Transcendence – Menschen schaffen sich ihren eigenen Gott


Neulich hatte ich eine längere Zugreise vor mir, dafür wollte ich mir einen Film bei iTunes leihen – nachdem ich mich für die Hinfahrt für den Stromberg-Film entschieden hatte, wurde es für die Rückfahrt „Transcendence“. Der Trailer sagte mir zu: Johnny Depp spielt einen Wissenschaftler, dem es gelingt, eine künstliche Intelligenz zu programmieren, die dazu in der Lage ist, Emotionen zu verstehen und zu verarbeiten. Das Ende des Films hinterließ dann leider doch einen unbefriedigenden Eindruck bei mir – wie es dazu kam, lest ihr hier:



Achtung: Der folgende Text enthält einige Spoiler! 


Zu Beginn des Films wird ein Vortrag gezeigt, der diese KI vorstellt – auf die Frage, ob man sich damit nicht einen Gott schaffen würde, entgegnet der Referent, ob die Menschheit das nicht schon immer getan hätte. Ab da wurde ich natürlich sofort hellhörig, ein gefundenes Fressen für einen Theologiestudenten!

Wie es der Zufall so will, wird Dr. Will Caster (Johnny Depp) bei einem Anschlag tödlich verletzt. Seine Frau und ein weiterer Arbeitskollege kommen auf die absurde Idee, dass man ihn nur retten kann, indem man seinen Geist, all seine Gedanken und Gefühle – seine „Seele“ – in die bereits erwähnte künstliche Intelligenz einzuspeisen versucht. Als das gelingt, merkt das digitale Abbild von Will schnell, dass er zu viel mehr im Stande ist als noch zu Lebenszeiten. Nachdem er auch noch Zugang zum Internet erhält, sind seine Ressourcen quasi unendlich. In kürzester Zeit veranlasst er den Bau eines unterirdischen Rechenzentrums, das seine Rechenkapazitäten erneut steigen lässt. Im Rechenzentrum wird die Nanotechnologie exzessiv vorangetrieben – warum es dazu jedoch erst einen Menschen in einem Computer braucht, ist mir immer noch unklar …

Diese Hochtechnologie verwendet Will anschließend dazu, Menschen zu heilen. Hierfür wird ganz eindeutig christliche Symbolik verwendet: Plötzlich wird Will zum Wunderheiler, denn Menschen kommen zu ihm und lassen sich heilen. Blinde können sehen, Lahme können gehen (Mt 11,5) und durch die kleinen Nanopartikel, die Will in ihre Körper einsetzt, werden sie nach ihrer Heilung viel stärker als normale Menschen. Spätestens jetzt ruft das eine Gruppe von „Ökoterroristen“ auf den Plan, die sich mit aller Gewalt gegen diese „Irrlehre“ retten wollen.

Ich sehe darin eine Parallele zum Urchristentum bzw. dem nacherzählten Wirken Jesu: Er tut etwas Unbegreifliches, findet seine Anhänger und erweckt durch seine Taten die Aufmerksamkeit der „Alten“. Es kommt zum unweigerlichen (wirklich unweigerlich?), blutigen Kampf, bei der das gesamte unterirdische Rechenzentrum zerstört wird. Alle Nanopartikel, die mittlerweile auf der ganzen Welt verstreut sind, werden mit einem Virus lahmgelegt. Die Idee Wills ist zerstört.

Glücklicherweise hat er sich am Anfang in seinem Garten einen überdimensionalen Aluhut gebaut (ich übertreibe). Einige Nanopartikel haben den Virus dort unversehrt überstanden und das Werk von Dr. Will Caster kann doch überleben – eine furchtbar kitschige und romantische Vorstellung. Am Ende bleibt dann doch wieder nur das bekannte Hollywood-Ende, schade eigentlich.

Ist unser Christentum auch wirklich so platt? Möchte der Film diese Parallele so ziehen oder interpretiere ich viel zu viel hinein? Bleibt am Ende nur einfache Unterhaltung und ist dieser Artikel somit redundant?

Egal wie die Antwort ausfällt: Das Christentum ist durch mehr entstanden, als durch eine simple Idee, sondern hat sich über einen langen Zeitraum hinweg entwickelt. Und es war auch nicht bloß ein Mensch dafür verantwortlich, sondern höchst unterschiedliche Gruppierungen oder Schulen. Dieses Semester besuche ich Vorlesungen im AT und NT, die nachvollziehen lassen, dass das Christentum nicht einfach vom Himmel gefallen ist, sondern feinste Bilder, kleinste Metaphern und allerlei Anspielungen auf die kulturellen, sozialen und historischen Begebenheiten der jeweiligen Zeitepoche beinhaltet.

Konkret werde ich mich dieses Semester u.a. mit folgenden Fragen beschäftigen: Woher stammt das Gottesbild im Alten Testament? Welches Bild stellt eigentlich die christlich interpretierte Auferstehung Jesu dar? Das alles sind Fragen, die man zwar mit einem simplen Bild umschreiben kann – mir fehlt dann jedoch der Mehrwert. Unsere Welt ist mehr als das Schwarz-Weiß, das der Film zeichnet, sie bietet viel mehr. Für die erste Betrachtung mag dieses kontrastierte Denken reichen, aber um wenigstens das Gefühl zu bekommen, den Stoff gänzlich zu durchdringen, möchte ich möglichst viele Facetten aus dem direkten Umfeld und aus der Umwelt des Entstehungsprozesses des Christentums und seiner Vorläufer aufsaugen. Darum studiere ich Theologie.

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