Kriegsfilme: „Man mag verloren sein, aber man ist nicht vergessen.“

Krieg und Frieden ist ein Thema, das sich durch alle Lebenslagen zieht. Selbst wenn ich ins Kino gehe ist regelmäßig auch ein Kriegsfilm im Programm. Beim Brainstorming zu diesem Beitrag ist mir ganz bange geworden, wie viele Filme es gibt, in denen der Krieg eine Rolle spielt und sei es auch nur eine Nebenrolle, so ist sie doch meist entscheidend für die Handlung des gesamten Films. Eine sehr kleine Auswahl der Filme, in der der Krieg eine größere Rolle spielt, habe ich hier mal zusammen getragen:

Dieser Artikel ist Teil des Themenmonats „Krieg und Frieden“. Achtung! Dieser Beitrag beinhaltet Spoiler zu den diskutierten Filmen!

300

Wenn ich diesen Film schaue muss ich nicht nur an die glänzenden Augen mancher Freundinnen denken, die den Film der nackten Männeroberkörper wegen gerne sehen, sondern auch an meinen Griechischunterricht, wie mein Lehrer vorne steht und in seiner typischen Art die Geschichte von dem Kampf an den Thermopylen erzählt.

Der König der Spartaner Leonidas zieht mit 300 seiner Krieger an die heißen Quellen, einer Engstelle durch die das Persische Heer unter der Führung des Xerxes auf seinem Vernichtungszug gen Griechenland muss. Das ist im Grunde der Rahmen des Filmes: auf der einen Seite Xerxes mit seinem riesigen Heer, auf der anderen Seite Leonidas mit 300 Mann, die Xerxes daran hindern wollen, Griechenland zu erobern, zu unterdrücken, zu erniedrigen. Nur durch einen Verrat gelingt es den Persern an den Spartanern vorbei zu kommen und diese einzukesseln. Die Spartaner kämpfen dennoch, um dem Griechischen Heer den Rückzug zu ermöglichen.

Die Spartaner sind standhafte Krieger, kämpfen ohne viel Rüstung. Wie oben schon erwähnt sind im Film viele Männer mit Sixpack vor einem Bluescreen zu sehen, die sich mit „Uh-” und „Sparta-” Schreien aufeinander stürzen und mit Speeren, Schwertern und Schilden kämpfen. Spartaner sind zum Kämpfen ausgebildet, geboren, gezeugt, wie der Erzähler im Film sagt.

Der Film glorifiziert den Kampf und den Krieg, nicht nur, weil der Krieg gegen Xerxes freie Männer freie Männer sein lässt, sondern auch, weil durch die Lieder, die nach solchen Kämpfen auf die Krieger gesungen werden, deren Namen nicht vergessen werden – was in meinen Augen die Endaussage des Films ist.

Bei diesem Kampf und anderen griechischen Schlachten ist das dank Herodot oder auch der Ilias sicherlich der Fall und da heute kaum noch jemand die Ilias liest (ja, ich spreche hier für mich) oder eben Herodot, braucht es Filme wie 300 oder Troja, um die Lieder weiter zu tragen, die Kämpfe und Krieger glorifizieren, wie es auch Schiller tat, dessen Übersetzung der Inschrift am Leonidasdenkmal an den Thermopylen am Ende des Films erklingt: „Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.“

Die vier Federn

Aus diesem Film stammt das Titelzitat.
Dass Lieder über Krieger gesungen werden, lässt junge Männer in die Armee gehen. Dort bekommen sie eine gute Ausbildung und sind in der Gesellschaft angesehen, für die Frauen eine gute Partie. So ist es zu Zeiten des Britischen Empires. Während der ersten Szenen des Films gewinnt man den Eindruck, als sei der Krieg für die Soldaten der Majestät ein Spiel – bis sie einberufen werden, in den Sudan abgezogen werden. Die einen sind hoch erfreut, endlich ihre Tapferkeit unter Beweis stellen zu dürfen. Einer erkennt, dass es ihm wichtiger ist, bei seiner Verlobten zu bleiben, dass er an sich nie Soldat werden wollte und verlässt sein Regiment. Seine Freunde halten ihn für einen Feigling und schicken ihm drei weiße Federn, ein Zeichen der Schande – die vierte Feder bekommt er von seiner Verlobten. Verstoßen und ohne Ziel im Leben macht er sich auf in den Sudan, seinen Ruf zu retten, seinen Freunden zu helfen.

In diesem Film geht es um Mut und um Angst. Man erhofft sich in Liedern besungen zu werden, bis einem bewusst wird, dass diejenigen, von denen diese Lieder handeln, tot sind. Die Gesänge, Gedichte, Epen erzählen eigentlich nicht vom heldenhaften Kampf des Kriegers sondern von dessen heldenhaftem Tod. Ist es das wert? An Orten zu kämpfen, die man nicht kennt, für Menschen zu kämpfen, die man nicht kennt, gegen Menschen zu kämpfen, die sich doch an sich nur gegen ihre Unterdrückung auflehnen? Es kostet Mut, dem den Rücken zu kehren und am Ende lernen alle: es ist die Freundschaft, die zählt und die Freunde sind es, für die sie zu guter Letzt kämpfen.

