Großstadttheologe vs. Großstadtchrist
Berlin vom Teufelsberg | Foto: Heye Jensen via Flickr

Berlin, du gottlose Stadt. Ich sage, dass ich Theologie studiere. Reaktion: WTF. Ich fühle mich wohl.

Berlin, du göttliche Stadt. Ich sage, dass ich Theologie studiere. Reaktion: Geil! Auch ich liebe Jesus. Ich fühle mich unwohl.

Als das Studium mich nach Berlin zog, da wusste ich, dass diese Stadt wirklich bunt ist. Nun gut, ich komme vom Dorf, dort definiert sich bunt in verschiedenen Grüntönen der Bäume. Das mag schön sein, ich wollte aber eine andere Definition probieren. So probiere ich abseits meines Theologiestudiums auch verschiedene Definitionen von Kirche aus. Konservative Dom-Predigt oder lieber die eigentlich noch konservativere Predigt in „modernen“ City-Kirchen? Alles mal ausprobieren.

Berlin vom Teufelsberg

Berlin vom Teufelsberg | Foto: Heye Jensen via Flickr

Ich treffe immer neue Menschen, im Small Talk kommt man schnell auf den Beruf / die Ausbildung / das Studium zu sprechen. Ich erzähle immer, dass ich Theologie studiere – ein Geheimnis ist das nicht, viel mehr eine bewusste Entscheidung. Mir doch egal, was andere denken. Ich kann es mir nicht erklären, aber schon das ein oder andere Mal zahlte sich meine Ehrlichkeit nicht so ganz aus. Meinen Freunden erzähle ich dann später immer von „verrückten Christen“. Menschen, die total darauf abfahren, dass ich Theologie studiere, weil sie auch Gläubige in einer Gemeinde sind.

Stopp.

Ich studiere Theologie, weil ich gläubig bin, aber ich bin nicht gläubig, weil ich Theologie studiere. 

Bei diesen Begegnung ist es mir schon häufig passiert, dass Teile dieses Satzes durcheinandergebracht wurden. Ein Laie, der nicht Theologie studiert, kann auch Theologe sein – keine Frage. Er ist aber nicht der gleiche Theologe wie ich. Nicht jede_r lernt die alten Sprachen und kann die historisch-kritische Methode auf einen Bibeltext anwenden. Vielleicht will er oder sie das auch gar nicht. Macht auch nichts, aber ich möchte mit diesen Menschen nicht auf eine Stufe gestellt werden. Diese Einordnung ist mir aber schon oft widerfahren, dann mache ich mir immer Gedanken um die Außenwirkung der Theologie. Theologie zu studieren formt auf der anderen Seite natürlich auch den eigenen Glauben, ich behaupte jedoch, dass dieser sich vom „Laienchristentum“ unterscheidet. Ich verwende diesen Begriff nicht gern, möchte mich aber auf jeden Fall auf eine gewisse Art abgrenzen.
Warum das so ist, möchte ich kurz unkommentiert zeigen:

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Gesehen bei Facebook. Uninteressant von wem, denn ich möchte niemanden öffentlich schmähen.

Was hier für mich „Abfall“ ist, ist das Gedankengut dieser Meschen. Sie selbst bezeichnen sich vermutlich auch als Christen. Sie sind aber unübersehbar andere Christen als ich. Ursprünglich wollte ich diesen Artikel über die Maischberger-Ausgabe der vorletzten Woche schreiben. Dazu ist aber inzwischen alles gesagt, sodass ich mich lieber darauf konzentrieren möchte, was mich an der Sendung eigentlich gestört hat. Ich musste immer wieder an den Screenshot denken, denn er stammt von dem Facebook-Profil eines Gasts der Sendung.

Es stört mich, dass ich mit diesen Menschen auf eine Ebene gestellt werde, denn wir stehen definitiv auf verschiedenen und haben sicherlich nur wenige Schnittmengen. Das ist jedoch das, was das Theologiestudium für mich ausmacht, was mir die Motivation zu meinem Studium gibt. Ich möchte mich abgrenzen von Meinungen, die ich für nicht hinnehmbar halte, und meine eigene Position stärken. Auf die Probe gestellt wird das immer wieder und ich werde in Zukunft immer besser lernen, damit umzugehen. Die Theologie wird mein Glaubensverständnis weiter formen und eines Tages werde ich vermutlich auch die richtigen Worte finden, wenn ich mal wieder auf „verrückte Christen“ treffe.

