Allein – ein Gedicht über ein Straßenmädchen in Kolumbien

Du sitzt da
Allein
Einsam
Der Mann heute war grob zu dir
Er kommt immer wieder zu dir
Liebt den Sex mit dir
Du findest ihn eklig
Seine massige Gestalt
Seine dicken Hände
Seinen starken Arme
Sie halten dich fest
Während er in dich reinstößt
Du willst schreien, weinen
Aber du kannst nicht
Deine Tränen sind längst versiegt
Deine Stimme schon lange verstummt
Seit dein Vater dich aus dem Haus geprügelt hat
Da warst du fünf
Deine Mutter hast du seitdem nur selten gesehen
Du vermisst sie
Ihre Umarmungen
Ihren Zuspruch
Ihre Liebe
Was ist Liebe überhaupt?
Du hattest mal einen Freund
Aber auch er wollte nur Sex
Du bist schwanger geworden
Hast das kleine Ding gespürt
Es hat dich getreten im Bauch
Du hast dich gefreut
Bald gibt es jemanden, der dich liebt
Weil du es liebst
Aber es starb bei der Geburt
Die Nabelschnur war um seinen Hals gewickelt
Es gab keinen Arzt
Nur eine überforderte Großmutter
Die immer nur wimmerte und vor sich hinmurmelte
Du hast dein totes Baby noch Stunden in deinen Armen gehalten
Und es dann vergraben
Ganz allein
Keine Trauerfeier
Keine Tränen
Es gibt keine Tränen mehr
Du glaubst dass du krank bist
Du fühlst dich oft schlapp
Eine Erkältung wird schnell zu einer Lungenentzündung
Stimmt es, was alle über Aids sagen?
Hast du dieses Gespenst in dir?
Aber du willst nicht nachdenken
Nur fliehen
Von der ganzen Scheiße
Du hast keine Freunde, keine Familie, keine Liebe
Nur die Freier, den Klebstoff und das Stundenhotel
Du bist allein
Einsam
Du legst dich hin
Auf den Rücken
Schaust in den Himmel
Er ist hellblau
Nur eine kleine Wolke schwebt am Himmel
Es sieht aus wie eine Hand
Wie eine Hand, die jemanden segnet
Dich?
Du blickst nach oben
Eine kleine Träne rollt deine Wange hinunter
Du kannst weinen
Endlich weinen

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3 Kommentare anzeigen

  1. Nettes reisserisches Gedicht. Willst Du damit der BILD Konkurrenz machen?
    Die brasilianischen Prostituierten die ich kenne (aus persönlicher Erfahrung) sehen die Dinge ja etwas anders.

    • Hi Juliana,
      kannst du etwas davon erzählen, wie du brasilianische Prostituierte erlebt hast? Wie sehen die ihre Situation aus deiner Sicht?

  2. Pardon, ich sehe Du sprichst ja über „kolumbianische“ Prostituierte. Mea culpa. Habe aber genauso wenig Verständnis für die triefenden Worte. Wahrscheinlich liegt es daran, daß für mich Theologie nur eine https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudowissenschaft ist und ich mich eher an Realitäten orientiere, als an Dinge, die nicht existieren.

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