Die Brücke

Diesen Film habe ich als Teenager gesehen und ich sage offen, seither auch nicht wieder. Doch er ist mir eindringlich im Gedächtnis geblieben, weshalb ich ihn hier nicht außen vor lassen will. Ich bin heute noch meinen Eltern dankbar dafür, dass sie den Film gemeinsam mit uns, meinen Geschwistern und mir, geschaut haben und sich dafür Zeit genommen haben. Im Anschluss an den Film saßen wir lange zusammen, es wurden Fragen gestellt, die mit Bedacht und geduldig beantwortet wurden. Es galt den Film zu verstehen, es galt einen wichtigen Aspekt des Zweiten Weltkrieges in Deutschland zu verstehen bzw. zu erkennen: Die Faszination, die von Hitler und seiner Propaganda ausging, dass viele Menschen hinter den Idealen standen und dafür gekämpft haben.

In diesem Fall ein Haufen junger Teenager, die noch zur Schule gehen und voller Ungeduld darauf warten, für das Vaterland kämpfen zu dürfen. Der Krieg ist eigentlich schon verloren, die Alliierten sind in Deutschland und die Jungs werden zur Musterung berufen. Sie haben noch nicht mit der Ausbildung angefangen, da stehen die Alliierten vor den Stadttoren. Der Ausbilder gibt den vor Kampfeslust brennenden Jugendlichen eine in seinen Augen harmlose Aufgabe: die Brücke zu verteidigen, dass niemand sie überquert – und vergisst sie dort, an einem Ort, der sich als gefährlicher erweist, als von ihm gedacht, wo die Teenager ihre Aufgabe gewissenhaft bis in den Tod erfüllen für Führer und Vaterland – und um ihr eigenes Leben.

Warum ist mir der Film so im Gedächtnis geblieben? Weil die kämpfenden Jungs nicht viel älter sind, als ich zu der Zeit war, als ich den Film gesehen habe? Weil ich das erste Mal mit den Folgen der Weltkriegspropaganda konfrontiert war? Oder weil ich kurz darauf die Folgen in der Familie miterlebt habe?

Ich kann nicht mehr sagen, ob diese Begegnung im selben Jahr oder ein, zwei Jahre später statt gefunden hat. Es trafen sich mein Urgroßvater und der Cousin meiner Urgroßmutter bei uns im Esszimmer und der Grundtenor des Gespräches zwischen den beiden war die Frage des Cousins an meinen Urgroßvater „Wie konntest du das wissen?“. Der Cousin meiner Urgroßmutter war ein Nazi. Er ging so früh wie möglich in den Krieg, war ein Mitglied der SS, verlor in einem der ersten Gefechte seinen Arm, und ging so schnell wie möglich nach seiner Genesung wieder zurück in die Armee. Mein Urgroßvater hingegen gab seine berufliche Stellung auf, indem er sich weigerte der Partei beizutreten, wurde eingezogen und begab sich freiwillig in die Gefangenschaft der Briten. Die verzweifelte und aufrichtige Frage des Cousins, der nach dem Krieg wie so viele andere auch ausgewandert ist, verdeutlichte mir nach dem Film nochmal, wie sehr Propaganda das Denken eines Menschen und sogar einer ganzen Nation beeinflussen kann.

Propaganda, die sich über die Jahrhunderte hinweg erhält: Schütze deine Heimat, schütze deine Freiheit, werde ein Held durch Kampf im Krieg und man wird dir ewig gedenken. Man muss nicht lange suchen, um diesen Ruf auch heute zu hören.

 Welche Kriegsfilme sind Dir in Erinnerung geblieben? Und warum?

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2 Kommentare anzeigen

  1. Christopher

    Einige Kriegsfilme (Filme über Krieg/Filme, die im Krieg spielen), die meiner Meinung nach gesehen werden sollten:

    Der „Doppelfilm“ von Clint Eastwood: Flags of Our Fathers & Letters from Iwo Jima. Die beiden Filme sollten unbedingt hintereinander und in dieser Reihenfolge gesehen werden.

    Die Auseinandersetzung mit dem Vietnamkrieg in: Apocalypse Now, Full Metal Jacket, Platoon, aber auch Forrest Gump.

    Und dann noch sehr eindrucksvoll: Waltz with Bashir, Im Westen nichts Neues, Der Pianist.

    Am eindrucksvollsten sind mir die Eastwood-Filme im Gedächtnis: Sie zeigen den Kampf um die japanische Insel Iwo Jima zunächst aus amerikanischer Perspektive, anschließend aus japanischer Perspektive. Seit diesen Filmen fällt es mir unheimlich schwer, bei Kriegsberichterstattungen in Medien noch Kriegsparteien, Gute und Böse, Lügner und Aufrichtige zu sehen – man sieht nur noch Euphemismen, tendenziöse Dramatisierungen, aktive Anonymisierung der Opfer und weitschweifende Ahnungslosigkeit. Gleichzeitig stelle ich mir die Frage, wie über Krieg überhaupt berichtet werden kann? Ob die Unzulänglichkeiten jeglicher Berichterstattung und Inszenierung des Krieges bei uns überhaupt vermeidbar sind? Krieg ist eine große, unvorstellbare Absurdität.

    • Eva-Katharina WellEva-Katharina Well

      Apokalypse Now, Full Metal Jacket und Waltz with Bashir stehen bei mir noch an in Bezug auf Anti-Kriegs-Filme – Der August hat ja noch ein paar Tage ;)

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