Moment mal: Krieg im Garten

Mit diesem Kommentar will ich mich nicht am Themenmonat „Krieg und Frieden“ beteiligen. Nein. Es gibt schließlich noch tausend andere Dinge, an die man denken muss. Gerade als Student. Zum Beispiel an Prüfungen. Viele Prüfungen sind schon vorbei, aber einige stehen auch noch an. Es ist immernoch Prüfungszeit. Ich selbst muss noch eine Hausarbeit schreiben. Hab noch nicht mal angefangen. Das ist immer so ein Krieg mit dem inneren Schweinehund. So richtigen Frieden hab ich aber erst, wenn die Arbeit abgegeben ist.

Oder Urlaub. Es ist schließlich auch Urlaubszeit. Man muss planen mit wem man wohin fährt. Das artet auch manchmal in einen Familien- oder Freundeskrieg aus! Die einen wollen dahin, die anderen gerade nicht. Dann teilen wir die Gruppe eben. Ach nein, dann ist einer alleine. Dann machen wir einen Kompromiss. Ach, dann kommt keiner mehr mit. Ja, ja. Ob man dann während des Urlaubs Frieden hat, ist auch nicht garantiert.

Oder Aufräumen. Nach so einem Semester kann die Wohnung schon mal wie ein Kriegsgebiet aussehen. In den Semesterferien hat man endlich mal Zeit den Zettelhaufen auf dem Schreibtisch aufzuräumen. Die leeren Pizzakartons wegzubringen. Alte Pfandflaschen  unter dem Bett zu finden. Die wichtigen Dokumente unter den Kaffeebechern hervorzuzaubern und abzuheften. Festzustellen, dass man diverse Fristen bei diversen Behörden versäumt hat. Die Wäschehaufen in der ganzen Wohnung zusammen zu sammeln und in mehreren Waschgängen zu waschen. Vielleicht sogar noch die Fenster zu putzen. Danach hat meine innere Unruhe und mein Putzdrang endlich Frieden!

Oder mal wieder Fernsehen. Von Sommerloch kann in den Nachrichten derzeit kaum die Rede sein. Glück für unsere PolitikerInnen – ihre persönlichen Strandpartys werden außer Acht gelassen, wenn in der Ukraine und im Gaza-Streifen der Krieg tobt. Gut, dass ich hier friedlich vorm Fernseher sitzen kann. Wenn es mir zu krass wird, schau ich einfach kurz zum Fenster raus. Ein Vogel zwitschert im Baum. Schon geht es mir wieder gut.

Wir haben doch alle unsere Ablenkungsstrategien. Wenn ich nicht zum Fenster rausschaue, dann nehme ich meinen Liebesroman zur Hand. Da ist die Welt heile. Oder ich stelle einfach das Programm um – es zwingt mich ja keiner Nachrichten zu gucken. Hier ist schließlich alles in allerbester Ordnung. In Deutschland ist schließlich Frieden. Warum soll ich mich also unnötig schlecht fühlen? Ändern kann ich ja doch nix an der Lage. Also kann ich genauso gut das friedliche Gezwitscher der süßen Vögelchen vor meinem Fenster beobachten.

Draußen fliegt eine Amsel laut zwitschernd von Ast zu Ast. Plötzlich kommt eine Elster dazu und zwitschert lauter. Springt der Amsel hinterher. Die Amsel reagiert mit kreischendem Gezwitscher. Beide Vögel jagen um den Baum. Am nächsten Tag sehe ich ein halb gebautes Nest. Gerade kommt die Elster wieder mit neuem Material im Schnabel. Wie idyllisch, denke ich. Genau in dem Moment schießt die Amsel wie aus dem Nichts auf die Elster zu. Es folgt ein ohrenbetäubender Gezwitscheraustausch. Das geht noch einige Tage so weiter. Am Ende sind zwei halbe Nester im Baum. Kein Vogel. Keine Eier. Kein Frieden?

Es sind Semesterferien und nirgends ist Frieden. Nicht mal in meinem Garten. Irgendwie ist überall Krieg. Alle reden vom Krieg. Und ganz ehrlich: so sehr ich mich auch anstrengen würde, ich könnte dem Thema nicht ausweichen. Selbst, wenn ich mich mit meinen kleinen, im Vergleich dazu trivialen Problemchen beschäftige, selbst, wenn ich den Fernseher auslasse – das Leid der Menschen würde mich doch erreichen. Man kann sich dem nicht entziehen. Man kann einfach nicht unberührt bleiben.

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