23. Dezember

Der heutige Beitrag im Adventskalender kommt von Maria.

Der Dreiundzwanzigste. Nur noch ein Mal schlafen, und dann … – ja, dann beginnt wohl für viele einer der wohl stressigsten Tage des Jahres.
Seit Wochen wird überlegt, geplant, beraten. Was gibt es an Heilig Abend? Den traditionellen Kartoffelsalat oder doch lieber mal was Neues ausprobiert? Dieses Jahr wieder einen Weihnachtsbaum oder doch aus Liebe zu der Umwelt mal darauf verzichtet? Sind schon alle Geschenke besorgt und – oh nein, hat jemand daran gedacht, den Weihnachtsschmuck vom Dachboden zu holen? An was man nur alles denken muss …

Nicht nur in den Familien und Kaufhäusern sowie auf den Weihnachtsmärkten ist Weihnachten schon lange vor dem eigentlichen Fest präsent. Auch in der Kirche laufen Wochen vorher schon rege Vorbereitungen an. Ist für den heißen Tee nach der Christmette gesorgt? Der Ältestenkreis muss noch beschließen, ob der Weihnachtsbaum dieses Jahr mit echten Kerzen geschmückt werden soll – für die Stimmung wäre das ja wohl sehr zuträglich, aber was, wenn ein Engel beim Krippenspiel mit seinen Flügeln daran vorbeistreift? Vielleicht sollte man mit Blick auf die Sorgen und Wünsche der örtlichen freiwilligen Feuerwehr von diesem Vorhaben Abstand nehmen? Und was kann man bloß dieses Jahr den Chorkindern schenken? Außerdem sollte man sich vielleicht die konstruktive Kritik einiger Gemeindemitglieder (die sehr regelmäßig den Gottesdienst besuchen, nämlich genau ein Mal im Jahr an Heilig Abend) zu Herzen nehmen und ihnen zu Liebe darauf verzichten, „Leise rieselt der Schnee“ zu singen? Die Erfahrung der letzten Jahre hat ja immerhin gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit eines urplötzlichen Schneeeinbruchs relativ gering ist – wobei dann doch erwähnt werden sollte, dass es im Allgemeinen zur Erheiterung und lockeren Stimmung des Gottesdienstes beigetragen hat …

Weihnachten ist zu einem „mega-event“, einer aufwendig inszenierten Installation geworden. Die zu lösenden „Probleme“ da „draußen“ und in der Kirche ähneln sich doch sehr! Dabei vergessen wir manchmal, worauf es eigentlich ankommt. Die Weihnachtszeit sollte gerade nicht zu einer der stressigsten Zeiten im Jahr ausufern. An den Weihnachtsfeiertagen kommt es gerade nicht auf Perfektion an. Ist nicht viel entscheidender, sich füreinander Zeit zu nehmen, gemeinsam ein paar schöne Stunden zu verbringen, und ist nicht unsere Aufgabe, gerade als Christen und Kirche, die daran zu erinnern, warum wir eigentlich Weihnachten feiern?

Die angespannte Atmosphäre im Gottesdienst, die Aufregung der Krippenspielkinder, die feierlich geschmückte Kirche, der andächtig singende Chor – das alles gehört dazu. Aber worauf es wirklich ankommt, das hat sich damals weit entfernt von all dem Trubel zugetragen: Das Weihnachtsevangelium, dass Jesus für uns in die Welt gekommen ist. So können wir uns – in der Familie und in der Kirche – ein Stück weit gelassen zurücklehnen (denn dass der Pfarrer das Weihnachtsevangelium verlegt ist doch wohl eher unwahrscheinlich) und auch so kurz vor dem Finale all der Vorbereitungen am Dreiundzwanzigsten getrost Ruhe bewahren.

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