Moment mal: Paradies auf Erden
Rudolf von Alt – Altausseer See mit Trisselwand

Rudolf von Alt – Altausseer See mit Trisselwand

Ich war im Paradies. Also, um genauer zu sein, vor 10 Tagen war ich dort. So sagte es zumindest ein dort auf einer Tafel angebrachtes Gedicht:

„Meinem Altauseersee“
Oftmals beglückt durft ich Dich umgehen
Kraft tankend Deine Schönheit sehen
Begrüßt vom Dachsteingletscher Spiegelglanz
Schönste der Seeenzeit
im farbenprächtigen Herbstkranz
Rauhreifsterne laden zum Eistanz
Urlaute der Steinigen Wand
wie Wassermanns Federhand
Trisselwand Farbkranz
im Dankgebet erleben.
Dabei wird Dir gewiss
schon zu Lebzeit wandeln durftest
in Hergott’s Paradies!

Ich hab den farbenprächtigen Herbstkranz sehen können, aber für die Rauhreifsterne war es noch zu warm, das kann ich nicht beurteilen. Was mich an diesem Ort so sehr erfreut hat: Er liegt so idyllisch in einem Tal, von drei Seiten umgeben von Bergwänden (unter anderem der erwähnten Trisselwand), dass man ganz hinein fallen kann. Man kann fast seinen eigenen Herzschlag hören.

Ich bin immer auf der Suche nach Orten, die Ruhe ausstrahlen, die ruhig sind. Wenn ich aus der Großstadt zurück komme, gehe ich meist erstmal in den Wald, um die andere Luft zu genießen und die Vögel wieder zwitschern zu hören. Vielleicht mag ich deshalb auch das Meer so sehr. Wenn ich dort bin, dann bin ich am Meer; die Wellen rauschen, das Segelschiff gleitet über sie hinweg oder stampft in sie hinein, nur Wasser ist zu hören, von allen Seiten hört man nur Wasser. Wenn ich an einem Ort bin, an dem ich ganz sein kann, wo ich durch keine anderen Geräusche abgelenkt werde, dann bin ich glücklich und komme selbst zur Ruhe.

Und nicht nur Anna Rennack, von der das Gedicht oben ist, und ich haben die Zeit am See genossen. Sie schreibt innerhalb ihres Gedichtes ja auch von Wassermann: Jakob Wassermann ein Dichter und Autor, der lange direkt am See gelebt und gearbeitet hat; ein paar Meter vor der Gedichttafel ist ein Gedenkstein, auf dem vermerkt ist, dass Richard Strauss durch seinen Aufenthalt am Altausseer See zu seiner Alpensinfonie inspiriert wurde.

An diesem Ort scheinen die Kreativpartikel zu strömen, oder sie haben keine Gelegenheit ihr Ziel zu verfehlen, was an der Einkesselung liegen kann, die ebenfalls dazu führt, dass so gut wie kein Wind weht und der See selbst spiegelglatt da liegt. Als ich an einer einsamen Laterne im Wald vorbei lief, kam mir der Gedanke, ob nicht auch C.S. Lewis hier gewesen ist; die Laterne steht aber nicht alleine, ein paar Meter weiter stand die nächste und wieder ein paar Meter weiter noch eine, eine ganze Seite des Sees entlang – zu nächtlichen Stunden, wenn die Laternen an sind muss das bezaubernd aussehen, aber das habe ich nicht gesehen. Die Schönheit des Sees wird also anerkannt und untermalt, aber das Schönste ist, dass er touristisch nicht ausgebeutet wird.

Dadurch war es mir möglich: Hier habe ich kurzzeitig vergessen können, hier habe ich dadurch in kurzer Zeit neue Kräfte tanken können, hier habe ich Gott danken können. Ich war im Paradies.

Wie sieht denn euer Paradies auf Erden aus?

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