Moment mal: Fußballfieber

Seit vergangen Donnerstag fahren wieder hupende Autos durch die Straßen, hört man von öffentlichen Plätzen in der Stadt und aus der Kneipe um die Ecke die Begeisterungs- und Enttäuschungsrufe, wird gefiebert, wird angefeuert, wird geschimpft, wird gepfiffen, wird gejubelt. Und heute abend wird das alles nochmal getoppt, denn heute Abend ist das erste Deutschlandspiel in der Fußball-WM.

Habe ich nicht vor einiger Zeit geschrieben, dass ich kein Interesse an Fußball habe, und nun sprech´ ich hier die WM an? Bin ich eine von denen, die zu WM und EM die Fahnen auspackt, sich anmalt, die Blütenkette in schwarz-rot-gold umhängt und lauthals mitgrölt, als kenne sie nichts anderes? – Manchmal, wenn mich das Fieber dann doch gepackt hat. Und in meiner Zeit im Krankenhaus habe ich gelernt, dass das Fieber sogar vor stark dementen bettlägerigen Patienten kein Halt macht. Wie hat es mich damals gefreut, dass dieser Patient, der sonst sehr schwer zu pflegen war, weil seine Gelenke auf Grund einer fehlenden Physiotherapie zu Hause schon sehr versteift waren, auf einmal angefangen hat zu kicken und im Bett Fußball zu spielen, während wir bei ihm im Zimmer das Spiel geguckt haben – aber ich schweife ab. Was ist dieses Fußballfieber, das uns alle zwei oder auch vier Jahre wieder packt, wenn die Nationalmannschaften der Welt oder Europas gegeneinander antreten?

Ich denke die Deutsche Mannschaft spiegelt das ganz gut wieder. In den vergangenen Jahren waren sie immer wieder eine der Mannschaften in einer der Finalspiele, haben es aber schon lange nicht mehr zum Meister geschafft, höchstens zum Meister der Herzen. Dennoch machen sie sich alle zwei Jahre wieder neu auf, reisen in die Länder Europas und der Welt und treten gegen die anderen Mannschaften an – Sie hat der Ehrgeiz gepackt, sie wollen endlich Meister werden und den heiß begehrten Pokal mit nach Hause bringen.

Und das dürfte wohl das Ansteckende sein – der Ehrgeiz. Wenn unsere Mannschaft so standhaft spielen kann und auf den Sieg hoffen kann, dann kann ich das allemal. Dann lass ich mich von der Menge an Büchern nicht unterkriegen, die noch auf meinem Schreibtisch liegen, dann lass ich mich von der Anzahl der Korrekturvorschläge an meiner Arbeit nicht unterkriegen, da lass ich mich auch nicht davon unterkriegen, dass dadurch das Gefühl der Freude die Arbeit endlich abgeschlossen zu haben wieder verflogen ist und schon gar nicht lass ich mich von den neu aufkeimenden Gedanken unterkriegen, ob ich für das Studium gemacht bin. Da packt mich der Ehrgeiz, da lass ich mich anstecken und freue mich, dass ich mich durch Lernen und Korrigieren verbessern kann.

Ich weiß noch nicht, ob ich das Spiel heute abend gucke, da ist mein Ehrgeiz momentan größer, die Arbeit endlich abzugeben.

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Ein Kommentar

  1. Clemens Pelz

    Ehrgeiz ist in jeder Lebenssituation entscheidend und ohne Ehrgeiz könnten wir uns eigentlich direkt begraben. Super Zusammenhang, den du da herausgefiltert hast ;)

    Ich schaue die WM sehr gerne an, vorausgesetzt die Arbeit ist erledigt ;) Aber das schaffe ich immer ganz gut bei den späten Spielen ;)

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