Moment mal: Krieg und Spiele

Ich weiß nicht, was ich schreiben soll. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Deutschland jubelt im Rausch des Finaleinzugs der Nationalmannschaft (inzwischen wohl auch über den Titel), während in Jerusalem und nicht nur dort die Sirenen heulen. Die Konfliktsituation ist zur Krisensituation geworden. Ein Moderator des SWR Radios sagte am Donnerstag in etwa: beide Seiten mobilisieren ihre Truppen, das ist keine Krisensituation mehr, das ist Krieg.

Diese Worte während der Fußball-Weltmeisterschaft lassen mich an mein Kindheitsdenken erinnern, als ich mich fragte, warum es Krieg geben muss, wenn man Streitigkeiten doch auch durch ein Fußball- oder anderes Spiel lösen könnte. Doch gerade durch ein Spiel habe ich gelernt, dass Konflikte in territorialen Fragen nicht durch Spiele zu lösen sind. Wir haben es eine Zeitlang sehr oft gespielt. Je mehr mitgespielt haben, desdo spannender war das Spiel; aber jedes Mal bin ich schon sehr früh ausgeschieden. Man stand in einem Kreis, der in „Tortenstücke“ unterteilt war. Jeder hatte ein Tortenstück zu verteidigen und zu vergrößern. Dies geschah indem man Steine möglichst in das „umkämpften“ Territorium geworfen hat. Ich war nicht besonders geschickt im Zielen, habe seltenst ein Territorium getroffen und dadurch auch mein eigenes nicht verteidigen können. Wenn man dann kein guter Verlierer ist, will man das Spiel immer wieder spielen. Ich bin kein guter Verlierer und dadurch wurde mir klar, dass Kämpfe um Territorien nicht durch Spiele zu lösen sind. Wenn dann auch noch der Glaube eine Rolle spielt, da kann man dann aus Überzeugung nicht mehr verlieren.

Aber warum kommt es im Glauben überhaupt zu Krieg? Wenn ich es richtig verstanden habe gibt es doch nicht nur im Christentum die Goldene Regel, sondern in jeder Religion. Vielleicht ist das Problem an der Nächstenliebe die Definition der Liebe. Ich liebe meinen Nächsten, wenn ich ihm meine Religion entgegen bringe, denn nur durch diese wird er gerettet werden und wenn er sie nicht haben will, dann muss Gewalt helfen – ich denke, es gab Zeiten, in denen so gedacht wurde. Heute ist man vielerorts so weit zu sagen, dass Lieben heißt, seinem Nächsten zu vertrauen und ihn so zu akzeptieren wie er ist. Wenn jeder Mensch seinen Nächsten akzeptieren könnte, wie er ist, hätten wir dann nicht den Krieg überwunden?

Ok, ich merke auch gerade, dass das wieder etwas naiv ist. Wenn ich alles so akzeptiere, wie es ist, dann lasse ich zu, dass in manchen Ländern gewisse Menschenrechte keine Geltung haben. Aber bezogen auf die religiös begründeten Konflikte? Warum funktioniert es nicht? Warum können die Menschen in Jerusalem nicht in Eintracht nebeneinander und miteinander leben? Warum terrorisieren die einen die anderen? Warum grenzen die anderen die einen aus? Warum gönnen sie sich jeweils nicht mit ihrem Glauben und ihrer Religion und den damit einhergehenden Auffassungen und Überzeugungen zu leben? Und warum habe ich das Gefühl entscheidende Elemente für die Antworten zu übersehen?

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