Was bleibt von der #EKDSynode?
Frauenkirche in Dresden. Foto: Max Melzer

Vor einigen Wochen ist in der EKD etwas spannendes passiert: Auf der jüngsten Synode in Dresden haben sich Synodale – viele wahrscheinlich zum ersten mal ernsthaft – mit dem Thema „Internet“ beschäftigt und damit, was das ganze mit Kirche zu tun haben könnte.

Diese ersten Begegnungen wurden von der theologischen Netzgemeinde skeptisch beobachtet. Es ist ein langer Weg, auf dem die Evangelische Kirche in Deutschland unterwegs ist. Bis vor kurzem war es vielerorts noch ungeschriebene Dienstvorschrift, dass sich Gemeindearbeit aus „den Sozialen Netzwerken“ herauszuhalten habe.

Umso überraschender, als die Synode sich für ihre Zusammenkunft im November 2014 das Thema „Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft“ vornahm: Ein Ding, das für viele Kirchengremien völliges Neuland ist, für viele Basischristen jedoch schon als völlig selbstverständlich gilt.

„Zu spät, zu wenig mutig und vor allem zu unkonkret“

Wegen dieser Diskrepanz war schon im Vorfeld klar, dass von der Synode keine digitale Revolution der Kirche oder ähnliches zu erwarten sein würde. Es ging um eine erste Annäherung der Synodalen an das Thema. Es ging darum, Grundlegendes zu vermitteln. In anderen Worten: Es war keine kirchliche re:publica.

Dies spiegelt sich auch in den Worten der offiziellen Abschluss-Kundgebung der Synode wider. Dort finden sich einige sehr vernünftige Grundlagen, von denen ich froh bin, dass die EKD sie (endlich!) mal so klar ausgesprochen hat. Über konkrete Positionen oder netzpolitische Forderungen schweigt sich das Papier allerdings aus. Auch eine Art „Digitale Agenda“ für kirchliche Online-Arbeit in den nächsten Jahren sucht man vergebens.

Eine gewisse Enttäuschung darüber, dass die Kirche noch so viele Grundlagen nachzuholen hat, lese ich auch aus dem (äußerst lesenswerten) Abschlussbericht der EKD-Jugenddelegierten heraus. Dort schreibt Ingo Dachwitz:

Das, was möglich war, haben wir erreicht. Unser Maßstab kann jedoch nicht nur das sein, was realpolitisch möglich war – wir müssen uns auch an dem messen lassen, was möglich hätte sein müssen. Und da stellt man dann ernüchtert fest: zu spät, zu wenig mutig und vor allem zu unkonkret.

Trotzdem berichten auch einige von einer gewissen Aufbruchsstimmung unter den Synodalen. So schrieb Hanno Terbuyken für evangelisch.de:

Die meisten Synodalen haben aber zumindest das Signal gehört und gesehen, dass die digitale Gesellschaft schon da ist und nicht mehr über das „ob“ der Beteiligung und Gestaltung, sondern über das „wie“ gestritten werden muss.

Das Hören dieser „Signale“ ist schon mal ein guter Anfang. Aber ich gebe den Jugenddelegierten recht: Wenn die Kirche tatsächlich in der digitalen Gesellschaft relevant werden möchte, sind Sätze wie „Die evangelische Kirche bringt ihr christliches Menschenbild in den Diskurs über Privatheit und Öffentlichkeit ein.“ zu schwammig und – ja – zu wenig mutig.

Die EKD-Jugend hat einen Anstoß gegeben, das Thema der Synode weiter zu diskutieren. Die EKD hat mit der Synode das Versprechen gegeben, sich in Zukunft auch in medienethische und netzpolitische Diskurse einmischen zu wollen. Unsere Aufgabe ist nun, unsere Leute an diese Zusage zu erinnern und eine digitale Agenda für die Evangelische Kirche zu prägen. Los geht’s, unsere Kirche braucht uns!

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