Lesenswert #14 – Gazakrieg und Islamischer Staat

In dieser Ausgabe von Lesenswert stellt Philipp passend zum Themenmonat „Krieg und Frieden“ einige Beiträge rund um den Gazakrieg und den Krieg im Irak zusammen.

Gaza-Krieg 2014

Es wird wieder Krieg um das Heilige Land geführt, d.h. Krieg um und in Israel und Palästina. Dieser Konflikt reicht weit zurück, zum 100. Jahrestag des Beginns des 1. Weltkriegs wird auch an den europäischen Ursprung dieses Kriegs erinnert.

Gegen die Bilder ist unser Text machtlos

Auch Journalisten fällt es schwer den grausamen Bildern von den Zerstörungen Sinn und Ordnung zu geben. Darüber schreibt der ARD-Korrospondent Richard C. Schneider in der F.A.Z. Sein Artikel gibt zahlreiche Einblicke in die Situation vor Ort und über die Schwierigkeiten des Schreibens über dieses erneute Auflammen des Nahost-Konflikts. Der Text wurde in den letzten Tagen viel gelesen und hoch gelobt, ich will ihn Euch auch deshalb nicht vorenthalten, falls ihr ihn noch nicht gelesen habt. Er ist ganz sicher einer der bedeutenden Beiträge zur Diskussion.

„Auch in uns Journalisten regen sich zunächst Wut und Verzweiflung, Entsetzen und Trauer. Doch wir wissen auch, dass in zwei Schulen Raketen der Hamas gefunden wurden, das bestätigte die UNRWA selbst. Wie also ist dieser Angriff dann zu werten? Rechtfertigt die Tatsache, dass an diesem Ort möglicherweise tödliche Waffen versteckt wurden, die Israelis umbringen sollen, zivile palästinensische Opfer? Gelten in einem asymmetrischen Krieg noch die Regeln und Gesetze konventioneller Kriege?“

Israel Creates ‘No Man’s Land’ in Gaza, Shrinking Strip by 40 Percent

Über die Konsequenzen des Gazakrieges für die Palästinenser in Gaza schreibt Jesse Rosenfeld auf The Daily Beast. Es geht darum, dass Israel ein neues Niemandsland geschaffen und den Gaza-Streifen um 40 % geschrumpft hat. Das schränkt, wie sich jeder vorstellen kann, die Lebensmöglichkeiten der Palästinenser noch weiter erheblich ein.

 „It’s not like Israel didn’t plan this. It told tens of thousands of Palestinians to flee so its air force, artillery and tanks could create this uninhabitable no-man’s land of half-standing, burned-out buildings, broken concrete and twisted metal.“

Antisemitismusdebatte

In Deutschland wird die Debatte um Sinn und Unsinn des Gaza-Krieges ebenso geführt. Auf deutschen Straßen und in den sozialen Netzwerken macht sich dabei auch wieder Antisemitismus breit. In besonders gelungener Weise setzt sich Sibylle Berg in ihrer Kolumne auf SPON mit dem hiesigen Antisemitismus auseinander. Dass Solidarität mit Mitbürgern jüdischen Glaubens und mit den Menschen in Israel und Palästina nicht heißen muss, die Politik der Regierung Netanjahu mitzutragen, darüber schreibt Detlef Esslinger in seinem Kommentar für die SZ.

Islamischer Staat

Über den Gaza-Krieg und den Krieg in der Ukraine ist die Errichtung eines neues Kalifats auf dem Gebiet des Irak vor ein paar Wochen ein wenig in Vergessenheit geraten. Erst in den letzten Tagen ist dieser Krieg wieder in das Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit zurückgekehrt, ausgelöst wurde das neue Interesse besonders durch die Vertreibung der Christen und Jesiden.

Warum es falsch ist, Jesiden als Teufelsanbeter zu beschuldigen

Mehr über diese bisher in Deutschland nahezu unbekannte Religion schreibt Michael Blume in seinem Blog „Natur des Glaubens“.

„Der Vorwurf, Jesiden seien „Teufelsanbeter“, ist sowohl religionsgeschichtlich wie nach ihrem eigenen Verständnis unbegründet. Jesiden beten zum „gleichen“ Ein- und Schöpfergott wie Juden, Christen und Muslime. In gewisser Hinsicht sind sie – wie das Judentum – sogar besonders streng monotheistisch, da sie die dualistische Spannung zwischen Gut und Böse zu Gott hin auflösen: […].“

Irak: Brandmal „N“ wird zum Solidaritätszeichen

Im Lichte der jüngsten Vertreibungen wird das militärische Eingreifen der USA auch hierzulande begrüßt, die Lage der Flüchtlinge bleibt aber entsetzlich. Als Zeichen der Solidarität mit den verfolgten Christen haben viele Menschen ihre Profilbilder in den sozialen Netzwerken gegen den arabischen Buchstaben „N“ ausgetauscht. Was es damit auf sich hat, erklärt kurz und knapp die Religions-Redaktion des ORF.

„Die Bedeutung dieses Zeichens von Muslimen für Christen sei nicht zu überschätzten. „Irakische Muslime haben gesagt, dass sie Christen sind – nicht weil sie konvertiert sind, sondern weil sie sich selbst in ihren christlichen Nachbarn gesehen haben“, schreibt Courtney. „Wir im Westen dagegen wollen mit dem Projekt Irak weitgehend nichts mehr zu tun haben und überlassen Muslime wie Christen ihrem Schicksal.“

Das Drama von Mossul

Und zum Schluss ein Verweis auf Beiträge bei den Kollegen vom TheoBlog. Andrea berichtet in drei Beiträgen von ihrer Arbeit in der Flüchtlingshilfe im Irak. Sie gibt ganz persönliche und direkte Einblicke in das Leben der Menschen vor Ort.

PS: Weitere interessante Leseempfehlungen habe ich auf meinem Blog aufgeschrieben, darunter auch einige Videos und weitere Hintergrundstücke.

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