Berlin, du gottlose und göttliche Stadt. Ich sage, dass ich Theologie studiere. Reaktion: WTF, auch ich liebe Jesus. Schön für dich, denn ich fühle mich wohl.

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7 Kommentare anzeigen

  1. Hmm, ich kann Dich verstehen. Allerdings, wen sie an Christus glauben und Du an Christus glaubst, dann ist die Abgrenzung wahrscheinlich nicht ganz durchführbar. An dem Punkt müßtet Ihr nen gemeinsamen Nenner finden, nicht?

  2. Hey Heye,
    deine Abgrenzungsgedanken kann ich sehr gut verstehen. Auch mir kommt es manchmal so vor, als würden andere Christenmenschen doch an einen anderen Gott glauben. Aber dummerweise gibt es eben nur den Einen.

    Auf meinem Blog habe ich mir diesbezüglich schon ein paar Gedanken gemacht. Nachhaltig beeinflusst hat mich zu diesem Thema aber vor allem Miroslav Volfs Buch „Von der Ausgrenzung zur Umarmung“. Hier ein Gedanke daraus: http://www.hannesleitlein.de/grenzenlos-bemerkenswerte-fusnote/

    Beste Grüße
    Hannes

    • Hallo Hannes,
      danke – das Buch klingt auf den ersten Blick wirklich spannend, ist in der Leseliste! Das Zitat auf deinem Blog klingt auf jeden Fall vielversprechend.

  3. Hallo! Ich verstehe, in welche Richtung du denkst/empfindest. Sich bei der „Auch ich liebe Jesus“-Reaktion unwohl und vereinnahmt zu fühlen oder zumindest nicht sicher zu sein, ob die Gegenseite das „auch“ genauso wie man selbst interpretiert, das ginge mir genauso. Ich hätte mir von deinem Artikel jedoch noch eine stärkere Auseinandersetzung damit gewünscht…. auf einmal war der Artikel einfach zu Ende. Worin genau liegen die Unterschiede? Wie würdest du den Facebook-Ausschnitt kommentieren? Warum möchtest du dich abgrenzen? Natürlich habe ich da selbst auch schon eigene Antworten, doch genau das formuliert zu sehen, hätte ich gut und interessant gefunden.. vielleicht kommt da aber auch noch was!? Wäre schön!
    Liebe Grüße! Mathilda

    • Zum Screenshot: Dort liegt IMHO eine ziemlich intolerante Stimmung vor, die ich aus meiner eigenen Sicht nicht teilen werde. Davon möchte ich mich abgrenzen.
      „Abfall“ sagt in diesem Zusammenhang alles.

      Vielleicht ist im Artikel nicht deutlich geworden, aber eine konstruktive Auseinandersetzung fällt mir gerade etwas schwer. Für eine genauere Analyse muss ich mir noch so einige Gedanken machen, da mich das Thema aber sehr interessiert, bleibe ich am Ball.

  4. Tim

    Hey Heye,
    Gedanken, die ich gut nachvollziehen kann. Allerdings vielleicht auch etwas plakativ, denn auch unter den Gemeindechristen ohne Theologiestudium ist bei weitem nicht die Mehrheit der Meinung, von der du dich abgrenzt (wobei es da regional durchaus Unterschiede geben mag), andererseits findet man ähnliche Positionen leider auch unter Menschen, die die historisch-kritische Methode durchaus anzuwenden gelernt haben.
    P.S.: Kleine Anmerkung: Ich finde es gut und richtig, dass du die Menschen, deren Facebook-Kommentare du im Screenshot abgebildet hast, nicht an den Pranger stellen willst. Aber dann mach dir bitte auch die Mühe nicht nur den Namen, sondern auch das Profilbild unkenntlich zu machen.

    • Zu Facebook: Ich verstehe dein Anliegen, aber der Beitrag war öffentlich geteilt und somit für jede_n einsehbar. Somit hätte ich theoretisch nichts unkenntlich machen müssen. Dennoch werde ich es zukünftig anders machen.

Hannes Leitlein antworten … Antworten abbrechen

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