Moment mal: Engel

Im Advent häuft sich ja bekanntlich die Anzahl der Konzerte. Die, in die man geht und die, in denen man selbst mitwirkt. Gleiches gilt für Andachten, und offenes Singen, da habe ich den Eindruck, das gibt es sowieso nur im Advent, oder auf dem Kirchentag.

Foto: Bert Kaufmann (CC BY 2.0)

Foto: Bert Kaufmann (CC BY 2.0)

Vergangene Woche habe ich mit Freunden für eine musikalische Andacht geprobt, bei der wir neben hauptsächlich Adventsliedern auch schon vereinzelt Weihnachtslieder singen werden. In einem von diesem ist laut vertont: „Angels bright they sang that night,…“. Hierzu muss ich kurz anmerken, dass im Teil direkt davor leise drei Stimmen singen, während die Ankündigung des Engelgesangs dann laut von sechs Stimmen gesungen wird, was einen starken Unterschied ausmachen kann. Jedenfalls haben einzelne von uns den Unterschied so stark betont, dass einer erschrak und darum bat, dass laut ja nicht gleich sehr laut heiße.

Scherzhaft kam daraufhin die Anmerkung, dass die Menschen sich doch aber erschrecken, wenn sie Engel sehen, oder warum ist das erste, was die Engel sagen: Fürchte dich nicht!? Der jeweils erscheinende Engel sagt es zu Josef (Mt 1,20), Zacharias (Lk 1,13), Maria (Lk 1,30) und natürlich den Hirten (Lk 2,10) und das sind nur die Beispiele aus dem weihnachtgeschichtlichen Umfeld [wer noch nicht mit der Funktion der Phrasensuche in Bibleworks vertraut ist, kann sich hier ja mal ausprobieren ;)].

Es entbrannte eine kurze Diskussion, was denn das ausschlaggebende Element der Furcht sei. Ist es nun die Herrlichkeit, oder der Glanz, je nachdem wie man δóξα übersetzen will, wie im Falle der Hirten oder die Art und Weise, wie der Engel redet, wie im Falle der Maria. Es könnte auch am Erscheinungsbild liegen.

Wenn ich an meine Zeit des Krippenspielens zurück denke, durfte ich immer den Engel spielen, nicht nur wegen meiner damals langen blonden Haare, die ich am Abend vorher immer in Zöpfe geflochten hatte, dass ich beim Spiel selbst dann auch Locken hatte; nein, es lag auch an meiner großen Gestalt [hier groß mal im Sinne von hoch]. Manchen Menschen kann so was schon auch mal Angst machen.
Bleiben wir mal bei der Gestalt und betrachten uns die Engeldarstellungen, die in den vergangenen Jahren sehr weit bis in die Werbung hinein verbreitet waren: Mal ehrlich, wenn ein dicker Säugling zu mir Worte sagen würde wie: „Gegrüßet seiest du, Holdselige! Der Herr ist mit dir, du Gebenedeiete unter den Weibern.“ [ja, ok, das ist die alte Lutherübersetzung, die neue sagt es simpler und verständlicher und wenn ich mir den griechischen Text angucke, frage ich mich, was Luther da geritten hat, das so zu übersetzen. Aber das will ich jetzt alles mal beiseite schieben, denn die Übersetzung unterstreicht schön, was ich doch versuche darzulegen.], dann würde auch ich das Fürchten kriegen.

Die Herrlichkeit des Herrn muss aber nicht unbedingt Größe sein. Wenn ich δóξα nun mit Glanz übersetze, wie es die Zürcher Übersetzung tut, dann sehe ich die Darstellung der Engel von Kees de Kort vor mir, wie sie den Himmel so hell erstrahlen lassen, dass die Hirten gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Das sind für mich Engel. Große Wesen, mit sicherem Auftreten, die so hell strahlen, dass man sie fast nicht angucken kann.

Ja, ich gebe zu, ich war eine von denen, die sehr laut gesungen hat.

Wir einigten uns am Ende darauf, dass es ganz egal ist, wie Engel nun aussehen, sondern es auch einfach ihr charismatisches Auftreten sein könnte. Sie kommen mit einem festen Ziel und palavern nicht lang rum, sondern sagen gerade heraus, was Sache ist und dafür muss man nicht laut sein.

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