Moment mal: Selber Suchen

Nachdem letzte Woche Philipp ausführlich über das „selber Denken“ in der Religion nachgedacht hat, will ich das Gleiche heute zum Thema „selber Suchen“ versuchen.

„Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei,“ schreibt Paulus im Bibeltext zur zweiten Woche der Fastenaktion „7 Wochen ohne“, „ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.“ Paulus war ein Sucher. Er hatte eine klare Botschaft zu verkündigen, aber nie hätte er geschrieben: „So geht’s und damit fertig.“ Sondern er wusste: Als Theologen sind wir Suchende, und werden es ein Leben lang bleiben.

Wenn man bei Google die Schlagwörter „Theologie“ und „Suchen“ eingibt, finden sich unter den über zwei millionen Ergebnissen vor allem Virtuelle Kataloge, Rezensionsdatenbanken und Suchfunktionen von Universitätsbibliotheken. Zum „selber Suchen“ regt da niemand an. Nur zum Suchen nach theologischer Literatur; nach Sachen, die andere schon für uns gesucht und aufgeschrieben haben.

Das wäre doch eine Idee für die Fastenzeit: Bibelkommentare und Konkordanzen fasten und stattdessen selber suchen, selbst versuchen, Antworten in den Bibeltexten zu finden. Vielleicht auch ganz neue, die sonst unentdeckt geblieben wären.

Für uns Theologen steckt da der Aufruf drin, für eine Weile auf „Sekundärliteratur“ zu verzichten und die eigenen exegetischen Muskeln zu betätigen, selbst in den Urtext hinein zu schauen und zu suchen – nach Gottes Wort, das sich irgendwo darin verbirgt.

Wenn wir uns ganz ohne Hilfsmittel dem Text aussetzen, müssen wir ganz neue Methoden anwenden. Vielleicht sogar ganz untheologische. Da müssen wir uns den Text nicht aus Exegeseschritten, sondern im stillen Gebet erschließen.

Dem einen oder anderen mag diese Herangehensweise unwissenschaftlich vorkommen. Aber vielleicht liegt darin gerade eine spannende Herausforderung.

Ihr merkt, ich stecke gerade mitten in meinem Gemeindepraktikum und meine Überlegungen sind deshalb sehr praktisch-theologisch und auf das Predigtamt ausgerichtet. Aber ist es nicht schon Predigt, wenn wir Theologie, das Reden von Gott, praktizieren und weitergeben? Und bedeutet nicht das Theologiestudium vor allem Anleitung zum „selber Suchen“?

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