Moment mal: Darf ich mitreden?

So so. Es gibt also unzumutbare Pfarrstellen? Wer hätte das vermutet. Wer die Debatte um Max Melzers Artikel „Liebe Kirche, wir brauchen euch nicht“ verfolgt hat, weiß worum es geht: die Volkskirche ist ein ausgedientes Modell, das haben auch die Kirchenleitungen erkannt. Und schlagen deshalb folgende konstruktive Veränderungen vor: … Richtig. Nichts.

Besonders die Landgemeinden werden als unzumutbar beschrieben: viele Kirchengebäude, dazu die parochialen Gemeindegrüppchen und weite Wege. Hier muss tatsächlich ein Umdenken stattfinden. Die, die unseren Podcast „Sag mal“ Episode 5 „Was kommt nach dem Studium“ gehört haben, wissen, dass ich tatsächlich ins Pfarramt will. Es kommt noch besser: ich will auf’s Land. Nur … ich bin Religionspädagogin, keine klassische „Volltheologin“. In der EKM (Evangelische Kirche Mitteldeutschlands) und in der EKBO (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburgs und der schlesischen Oberlausitz) darf ich ins Vikariat und ordiniert werden, in den anderen Landeskirchen, z.B. der LKS (Landeskirche Sachsen) nicht.

Wir ReligionspädagogInnen werden etwas praktisch orientierter ausgebildet. Pädagogik, Didaktik und Vernetzung von Gruppen wird betont. Als Gegenzug kommen die Sprachen zu kurz. Ich will uns auch nicht als Lösung hinstellen, schon gar nicht als die perfekten neuen PfarrerInnen. Sondern ich will vorschlagen, dass wir endlich als TheologInnen ernst genommen werden und mit den sogenannten „Volltheologen“ zusammen diese „unzumutbaren Stellen“ reformieren. Dass wir in die Zukunftsperspektive der Kirche mit einbezogen werden.

Peter schreibt unter Max‘ Artikel:

„M.E. wird es Zeit, dass die Menschen, die in den Landeskirchen etwas zu sagen haben, realisieren, dass das jetzige Modell ,Volkskirche‘ ein Auslaufmodell ist, und dass andere Strukturen der ,kirchlichen Versorgung‘ der Gemeinden entwickelt werden müssen.“

Solche Strukturideen gibt es. Tatsächlich. Sie finden nur kaum Gehör. Deswegen kennt sie fast keiner. Ich erinnere mich an ein Referat, dass ich im vierten Semester halten musste: „Von der Ortskirche zu kirchlichen Orten“, ein Modell nach Uta Pohl-Patalong. Hier werden nicht-paroichiale Formen von Kirche als Zukunft möglich. Das ist vermutlich nur ein Beispiel, um auf die offensichtliche Krise zu reagieren.

Liebe Kirche, ich will ins Pfarramt. Darf ich mitreden?

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6 Kommentare anzeigen

  1. Ist wirklich das Parochialsystem das Problem? Ich find, es ist gar nicht so übel, daß jeder, egal wo er wohnt, erst mal ne klare Zuordnung zu ner Gemeinde hat. Im Zweifel geht ja umpfarren immer noch…

    • CorinnaCorinna Sperlich

      Selbstverständlich hat das Parochialsystem auch Vorteile! Das will ich gar nicht abstreiten :) Es stellt sich m. E. nur die Frage, wie zukunftsfähig es ist. Menschen sind heutzutage wesentlich mobiler als früher und wollen auch selbstbestimmt entscheiden, wo sie hingehen. Nämlich dahin, wo ihre Interessen angesprochen werden. Das ist für eine heterogene Parochialgemeinde ein sehr hoher Anspruch. Leichter zu realisieren, wenn man sich gleich den Interessen entsprechend trifft… Das ist ja auch nur ein Vorschlag für eine Änderung. (Aber ein ziemlich guter, wie ich finde^^)

  2. So, und jetzt noch einmal mit einem Glossar für die nicht-theologiestudierenden Leser :-)

    Vorzugsweise mit einem abbr-Tag: https://developer.mozilla.org/en-US/docs/Web/HTML/Element/abbr – dann haben Blinde mit ihrem Screenreader auch etwas davon und die Abkürzungen dürfen stehen bleiben ;-)

    Ich müsste diese Begriffe nachschlagen: parochial, EKM, EKBO, LK (= Landeskirche?), LKS.

    Ich möchte nur helfen, den Beitrag zu verbessern!

