Moment mal: Himmelvaterfahrttag

Vierzig Tage nach Ostern ist Himmelfahrt. Am Donnerstag war es wieder so weit. Als Fachtutorin der Systematischen Theologie stehe ich manchmal im ersten Semester vor ratlosen Gesichtern, wenn ich frage, warum wir Himmelfahrt feiern. Zur Ratlosigkeit kommt meist noch eine Art peinliches Berührtsein, weil man als ReligionspädagogikstudentIn bzw. TheologiestudentIn vor dem eigenen Anspruch steht, das doch wissen zu müssen … Manchmal werde ich dann noch gefragt, was eigentlich der Unterschied zwischen Himmelfahrt und Pfingsten sei?

Die Vatertagstraditionen kennen viele. Einen Vatertag gibt es auch in andern Ländern – nur bei uns liegt er auf einem christlichen Feiertag. In Österreich beispielsweise feiert man ihn am zweiten Sonntag im Juni, als Analogie zum Muttertag. Die Wurzeln desselben liegen in den USA, wo der Vatertag seit 1916 bzw. 1974 am dritten Sonntag im Juni begangen wird.

Ich hab auch gar nichts dagegen auch mal an die Väter zu denken. Heutzutage wird von den Vätern ja auch mehr verlangt, als Geld heim zu bringen. Sie sollen mit erziehen, in Elternzeit gehen, für den Nachwuchs da sein, der Frau auch mal den Rücken frei halten, sich um den Haushalt kümmern und nebenbei vielleicht doch noch ein bisschen Arbeiten gehen. Die Frau schafft das schließlich auch alles. Aber das nur nebenbei. Eigentlich feiern wir ja Christi Himmelfahrt (und das schon seit dem Jahr 370). Vierzig Tage lang zeigte sich Jesus seinen Jüngern und der Welt nach der Auferstehung und redete über das Reich Gottes. So steht es in der Apostelgeschichte. Und dann „wurde er vor ihren Blicken emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.“ (Apg. 1,9)

Die 40 ist eine wahrhaft biblische Zahl. Eine Zahl die meistens die Wartezeit vor einem Neubeginn markiert:

  • 40 Tage dauerte die Sinflut (zumindest nach der einen Überlieferung) (Gen 7,4ff.)
  • 40 Tage war Mose auf dem Berg Sinai (Ex 24,18; 34,28)
  • 40 Jahre dauerte die Wüstenwanderung der Israeliten (Jos 5,6)
  • 40 Tage läuft der Prophet Elia zum Gottesberg Horeb (1.Kön 19,8)
  • 40 Tage hat die Stadt Ninive, bevor sie untergehen soll (Jona 5,6)
  • 40 Tage verbringt Jesus nach seiner Taufe in der Wüste (Mk 1,13; Mt 4,2; Lk 4,1)

Für die Jünger begann danach auch eine ganz neue Zeit. Eine Zeit, die wir heute noch teilen. Ab da muss geglaubt werden, ohne offensichtlich zu sehen. Für Vatertagsliebhaber bricht auch des öfteren eine neue Zeit an: eine mit tierischen Kopfschmerzen und Erinnerungslücken. Ob und inwiefern für Jesus selbst eine neue Zeit anbricht, können wir nur spekulieren. Jesus kehrt in Gänze zu seinem Vater zurück. Vatertag.

Vierzig Wochen wartet man in einer normal verlaufenden Schwangerschaft darauf, dass das Baby kommt. Danach geht auch eine völlig neue Zeit los … So gesehen gibt es eine weltliche Parallele zwischen Himmelfahrt und Vaterschaft.

Schlagwörter: ,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.