Undarstellbar Visuelle Gedanken zu Gott von Jonathan Schöps
Vater, Sohn und heiliger Geist. Foto: Jonathan Schöps

Jonathan Schöps studiert an der Bauhaus-Universität Weimar und arbeitet freiberuflich als Grafikdesigner. Im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit „Bilder Gottes — Visualisierung des Unsichtbaren“ begann er mit der Arbeit an „undarstellbar – visuelle Gedanken zu Gott“. Das Projekt wurde im letzten Jahr mit dem Herder-Förderpreis ausgezeichnet. Ich bin um die Jahreswende auf Jonathan und sein Projekt aufmerksam geworden, weil er jetzt auch eigene Bilder zu den Jahreslosungen veröffentlicht. Seine Bilder des Undarstellbaren sind anders, komisch und ernst zugleich, jedenfalls in ihrer Bildsprache überraschend und werfen Fragen auf. Jonathan hat mir ein paar davon für theologiestudierende.de beantwortet:

Lieber Jonathan, in einer deiner Arbeiten (s.o.) wird Gott zu einer Lampe, Jesus zu einem Sandwichtoaster und der Heilige Geist zum Ventilator. Was willst Du damit sagen?

Dieses Bild ist ein modernes Sinnbild für die Trinität. Ich habe nach Alltagsgegenständen gesucht, die Eigenschaften Gottes transportieren können. Gott Vater als Lampe bzw. Licht ist vom Psalm 27,1 abgeleitet: „Der Herr ist mein Licht …“

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„Vater, Sohn und Heiliger Geist“ von Jonathan Schöps

Jesus zeige ich als Sandwichtoaster, der steht für das Brot des Lebens. Für mich hat so ein Sandwichtoaster etwas von Gemeinschaft. Den kenne ich nur in Aktion, wenn man mit Freunden zusammen isst. So eine Gemeinschaft stelle ich mir auch vor, wenn Jesus mit seinen Jüngern gegessen hat und das Brot gebrochen hat.

Im Deckel des Sandwichmakers finden sich vier große Dreiecke, die jeweils in drei Dreiecke unterteilt sind. Das ergibt zwölf, passend zur Anzahl der Jünger, die am Abendmal teilnahmen. Analog zum Brechen des Brotes beim Abendmahl werden durch die Rillung im Toasterdeckel die Toasts vorperforiert, so dass danach das Teilen in zwei Hälften leicht fällt.

Der Heilige Geist steckt als Wind im Ventilator, abgeleitet von dem hebräischen Wort „rûah“ – was für „Geist“ steht – und dem griechischen Wort „pneuma“. Beides bedeutet „bewegte Luft“, „Wind“ oder „Hauch“. Die drei Gegenstände haben keine Stromkabel von denen sie Energie beziehen, denn welche höhere Energiequelle als Gott sollte es geben?

Anstatt Gott als einen alten Mann mit Rauschebart auf der Wolke zu zeigen, experimentierst Du in einigen Bildern mit Symbolen wie Feuer, Dreiecken und Licht. Sind diese Symbole dein Ausweg aus der „Undarstellbarkeit“ Gottes?

Ja, das kann man so sagen. Das vielleicht treffendste Bild von Gott wäre eine weiße, leere Leinwand. Aber das war mir zu wenig und das gibt es schon. Wenn man etwas darstellen will, muss man sich mit Symbolen behelfen. Feuer und Licht haben keine feste Form, sie sind nicht richtig greifbar. Deshalb eignen sie sich gut als Metapher für Gott.

Mir ist aufgefallen, dass Du in deinen Bildern mit einer trinitarischen Vorstellung von Gott arbeitest. Toaster, Lampe, Ventilator aber auch Dreiecke kommen ja häufig vor.

Die Trinität hebt den Gott der Christen von den Göttern anderer Religionen ab, deshalb fand ich das sinnvoll zu zeigen. In meinem Glauben spielt die Unterscheidung der drei Personen keine so entscheidende Rolle – aber wegdenken würde ich sie mir deswegen nicht.

Die Vorstellung von der Trinität ist ja eine sehr alte Krücke, die sich Menschen geschaffen haben, um sich ein Bild von Gott zu machen. Für dich scheint sie von großer Bedeutung zu sein. Warum?

Das Interessante bezüglich der Darstellbarkeit Gottes ist ja, dass sich 1/3 Gottes sehr einfach abbilden lässt: Jesus – wie auch immer er ausgesehen haben mag – kann man als Mensch zeigen. Da kann man zwar der Ansicht sein, dass das auch nur die Hälfte Jesu darstellt, nämlich nur die menschliche, denn die göttliche Seite Jesu bleibt auch hier unsichtbar. Dennoch hat man hier etwas „Handfestes“ zu zeigen.