    • CorinnaCorinna Sperlich

      Danke für den Hinweis!
      Die Abkürzungen in Großbuchstaben habe ich gleich im Text ergänzt – war schon etwas faul von mir Landeskirchen mit LK abzukürzen…

      „parochial“: Die Parochie ist sozusagen der Amtsbezirk eines Pfarrers. Wenn man in dieses Bezirk zieht, gehört man automatisch zu dieser Gemeinde. Nicht-parochiale Gemeindeformen versuchen das aufzulösen und stellen z.B. die Altersgruppe oder Interessen (wie Musik) in den Vordergrund.

      Ich hoffe das hat Dir weitergeholfen! LG

  3. western union standart

    „die Volkskirche ist ein ausgedientes Modell, das haben auch die Kirchenleitungen erkannt. Und schlagen deshalb folgende konstruktive Veränderungen vor: … Richtig. Nichts.“

    Falsch.

    „Nur … ich bin Religionspädagogin, keine klassische „Volltheologin“. In der EKM (Evangelische Kirche Mitteldeutschlands) und in der EKBO (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburgs und der schlesischen Oberlausitz) darf ich ins Vikariat und ordiniert werden, in den anderen Landeskirchen, z.B. der LKS (Landeskirche Sachsen) nicht.“

    Und das zu Recht. In Sachsen studiert man Religionspädagogik in einem Bachelorstudiengang in Moritzburg. Dass es große Unterschiede zu einem Theologiestudium gibt, ist da schon bei der Regelstudienzeit klar. Dafür gibt es eben in Sachsen den Beruf des Gemeindepädagogen, der wichtige Aufgaben in der Gemeinde erfüllt und zu einer Berufsspezifizierung der hauptamtlichen Verkündigungsberufe beiträgt. Dass sich dabei die Vergütung von der des Pfarrers unterscheidet, ist eben zum Teil in der Ausbildungsanforderung begründet, zum anderen habe ich persönlich nichts dagegen, wenn hier nachgebessert wird.
    Keine Frage ist, dass es in der Praxis möglicherweise Gemeindepädagogen gibt, die bessere Pfarrer wären, als die Pfarrstelleninhaber. Das mag vorkommen.

    „Ich will uns auch nicht als Lösung hinstellen, schon gar nicht als die perfekten neuen PfarrerInnen. Sondern ich will vorschlagen, dass wir endlich als TheologInnen ernst genommen werden und mit den sogenannten „Volltheologen“ zusammen diese „unzumutbaren Stellen“ reformieren. Dass wir in die Zukunftsperspektive der Kirche mit einbezogen werden.“

    Und das ändert an den Problemen jetzt genau was? Wieso können Religionspädagogen die Dinge besser lösen als „Volltheologen“?
    Auch die These, dass irgendein Konzept, egal welches, hauptsache nicht Pachorialsystem, alle Probleme löst, finde ich albern.
    Womöglich hat das Pachorialsystem Vor- und Nachteile.
    Aber das haben die anderen Konzepte auch. Und ich glaube, da machen sich die Landeskirchen schon gedanken. Nicht umsonst gibt es Projekte verschiedenster Art, Gemeindepflanzungen, Milieugemeinden, etc… . Dass da immer noch Luft nach oben ist, liegt wahrhscheinlich an der Natur der Dinge: Ressourcenknappheit, eine gewisse Starrheit, und eben daran, dass hier auf Erden eben nie alles Gold sein wird.

    „Liebe Kirche, ich will ins Pfarramt. Darf ich mitreden?“

    Böse gesagt – dann studiere eben einfach entsprechend. Man kann sich ja vor Beginn des Studiums informieren, was mit dem entsprechenden Abschluss möglich ist. Ich kann auch nichtr Medizin studieren und dann Psychologe werden, sondern ich kann dann nur Psychiater werden. Auch wenn sowohl Medizin als auch Psychologie bestimmt „was mit Menschen“ zu tun haben.
    Es hat m.E. nichts mit einer irgendwie gearteten Bösartigkeit der Kirchenleitungen zu tun, falls du nicht ins Pfarramt gehen kannst.

  4. Susannah Krügener

    Es hat m.E. nichts mit einer irgendwie gearteten Bösartigkeit der Kirchenleitungen zu tun, falls du nicht ins Pfarramt gehen kannst.

    Aber böse ist es, wenn man sein Theologie-Studium in Berlin im Jahre 2000 abgschlossen hat, dann mit der Peitsche von der „Liste der Theologiestudierenden“ vertrieben wurde, um der Pfarrerschwemme Herr zu werden und jetzt, wo Pfarrer gesucht werden, 2 Jahre zu alt ist, um ins Vikariat/2.Ausbildungsgang übernommen zu werden.

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