Moment mal: Fasching

Heute ist Rosenmontag. Fasching. Im Fernsehen werden die Umzüge übertragen, die ganzen letzten Wochen schon liefen in den dritten Programmen Büttenreden von dort und von dort. Facebook ist gefüllt mit Fotos von Freunden in ihren Kostümen, bevor sie feiern gehen, während sie feiern sind, Standortangaben, wo sie feiern sind und mit wem. 

Fasching ist nicht so ganz mein Ding. Ich kann nicht sagen, woran das liegt. Es könnte an der Gegend liegen, in der ich aufgewachsen bin. Dort wurde Fasching nicht sehr hoch gehalten, ich wüsste auch nicht, ob es dort einen Faschingsumzug gegeben hat. Auf jeden Fall gab es dort keine Faschingsferien, weder in der Schule, noch hatten Geschäfte am Montag oder am Dienstag geschlossen. Es könnte aber auch daran liegen, dass wir auch in der Schule kein Fasching gefeiert haben. Ich hatte am Rosenmontag Schulunterricht, wie an jedem anderen Tag auch. Aber das hing damals mit dem Golfkrieg zusammen.

Es kann aber auch einfach daran liegen, dass ich nicht so der Typ dafür bin. Warum stehen die Menschen auf der Straße, winken sich gegenseitig zu, rufen Helau und Alaaf und Hajo, und was sonst noch, bewerfen sich mit Bonbons und Popcorn, küssen wildfremde Menschen, malen sich bunt an, verkleiden sich; während meiner Zeit im Krankenhaus habe ich dann auch miterleben dürfen, wie diese Ekstase und Feierlaune schnell ins Gegenteil umschlagen kann, vor allem wenn man an einen Arzt gerät, der kein Erbarmen kennt. Aber denen, die Freude daran haben, will ich das jetzt hier nicht vermiesen, das sei ferne; ich frag mich nur einfach. Ja, ich gebe zu, auch ich werde heute Abend feiern, weil ich auf einen Geburtstag eingeladen bin, und auch ich werde mich verkleiden. Aber es ist ein Geburtstag. Geburtstage feiert man das ganze Jahr, warum braucht man Fasching? Warum freut man sich so auf Fasching? Warum hat man das Bedürfnis mal so richtig – entschuldigt bitte die Wortwahl – die Sau raus zu lassen?

Ich habe mich mal ein bisschen kundig gemacht, was Fasching ist, woher der kommt, warum es den gibt. Bisher hatte ich immer gedacht, dass das mit der darauf folgenden Fastenzeit zusammen hängt, im Sinne von Fastnacht als die Nacht vor dem Fasten. Aber da hat mir die RGG einen Strich durch die Rechnung gezogen. Die sagt, dass es ursprünglich Fasnacht heiße und von faseln: „Unsinn treiben“ abzuleiten sei. Selbst das „carne vale“ sei eine falsche Ableitung. Karneval sei vielmehr von „carrus navalis“ abzuleiten, dem bekränzten Schiff, das ins Meer gefahren wurde, wie sie ja auch heute in Venedig unterwegs sind.

Im Grunde kann man wohl gar nicht wirklich sagen, woher Fasching kommt. Auffällig ist nur, dass es bei den meisten doch immer wieder um die Fruchtbarkeit geht. Das erklärt dann wohl auch die Bekleidung der Tänzerinnen des Karnevals in Rio. Und dahinter scheint wohl der ganze Sinn zu liegen: in Kostüm ist man losgelöster, weniger an Konventionen gebunden, es ist leichter neue Kontakte zu knüpfen. Na, da hab ich doch mit Bridget Jones das richtige Kostüm für heute Abend.

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