Für Gott Vater und den Heiligen Geist muss man Metaphern finden: den thronenden Greis, Feuer, Licht, die Taube. Die Abbildung Gott Vaters als Greis habe ich bewusst vermieden. Und auch Jesus sieht man bei meinen Bildern nicht als Person. Bei mir werden alle drei wieder zu abstrakter Symbolik – so bleibt ein größerer Interpretationsspielraum für den Betrachter. Ob Krücke oder nicht: trinitarische Darstellungen finden sich in der Kunstgeschichte sehr häufig und das war ein interessanter Punkt zum anknüpfen.

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„Gescheiterte Versuche der Gottesfotografie“ von Jonathan Schöps

Hat dein eigener Glaube die Arbeit an den Bildern stark geprägt?

Ich hätte mich wahrscheinlich nicht diesem Thema gewidmet, wenn ich nicht selbst an etwas glauben würde. Ich gehöre der evangelischen Kirche an und gehe in eine Evangelische Studentengemeinde. Ich habe aber eher geschaut, was sich gut zum Visualisieren eignet. Eigene Gotteserfahrungen sind nicht direkt eingeflossen. Unterbewusst aber sicherlich schon.

Inzwischen gestaltest Du ja auch Motive zu den Jahreslosungen. Wie bist Du darauf gekommen? Liegt dein Interesse auch daran, dass die üblichen Jahreslosungsmotive ein wenig einfältig sind?

Das hat damit angefangen, dass ich schon seit Jahren privat Bilder zur Jahreslosung gestaltet habe und diese zu Weihnachten an Freunde und Familie verschenkt habe. Als das Projekt „undarstellbar“ dann stand, bot es sich an auch das weiterzuführen und es im Rahmen dieses Projekts mit bekannt zu machen. Ich denke schon, dass sich meine Umsetzung der Jahreslosung von anderen unterscheidet, das ist ja aber vor allem eine Stil- und Geschmacksfrage.

Kirchen sind ja Orte voller Kunst. Wir Theologen sprechen auch von der Predigtkunst oder der Kunst der Seelsorge. Welche Bedeutung haben „moderne“ Bilder von Gott für die Kirche von heute?

Sicherlich eine große. Ich würde die Kunst in Kirchen der letzten 2000 Jahre auf keinen Fall schlecht reden wollen. Da sind großartige Werke entstanden, die auch nach langer Zeit nichts von ihrer Schönheit oder ihrem Symbolgehalt verlieren. Ich beziehe mich ja auch in meinen Bildern auf Elemente, die häufig in christlicher Kunst verwendet wurden. Dennoch brauchen wir heute vermutlich mehr das Abstrakte. Weil unsere Gottesvorstellung mit einem Gemälde, das Gott Vater als thronenden Greis darstellt, nicht mehr übereinstimmt. Je abstrakter, desto mehr Spielraum gibt es für den Gläubigen, seine eigenen Gedanken und Erfahrungen in das Bild hinein zu projizieren.

Spricht Gott durch die Kunst oder nähern wir uns mit ihrer Hilfe Gott an?

Beides. Die Kunst ist ja nicht von Gott geschaffen, sondern da hat sich ein Künstler Gedanken gemacht wie er sich Gott künstlerisch annähern kann und etwas über ihn erzählen kann. Am Ende wiederum kann Gott vielleicht Kunst gebrauchen, um zu Menschen zu sprechen.

Mehr über Jonathans Projekt und die Jahreslosungsbilder erfahrt Ihr auf undarstellbar.de. Dort könnt Ihr auch Poster und Postkarten mit den Motiven bestellen. Jonathan ist auch auf Twitter: @jonathanschoeps.

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Ein Kommentar

  1. Doro

    Die menschl. „Kunst“ mag Gott nicht erschaffen haben, aber er hat uns, als seinen Ebenbildern etwas von seiner hohen Kreativität mitgegeben und die Liebe zum Schönen, Reinen, Einfachem. Außerdem glaube ich, als mit direkter, perönl. Offenbarung vom Hlg. Geist Beschenkten, daß wir uns eines Tages wundern werden, wie jung und stark GOTT aussieht, denn im Himmel sind alle jung, gesund schön. Krankheit und Alter sind Folge der gefallenen Welt, die es im Himmel oder modern gesagt in der 4. Dimension nicht mehr geben wird. Mir gefallen die Bilder von Jonathan Schöps sehr gut.

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