Moment mal: Erwartungen

Die WM ist in vollem Gange, die ersten Gruppenspiele sind schon so gut wie entschieden, die ersten Teams sitzen quasi wieder im Flieger nach Hause. Ich habe das Spiel letzte Woche dann doch gesehen. Nach dem Ergebnis zwischen Niederlande und Spanien war ich vom Fieber gepackt und mal ehrlich: wenn man am vergangenen Montag, dem Tag, an dem das Team Deutschland sein erstes Spiel hatte, das Radio laufen hatte, blieb einem um 18 Uhr nichts anderes mehr übrig, als das Spiel zu verfolgen – also mir.

Das Spiel am vergangenen Samstag habe ich im Rahmen des Konventstreffens der Badischen Studierenden geschaut. Als mir im Zug auffiel, dass ich meine Klapperhände zu Hause vergessen hatte, war die Enttäuschung groß – meine Kommilitonen dagegen waren ganz glücklich darüber. Den vorangehenden Freitagabend haben wir damit verbracht, die bisherigen Ergebnisse zu besprechen und zu beobachten, wie das Spiel für England ausgeht. Heißes Thema bei den Gesprächen war natürlich das Team Spanien. Der amtierende Europameister – zwei mal in Folge – ist nach Brasilien gekommen, um den Weltmeistertitel zu verteidigen. Aber wie will man einen Titel verteidigen, wenn man schon in der Vorrunde ausscheidet? Wie viele Tippzettel mussten an dem Mittwoch wohl zerrissen werden. Hat irgendjemand erwartet, dass Spanien schon innerhalb der Gruppenspiele ausscheidet? Hat irgendjemand erwartet, dass Portugal am Montag so sehr untergebuttert wird?

Erwartung, ein Zustand des Wartens und der Spannung, verbunden mit Aussicht, Glaube, Hoffnung, Optimismus und Vertrauen, aber auch mit Angst und Druck, je nachdem in welcher Position des Erwartens man sich befindet. An dieser Stelle bleiben wir jetzt mal in der Position des Erwartenden. Wir erwarten in Bezug auf die Fußball-WM, dass manche Spiele spannender und schneller sind als andere, dass die einen Teams früher ausscheiden, andere später. Da wurden die ersten Erwartungen jetzt schon enttäuscht. Wir erwarten, dass sich unser Lernen in guten Noten wider spiegelt. Wir erwarten einen warmen Sommer und Schnee im Winter.

Wir erwarten sehr viel im Leben, manchmal auch einfach nur ein warmes Bett. Leider werden viele unserer Erwartungen immer wieder auch enttäuscht. Wie geht man damit um? Einzelne pampen dann rum, lassen andere Menschen spüren, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden. Die wenigsten können es ohne Lamentieren hinnehmen. Bei mir kommt es darauf an, was ich in welchem Bezug erwartet habe. Manche unerfüllte Erwartungen können dann auch schon zu Tränen führen, sei es aus Enttäuschung, sei es aus Wut. Letztere Emotion stellt sich oft ein, wenn ich zu hohe Erwartungen an mich selbst gestellt habe.

Es gibt Situationen im Leben, in denen ich es besser vermeiden sollte Erwartungen aufkommen zu lassen. Denn im Endeffekt gibt es doch nur eine Erwartung, auf die wir uns hundertprozentig verlassen können.

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