Ist die neue Apple Watch das biblische „Zeichen des Tieres“?
Screenshot: Apple.com

Wie immer gilt die alte Regel für Internet-Überschriften: Wenn eine Überschrift ein Fragezeichen enthält ist die Antwort immer „Nein“ oder „Wissen wir auch nicht“. Im Falle dieses Artikels ist die Antwort „Nein“.


Am Dienstagabend hat Apple, der bekannte Hersteller aller iPhones und iPads, die neueste Version seines Smartphones und eine brandneue Uhr vorgestellt. Eins der neuen Features ist, dass man mit diesen neuen Geräten in der Lage sein wird, bargeldlos zu bezahlen.

Mit Apple Pay wird es in Zukunft möglich sein, mit Apples iPhone und der neuen Uhr bargeldlos zu bezahlen. Bild: Apple.com

Mit Apple Pay wird es in Zukunft möglich sein, mit Apples iPhone und der neuen Uhr bargeldlos zu bezahlen. Bild: Apple.com

Im Anschluss an die Ankündigung schossen sofort zahlreiche Theorien im Internet hervor, nach denen dieses Bezahlsystem – genannt „Apple Pay“ – und die Geräte dazu mit dem biblischen „Zeichen des Tieres“ aus der Offenbarung des Johannes gemeint sein könnten.

Denn bekanntlich heißt es in Offenbarung 13 über den Antichrist und seine Pläne:

Und es [das Tier] macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.

Manche sehen darin eine Beschreibung eines Bezahldienstes, einer Kreditkarte oder eines Mikrochips. In diese Kategorie wird auch Apples neue Apple Watch eingeordnet.

Über die Johannesapokalypse und die Identität des „Antichristen“ gab es im Laufe der Kirchen- und Weltgeschichte immer wieder reichlich Spekulation. Als Antichrist identifiziert wurden bereits im Mittelalter verschiedene deutsch-römische Kaiser und zahlreiche Päpste und Gegenpäpste. Besonders bekannt ist vermutlich Martin Luthers ökumenisch wenig ertragreiche Deutung des Papsttums als Antichrist. Aber auch Luther selbst wurde von seinen katholischen Gegnern immer wieder zum Antichrist erklärt.

Auch in unseren Tagen hält diese Form der Spekulation und gegenseitiger Verunglimpfung an. Heute trifft der Antichrist-Vorwurf unter anderem die EU, den Präsidenten der Vereinigten Staaten, die Lebensmittelindustrie und das Bankenwesen.

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Mein Eindruck ist, dass es vielen Menschen attraktiv erscheint, ein diffuses Gefühl von Bedrohung durch gesellschaftliche, politische oder technologische Veränderungen religiös als gut oder schlecht einordnen zu können. Das kann ein Gefühl von Sicherheit und Orientierung bringen. Gerade prophetische und apokalyptische Texte bieten dabei viel Raum für Spekulationen.

Dazu passt, das Spekulationen über die Offenbarung oft mit allerhand Verschwörungstheorien vermengt werden. Solche Theorien dienen ebenfalls weniger dazu, die Realität abzubilden, als vielmehr Deutekategorien für die überfordernde Undurchsichtigkeit unserer Zeit bereitzustellen.

Was bedeutet das für Apple? Einen NFC-Chip und ein paar Zeilen Code dermaßen religiös aufzuladen ist in meinen Augen weder sinnvoll noch angemessen. Das bedeutet natürlich nicht, dass man die Vorstöße des Unternehmens nicht kritisch Hinterfragen kann. Dann aber bitte auf der Ebene von technischer Sicherheit, Datenschutz und Unternehmensethik. Zu viele persönliche Daten und Funktionen in die Hände eines einzelnen Unternehmens zu geben, kann schließlich riskant sein.

Aber Implikationen für das Seelenheil hat die Wahl eines Computerherstellers wohl kaum.

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2 Kommentare anzeigen

  1. Schöner Artikel!
    In Deutschland ist man ja sowieso überkritisch, was e-payment angeht. Ich bezahle lieber meine Pizza mit Paypal als das Geld mühsam zusammen zu suchen. Allen biblischen Vergleichen in Bezug auf Apple oder Google fehlt die Grundlage.
    Was den Papst und Luthers Vergleich angeht? s.o. ;-)

  2. Martin

    Und nicht vergessen: Uhren trage ich immer links! :-D

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