Ein neue Zeit der Ökumene – Bericht von der Konferenz „Mission Respekt“

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Vor nun fast zwei Wochen fand in Berlin die zweitägige Konferenz „Mission Respekt“ statt. Durch eine Förderung der Evangelischen Studierendengemeinde und der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend hatten einige junge Menschen, u.a. auch ich, die Möglichkeit für einen geringen Betrag an der Konferenz im Berliner Maritim Hotel teilzunehmen.

Die Wurzeln des Kongresses reichen bis 2011 zurück. Damals verabschiedeten der Ökumenische Rat der Kirchen, die Weltweite Evangelische Allianz sowie der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog zusammen das Papier „Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“, das sich mit der Praxis in der Mission beschäftigt und Handlungsanweisungen für selbige gibt. Inhaltlich ist das Papier keine große Aufregung wert, auch wenn es sehr unterschiedlich rezipiert wurde. Aber die Tatsache, dass die Vertreter*innen der Verbände, die 80 % der weltweiten Christen repräsentieren, zusammen ein Papier verabschieden war schon ein historisches Ereignis. Auch wenn von der Öffentlichkeit weitgehend ignoriert, ist es doch selten, dass zuerst eine Annäherung auf großer Bühne stattfindet, während lokal im schlimmsten Fall noch Kleinkriege geführt werden, oft einfach aneinander vorbeigearbeitet wird und nur in wenigen Fällen eine Zusammenarbeit stattfindet.

2011 also wurde das Papier mit dem Namen „Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ verabschiedet, in den Gemeinden angekommen, ist es aber meiner Erfahrung nach noch gar nicht. Selbst die meisten Theologiestudierenden zucken mit den Schultern, wenn man sie nach der Meinung zum Papier fragt. Mitunter diese Umstände veranlassten die Veranstaltung des Kongresses. Hier sollte das Papier weitergedacht werden, die mitunter sehr viel- und nichtssagenden Punkte des Papiers gefüllt werden, mit Überlegungen für die Anwendung in der Praxis; ein interkonfessioneller Austausch über das Papier sollte stattfinden.

Das alles gelang mehr oder weniger.

Zuerst war die Zeit natürlich viel zu kurz. Die Konferenz begann mittwochs um 14 Uhr und endete donnerstags um 14 Uhr. Da blieb nicht viel Zeit für Gespräche zwischen dem gut gefüllten Programm.

Beeindruckend war die Bandbreite der vertretenen Organisationen. Von katholischen Ordensschwestern über evangelische Pfarrer bis hin zu freikirchlichen Vertretern von Missionswerken war wirklich ein sehr breite Spektrum an Christen in Deutschland vertreten.

Und das war vielleicht wirklich der Hauptnutzen des Kongresses: Man (bzw. frau, aber die waren in starker Minderheit bei mindestens 75 % Männern) lernte sich kennen. Die Barrieren und Vorurteile über andere Institutionen und Glaubensinhalte fielen (zumindest teilweise). Der*die Gegenüber der anderen Konfession ist halt doch zuerst Mensch und vielleicht gar nicht so absonderlich, wie oft ausgemalt. Dabei fehlte mir persönlich aber oft die engagierte Diskussion über das Inhaltliche. Denn bei aller Harmonie, so wichtig sie auch ist, bringt es wenig, wenn man Streitpunkte in Glauben und Theologie einfach umschifft und sie aus Sorge vor einer hitzigen Diskussion nicht anspricht. Denn das wäre die wirkliche Herausforderung gewesen: Trotz hitziger Diskussionen den*die andere*n als Bruder und Schwester anzuerkennen und nicht zu verurteilen. Das kam eindeutig zu kurz.

Gedacht wurde viel. Eine Vielzahl an Vorträgen zeigte in welcher Form das Missionspapier schon rezipiert wurde und wie man es inhaltlich füllen kann. Die Einblicke reichten von einem Bericht aus Indien über die zunehmend schlechter werdende Religionsfreiheit dort bis hin zu einem Bericht über ein Projekt in Amsterdam, in dem besonders interreligiöse Zusammenarbeit, die das Papier fordert, fokussiert wird. Insgesamt war die Interreligiösität einer der Hauptpunkte des Papiers, die thematisiert wurden, wobei eine Spannung nie aufgelöst werden konnte: Ist es wirklich möglich einen interreligiösen Dialog auf Augenhöhe zu führen und gleichzeitig einen Missionsauftrag wahrzunehmen? Mehrfach wurde die Frage aufgeworfen, allerdings nie beantwortet, was wohl auch der Komplexität der Frage geschuldet ist.

Ein bisschen zu viel war die Abendgestaltung. Nach einem gemeinsamen Gottesdienst gab es schließlich noch ein Podium mit Vertretern aus Gesellschaft und Politik u.a. mit Nikolaus Schneider und Norbert Lammert. Zusätzlich zur späten Urzeit füllte die Prominenz einen Großteil der Zeit damit sich gegenseitig zu umschmeicheln und die jeweils andere Institution positiv hervorzuheben.

Am nächsten Morgen wurde es dann doch nochmal ein wenig praktischer. In verschiedenen Workshops wurden verschiedene Aspekte des Papiers nochmal behandelt, u.a. zu verschiedenen Missionverständnissen, „Mission – wo es eigentlich verboten ist“, „Mission und Interreligiöser Dialog“ usw. Ich nahm an einem Workshop zum Thema „Christsein an der Hochschule teil“. Am Spannendsten fand ich im Workshop zu hören, wie unterschiedlich die Situation an Hochschulen in Deutschland ist. Während an manchen Hochschulen die Zusammenarbeit von Kirchen und Universität sehr gut ist und das kirchliche Engagment an Hochschulen begrüßt wird, dürfen an anderen Hochschulen nicht mal Veranstaltungen der Evangelischen Kirche bei Ersti-Abenden vorgestellt werden.

Durch die vielen Berichte von unterschiedlichen Hochschulen kam mir leider die Frage zu kurz, ob und in welcher Form an Hochschulen missioniert werden sollten, barg diese Frage doch Diskussionspotential, da Vertreter der Studentenmission und der Evangelischen Studierendengemeinde anwesend waren, die teilweise sehr unterschiedliche Missionspraktiken anwenden.

Der Abschluss der Konferenz bekam leider eine leicht bittere Note. Die Veranstalter hatten ein Statement verfasst, dass nach einmaligen Lesen noch schnell verabschiedet werden sollte. Das stieß auf einigen Widerstand der Konferenzteilnehmenden, nicht, weil das Statement inhaltlich besonders problematisch gewesen wäre, sondern ob der Art und Weise. Ursprünglich waren gar keine Fragen und Kommentare zum Statement vorgesehen, die Moderatorin ließ sich schließlich auf einige wenige ein, eine Veränderung des Statements war aber nicht mehr möglich, so dass das Vorgehen insgesamt einen sehr undemokratischen Touch bekam.

Abgesehen davon schließe ich ein eher positives Resümee. Die Zusammenarbeit so verschiedener Menschen und viele interessante Impulse, v.a. zum Thema Interreligiöser Dialog wogen den Mangel an Zeit zur Diskussion und die zu harmonische Atmosphäre gut auf. Ein Weiterdenken und Weitertragen des Dokuments ist jetzt noch wichtiger. Hier gibt es alle wichtigen Infos:

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