidung von Person und Werk geläufig. Christen betonen ja gerne einmal, dass Gott zwar die Sünde hasse, den Sünder aber bedingungslos liebe. Manchmal wird daran auch der positive Einfluss des Christentums auf die Herausbildung der säkularen Menschenrechte reklamiert. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ganz egal, wie sehr ein Mensch die Zugehörigkeit zu dieser Gattung durch sein unmenschliches Verhalten auch in Frage stellen mag.

Das ist doch eine schöne Sache, auf das Konto des Christentums solch eine wichtige Leistung verbuchen zu können. Nur – gibt der christliche Glaube, oder gar die Bibel, auf die dieser sich stützt, auch eine konkrete Anleitung, wie das gehen soll?

Natürlich, eine Person ist mehr als die Summe ihrer Taten. Wer wollte da widersprechen? Aber wie kann ich eine Person ganz praktisch achten und lieben, wo ihr Verhalten doch sämtliche derartigen Ansprüche restlos verwirkt? In der Theorie unterscheiden – schön und gut, aber würde das nicht bedeuten, in der Praxis die Person von ihren Taten trennen zu müssen?

Wir Christen sind ja Gott sei Dank nicht nur auf Vorbilder unter den Propheten, Aposteln, Kirchenvätern, etc. angewiesen. Auch wenn es dort bestimmt manches zu lernen gibt, so steht und fällt unser Glaube doch mit dem in Jesus Christus menschgewordenen Gott und nicht mit der Orientierung an gefallenen Menschen.
Wie also verhält sich Gott selbst in dieser Frage?

Von dem kanadischen Prof. für Neues Testament, Donald A. Carson, las ich neulich Folgendes:

Möchtest Du die Liebe Gottes sehen? Sieh an das Kreuz.

Möchtest Du den Zorn Gottes sehen? Sieh an das Kreuz.

Die Antwort auf die Frage, wie Gott zwischen Person und Werk, zwischen Sünder und Sünde unterscheidet, ist das Kreuz, ist Jesus Christus am Kreuz. Gott kompensiert seinen Zorn über die Schuld des Menschen, indem er Mensch wird und die Schuld selbst trägt. Auf dass seiner Liebe zum Menschen nichts mehr im Weg steht.

Für mich bedeutet das, es kostet etwas, zwischen der liebenswürdigen Person und ihren verabscheuungswürdigen Taten zu unterscheiden. Wer sein Verhältnis zu einem Menschen nicht von dessen schlechten Taten bestimmt sein lassen will, muss die Last dieser Taten gewissermaßen selbst tragen, z.B. in Form des Verzichts auf Wiedergutmachung.

Dafür gibt es ein Wort: Gnade. Sie ist niemals billig. Besonders nicht für den, der sie gewährt.

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