Moment mal: Irgendwann muss ich Konfirmandenunterricht geben …

Gestern war Quasimodogeniti. „Wie die neugeborenen Kinder“. Vermutlich stammt die Bezeichnung aus der Zeit, in der Ostern als einziger legitimer Tauftermin galt. Ein langer Taufunterricht ging dem voran. Die Täuflinge hatten ein strenges Katechumenat zu absolvieren und durften erst als Getaufte Glaubensbekenntnis und Vaterunser auswendig sprechen. Bis Quasimodogeniti, also das ganze Osteroktav lang, mussten sie ihr weißes Taufgewand tragen.

In vielen Gemeinden ist heute die Zeit nach Ostern Konfirmationszeit. Einige fangen damit schon Quasimodogeniti an, andere warten bis Pfingsten. Der Konfirmation geht auch ein langer Unterricht voran. Gut, über „lang“ könnte man sich streiten. Manchmal erscheinen die traditionellen zwei Jahre viel zu kurz, um über alle Glaubensfragen zu sprechen. Manchmal erscheint einem die eine Stunde (oder die 90 Minuten) in der Woche schon endlos lang, weil die pubertierenden Jugendlichen wieder mit gelangweilten Gesichter und abschätzigen Kommentaren vor einem sitzen. Was ist aus den niedlichen Kindern geworden, die in der Christenlehre noch ihre eigene Theologie zum Besten gaben, Fragen über Fragen hatten und die Existenz Gottes einfach als Geschenk hinnahmen?

Ich fürchte der Konfirmandenunterricht ist eine der größten Herausforderungen im Alltag eines frischen Pfarrers oder einer frischen Gemeindepädagogin. Warum müssen Konfirmanden auch unbedingt 14 Jahre alt sein? Es gibt wohl kaum ein schwierigeres Alter im Leben eines Menschen. Ich kann mich noch gut an meine Konfirmandenzeit erinnern. Ich fühlte mich erwachsener und weltgewandter als je zuvor. Mir konnte das Leben nichts überraschendes mehr bieten, denn ich hatte es durchschaut. Für Gott hatte ich mich schon ewig vorher entschieden. Das tröstete mich darüber hinweg, dass zu meiner Konfirmation meine drei Geschwister und meine Mutter krank waren und nur mein Vater mit in den Gottesdienst kommen konnte.

Auf evangelisch.de las ich kürzlich einen Artikel: „Konfirmation: Warum 14 das beste Alter ist“. Anne Kampf fasst darin die Geschichte der Konfirmation zusammen und erwähnt verschiedene Unterrichtsmodelle. Gerade die Pubertät sei die Phase, in der diese Begleitung durch den Konfirmandenunterricht nötig sei, weil in dieser Zeit alles angezweifelt wird – auch der Glaube. Wenn die Jugendlichen nicht hier Orientierung geboten bekämen, würden sie sich vermutlich einfach abwenden. Ja, das mag stimmen. Aber diese Erkenntnis erhöht den Druck um so mehr: wenn gerade jetzt diese Begleitung so wichtig ist, dann muss sie auch gut sein. Dann muss ich als Gemeindepädagogin die Jugendlichen erreichen. Ich muss mir perfekte Angebote ausdenken. Den ultimativen Konfirmandenunterricht schaffen. Für jede Frage gerüstet sein. Ich muss … viel Gottvertrauen haben. Letztlich ist unsere Aufgabe, die Menschen ihr Leben lang in Glaubensfragen zu begleiten. Pubertät hin oder her, auch ohne Konfirmandenunterricht sollten wir das schwierige Alter unserer Schäfchen als Herausforderung annehmen. Versuchen wir also die Zeit als Chance zu begreifen. Der Geist weht schließlich, wo er will – ich hoffe auf ein beständiges Wehen in meinem zukünftigen Beruf.

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3 Kommentare anzeigen

  1. Christopher

    Den Konfirmandenunterricht als „Begleitung in einer schwierigen Lebensphase“ aufzufassen, halte ich für verfehlt. Die Jugendlichen wollen meiner Erfahrung nach nicht beglitten oder orientiert werden – das wollen bestenfalls die überforderten Eltern. Als 14-Jähriger will man von den Erwachsenen – ob Eltern oder PfarrerIn – vor allem eins: In Ruhe gelassen werden.

    • CorinnaCorinna Sperlich

      Da hast Du vielleicht recht. Natürlich kommt es da auch auf den einzelnen an, der eine will mehr Ruhe als der andere. Aber… was hälst Du davon „begleiten“ durch „Orientierung anbieten“ zu ersetzen? Jugendliche orientieren sich -und, wenn es im Nachahmen von Stars ist…

      • Christopher

        „Be a pastor, be a star!“? Oder „WWJD“? Vorbildfunktion zu übernehmen oder Vorbilder aufzuzeigen kann nie falsch sein. Mein grundlegender Anspruch an den KU wäre nicht vordergründig, Jugendliche zu orientieren und zu begleiten, auch wenn das natürliche Folge von gutem KU ist. Darauf würde ich beim KU aber nicht den Fokus setzen. Das kann man immer noch der sozialdiakonischen christlichen Jugendarbeit überlassen, die freilich den KU dahingehend glänzend ergänzen kann.

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