Wissen ohne Grenzen? – Ein Plädoyer für Open Access
Schatzkiste Wissen - Anna Lena Schiller (CC BY-SA 2.0)

Lesen gehört ohne Frage zum Theologiestudium dazu wie die Butter auf’s Brot. Es ist aber für Studierende und Dozierende nicht immer einfach an Texte zu kommen. Schlechte Scans und verstaubte Bücher gehören weiter zu unserem Alltag. Muss das so sein?

Schatzkiste Wissen – Anna Lena Schiller (CC BY-SA 2.0)

Schatzkiste Wissen – Anna Lena Schiller (CC BY-SA 2.0)

Es gibt verschiedene Wege, wie man sich Literatur für’s Studium besorgen kann. Professor_innen und Dozierende empfehlen in Seminaren und Vorlesungen (auch ihre eigenen) Bücher, die man sich im besten Fall kauft. Meist liest man die dann im Seminar und vielleicht noch während der Prüfungsvorbereitung, muss sie aber mit in die Uni schleppen und braucht einen physischen Platz im Regal. Bei manchen Verlagen kann man auch Literatur als eBook erwerben, zu den Vorteilen komme ich jedoch erst später.

Der Normalfall sieht (oder sah bei mir bis jetzt) eher anders aus: In Seminaren bieten uns Dozierende den Service an, Bücher, die wir für die Sitzungen brauchen, einzuscannen und über einen moodle-Kurs bereitzustellen. Klingt im ersten Moment zwar zuvorkommend, erweist sich aber immer wieder als grauenhaft. Wer schon einmal dicke Bücher scannen musste, weiß, dass es nicht so einfach ist. Hässliche schwarze Ränder bleiben nicht aus und entweder kann man die Schrift wegen dieser Ränder nicht lesen oder die Seitenkrümmung sorgt dafür, dass man den Kopf für ein besseres Leseerlebnis ungesund nach links oder rechts beugen muss.

Jetzt kommen sicherlich die ersten Stimmen, dass ich doch in die Bibliothek gehen kann (!), was mich direkt zu meinem größten Problem führt. Vorweg sei gesagt: Ich bin sehr gern in der Bibliothek, an wenigen Orten kann ich so fokussiert und konzentriert arbeiten. Wenn es aber um die Beschaffung von Lesestoff geht, wird es unangenehm. Natürlich war es bei den ersten Malen aufregend, Literatur zu beschaffen. Online-Datenbank öffnen, Titel eingeben, kryptische Regalnummer finden. Dann ins richtige Stockwerk laufen, Buchnummer deuten können, zum richtigen Regal gehen und im besten Fall das gesuchte Buch hervorziehen. Alltag ist aber auch, dass das gewünschte Buch gerade vergriffen ist (gerade bei Lehrbüchern, weil alle aus dem Seminar eine Hausarbeit schreiben möchten) oder das Buch antiquarischen Wert besitzt (hat schon Schleiermacher selbst darin geblättert?) und somit eigentlich nur mit Samthandschuhen angefasst werden darf.

Wenn mir jetzt einige Seiten besonders wichtig erscheinen, laufe ich zum Buchscanner unserer Bibltiohek und zahle zwei Cent pro Scan und erhalte wieder nur ein schlechtes Abbild eines vielleicht schon schlecht erhaltenen Buches.

Manchmal wird es aber auch wirklich absurd: Wir lesen in einem Seminar einen Text eines Professors, der zur gleichen Zeit auch an unserer Fakultät lehrt. Den Text bekommen wir vor der Sitzung einscannt zugeschickt. Egal, ob man den Text auf einem digitalen Device (ich lese meine Texte aussschließlich auf einem Tablet oder Laptop; vorher rastere ich die PDF-Dateien, damit ich auch Zeilen problemlos markieren kann) oder ausgedruckt vorliegen hat, dass es sich um einen Scan handelt, ist unübersehbar. Mit anzunehmender Wahrscheinlichkeit liegt die digitale Originalversion noch auf dem Dienstrechner des Professors, wir Studierende dürfen davon jedoch nicht profitieren! Wie lange müssen wir noch unsere Toner mit grauenhaften Scans vebrauchen oder unsere Augen an pixeligen Scans verderben?

Zu verdanken haben wir das der Praxis, dass Professor_innen ihre Texte über Verlage veröffentlichen, die dann von den örtlichen Bibliotheken wieder gekauft werden müssen, selbst wenn die Autor_innen im selben Haus sitzen. Dabei bleibt uns die digitale Version verwehrt und wir müssen auf das analoge Pendant zugreifen. Bevor sich daran etwas ändert, wird wohl eher ein neues Untergeschoss für das Bücherarchiv unter unserer Bibliothek gegraben.

In meiner Traumwelt sieht es so aus: Ich brauche ein Buch, das glücklicherweise sowohl als physische und digitale Kopie in unserer Bibliothek steht. Lizenztechnisch ist es so geregelt, dass ich über das Uni-WLAN (sprich: Netzwerk) auf die Literatur zugreifen kann. Ich lade mir das ganze Buch oder die zu lesenden Seiten auf meinen Computer und kann während des Lesens Anmerkungen machen, wichtige Stellen markieren usw. Wenn ich möchte, kann ich das ganze natürlich auch ausdrucken und mit ins Seminar bringen. Einen weiteren Vorteil muss ich noch erwähnen: die Volltextsuche. Ich habe mittlerweile eine Bibelkunde als eBook erworben und habe sie so immer auf meinem Laptop dabei. In Veranstaltungen kann ich schnell per Volltextsuche zu einem Thema springen, es überfliegen und anschließend mitreden. Das ist die Zukunft!

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