Moment mal: Sich selber prüfen

„Sich selber prüfen“ – so heißt das Motto der Fastenaktion der EKD für diese Woche. Sich selbst zu prüfen ist gar nicht so einfach. Viel leichter ist es, sich selbst nicht zu hinterfragen, seine eigenen Ideale gutzuheißen und auf andere, die diesen Idealen nicht entsprechen, herunterzublicken. So wie die Menschen über die Ehebrecherin in Joh 8,1-9 richten wollten: Sie sollte für ihre Straftat gesteinigt werden. Doch Jesus griff ein und sprach seinen berühmten Satz: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Die Menschen damals konnten es danach nicht über sich bringen, einen Stein zu werfen. Sie wussten: Auch sie haben gesündigt.

Die Geschichte erinnert mich an die langanhaltende Diskussion in der EKD über Ehe und Familie. Die Kirche postulierte über lange Zeit hinweg ein Ideal: eine lebenslange Ehe mit hoffentlich vielen Kindern. Sex vor der Ehe war verboten, Homosexualität Sünde und Scheidungen wurden nicht geduldet. In der evangelischen Kirche sind wir zwar schon länger von diesem Ideal abgerückt, aber an dem immerwährenden Interesse kann man die Brisanz dieser Diskussion erkennen.

„Sich selber prüfen“ – heißt in dieser Diskussion meiner Meinung nach, nicht seine eigenen Ideale in den Vordergrund zu stellen, sondern die Gottes. Und die sind immer die der Liebe und Vergebung. Jesus zeigte den Menschen, die im Inbegriff waren, eine Frau zu steinigen, dass auch sie nicht ohne Sünde sind und das sagt er uns auch heute. Wie kann ich über jemand anders richten, wenn ich mich selbst noch nicht geprüft habe? Nicht nur beim Nachdenken über Ehe und Familie, auch im Alltag sollte ich mich immer wieder prüfen: War es richtig, was ich gesagt habe? Kenne ich die Person gut genug, um ihr einen Ratschlag zu erteilen oder entspricht dieser vielleicht nur meinen eigenen Idealen? „Sich selber prüfen“ – Das bedeutet für mich, mich in der Hinsicht zu prüfen, ob ich Gottes Idealen entspreche. Für mein Handeln bedeutet das, zu prüfen, ob ich nach den Maßstäben der Nächstenliebe lebe, in Interaktion mit Familie, Freunden und Fremden. Und nicht den ersten Stein zu werfen, denn ich weiß, ich kann nicht ganz ohne Sünde sein.

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