Die Familiensynode der katholischen Kirche – ein ökumenischer Überblick

Vor etwas mehr als zwei Wochen endete die sogenannte „Familiensynode“, eine außerordentliche Bischofssynode der römisch-katholischen Kirche, die vom 5. bis 19. Oktober im Vatikan stattfand. Weil vielleicht nicht alle (gerade die protestantischen) Leser mitbekommen haben, worum es da ging, will ich (im Geiste der Ökumene) hier einen kurzen Überblick bieten und zur Diskussion anregen.

Thema der Synode, zu der Papst Franziskus I. eingeladen hatte, waren „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung.“[1] Brandheiße Fragen waren dabei vor allem der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und mit homosexuellen Menschen.[2]

Die Vorbereitungen für die Synode umgab ein Hauch von Reformgeist, ja von Revolution. Große Erwartungen wurden mit ihr verbunden; besonders die offizielle Anerkennung von Homosexuellen und Geschiedenen von Seiten der Kirche schien vielen überfällig. Und ein offizieller Zwischenbericht feuerte die Hoffnung, dass es auf der Synode wirklich zu „mutige[n] Entscheidungen“ kommen würde, weiter an.[3] Aus verschiedenen Kreisen wurden Vergleiche zum zweiten Vatikankonzil gezogen. So zum Beispiel James Martin in einem Facebook-Post:

One of the most striking features of the current Synod of Bishops on the Family is how much it looks like Vatican II. (Or to push the analogy further, how much it almost seems like we are seeing Vatican III.)

Der Insiderbericht von der Synode ließ erkennen, wie massiv über im Zwischenbericht angedeuteten Schritte unter den Teilnehmenden gestritten wurde. Bald kristallisierten sich unter ihnen Gruppen heraus, „with some groups pushing for the advancement of new ideas and new ways of speaking, and other groups pushing back, more in favor of conservation of the old,“ so Martin. Die Diskussionen wurden auch im Internet hitzig weiter geführt.

Bis zum Ende der Synode konnten die grundlegenden Meinungsverschiedenheiten der Teilnehmer nicht ausgeräumt werden. Das Abschlussdokument vom 18. Oktober enthielt zahlreiche Kompromisse, besonders bei den so kritischen Punkten zum Umgang mit homosexuellen Christen und Geschiedenen. Das beschlossene Abschlusspapier soll zwar lediglich eine Diskussionsgrundlage für eine weitere Synode im kommenden Jahr sein, dennoch war gerade der Vorschlag zur Wiederzulassung von Geschiedenen zur Kommunion nur extrem knapp gescheitert.[4]

Praktisch hat die Synode an der Lehre der Kirche nichts geändert. Dennoch haben viele Hoffnung aus der Synode geschöpft. Schließlich „dürfte“ allein die Beschäftigung der Kurie mit diesen Themen „als positives Zeichen gedeutet werden“, hieß es auf Zeit Online. Auch die katholische Theologin Maria Herrmann wagt in einem Artikel für Christ & Welt den Vergleich zum Zweiten Vatikanum:

Wie vor 50 Jahren hat sich etwas Grundlegendes verändert – diesmal induktiv, im Vollzug und ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen: Zu sehr konzentrieren wir uns auf das Was, das diskutiert werden kann. Das Was, das gut bekömmlich (oder bewusst auf- und anstößig) berichtet werden kann, ohne allzu viel zu differenzieren. Das Was, das nicht oder eben nur beinahe ratifiziert wurde.

Ihr Fazit: Die Familiensynode war ein Anfang. Sie war „keine Revolution der Dinge, sondern ein Einüben einer Haltung.“

Vielleicht geht es ja nächstes Jahr weiter mit der „Reformat…ierung“ der katholischen Kirche. Und machen wir uns nichts vor: Beim Umgang mit Homosexualität ist auch die evangelische Kirche noch lange nicht fertig mit ihrer eigenen Reformation.


  1. Ein nützlicher Überblick darüber, wie eine solche Synode funktioniert findet sich hier: dbk.de/themen/bischofssynode/  ↩
  2. Dabei beschränkte sich die Synode nicht auf diese Themen. Von weiteren Fragestellungen rund um die Familie berichtet das offizielle „Vorbereitungsdokument“ des Vatikan für die Synode.  ↩
  3. Dabei sollte aber einschränkend erwähnt werden, dass selbst der Zwischenbericht deutlich festlegt, „that unions between people of the same sex cannot be considered on the same level as marriage between man and woman.“ Auch die Zulassung Geschiedener zum Abendmahl wird mit theologischen Samthandschuhen angefasst, denn die Wiederzulassung „would not be a possibility applied to all, but the fruit of a discernment […] on a case-by-case basis, according to the law of gradualness, which takes into consideration the distinction between a state of sin, the state of grace and […] extenuating circumstances.“  ↩
  4. So berichtete evangelisch.de: „Eine andere Passage betraf Überlegungen zu einer möglichen Wiederzulassung von Geschiedenen zur Kommunion. Auch diese erreichte nur eine einfache, nicht aber eine “qualifizierte” Mehrheit, mit der die Haltung der gesamten Synode repräsentiert worden wäre.“ Für eine Aufnahme in das Abschlussdokument hätte die Passage eine Zweidrittelmehrheit benötigt.  ↩
Schlagwörter: , , , ,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.